„Totgeglaubte…“

Posted in Arrangements on Oktober 4, 2009 by indiapore

… leben länger!“ – Und mit diesem Zitat „der Firma“ sowie einer nochmals frisch frisierten Seite reanimiere ich diesen digitalen Friedhof zur Finalrunde von `indiapore´. (Okay, das Zitat ist womöglich nicht unbedingt von den Kölner Rappern!)

Nach dem überraschend großen Feedback und den großen Besucherzahlen während meiner 369 Tage im Indien, Nepal und Australien möchte ich mich daher zuallererst einmal bei allen treuen Lesern meines Blogs bedanken und ich versichere schon jetzt, dass hin und wieder vorbeischauen lohnt, denn es werden noch ein paar Highlights visueller und akustischer Art kommen – der Materialfundus, resultierend aus Indien, Nepal und Australien läßt mir als Kunststudenten einfach zu sehr die Nägel brennen, als dass ich jetzt alles auf einem externen Laufwerk vor sich hinrotten lasse. Soviel vorab – es sei nicht zuviel verraten!

Zweitens: Eine retospektive Betrachtung des vergangenen Jahres. Was waren die vergangenen 12 Monate für mich? – Nun, zunächst möchte ich sagen ein ziemlich krasser und extrem starker Cocktail aus Erfahrungen positiver und negativer Art. Dabei beziehe ich mich vor allem auf meine Person, klar – aber sie mögen im Kontrast zu vielleicht anderen Menschen stehen, die in diesem Jahr mit mir unterwegs waren oder die das Ganze ebenfalls schon erlebt haben – Reihenfolge unwichtig.

Ich habe Dinge erlebt und gesehen, die einfach eine Nummer zu groß sind um sie jetzt einfach so in den Raum zu stellen oder zu diskutieren. Als bestes Beispiel voran die doch nach wie vor erschreckende Armut in Indien und Nepal. Die globale Armut ist, vor allem in der dritten Welt und den sog. „Schwellenländern“ ist einfach da und man begegnet ihr in jedem Fall, wenn man, wie in meinem Fall durch Indien und Nepal reist. Für immer werden mir da wohl die Kinder in Erinnerung bleiben, die tagsüber Süßigkeiten und Drogerieartikel in kleinen Familiengeschäften in Nepals Hauptstadt Kathmandu verkauft haben und bei Dämmerung vom eigenen Familienvater zur Prostitution auf die Straße geschicht worden und sich  für Einheimische und westliche Touristen verkaufen – ein schreckliches Bild, aber leider eine Tatsache. Wenn man da zu Hause über Kinderarmut und Bildungsnotstände debattiert, dann ist so etwas Abscheuliches schon fast utopisch für uns, um es sich überhaupt vorstellen zu können. Und trotzdem passiert es auf unserem Planeten – tagein, tagaus! Ebenso werde ich mich warscheinlich an einen meiner letzten Arbeitstag in Delhi erinnern, an dem mich (wie so oft) ein Bettler in Neu-Delhi an der Kreuzung ansprach und Geld von mir wollte. Eigentlich war ich da die gesamte Zeit über nicht so der Freigiebigste,  oftmals organisierte Bettlerbanden und die gutgemeinten Ratschläge lassen einen da schnell kaltherzig werden. Aber wenn ein ungefähr Gleichaltriger vor einem steht, von der Lepra total zerfressen und auf Krücken schwingend ohne Beine, geschweidedenn Protesen, dann läuft es mir noch im Nachgang eiskalt den Rücken runter und um das Geld, das ich ihm in diesem Moment in die Hand gedrückt habe, tut es mir erst recht nicht leid. Höchstwahrscheinlich hilft diesem Kerl der für uns niedrige Betrag weiter als eine Spende zur „Krebs-Gala“ im Zweiten zur Vorweihnachtszeit, oder der Seelenfrieden gebende Geldbrief an „Brot für die Welt“. Und trotzdem sind solche Dinge einfach nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Man merkt in solchen Momenten wie stark unser Lebensstandard in Europa sich von dem in Südasien unterscheidet. Ein Euro kann hier im Zweifelsfall schnell mal über Leben oder Hungertod entscheiden und nicht wie bei uns über eine abgeleistete Arbeitsstunde im Rahmen von Hartz IV.

Fast schon abartig ist dann das krasse Kontrastprogramm in der südlichen Hemisphäre in Australien und meinen Rotblitzer aus Brisbane, der mich saftige 300 australische Dollar gekostet hat. Als Firmenwagen eigentlich 1200 Dollar, aber Gesetze kann man ja bekanntlich mit anderen Gesetzen widerrufen oder anders auslegen, so dass ich am Ende mit dem knappen Haldjahresverdienst eines indischen Straßenbauers davon kam, weil ich eine rote Ampel passiert habe.

Oder die 5 Wochen Schulpraktikum in Melbourne und die schwierigen Stundenvorbereitungen durch die beengten Wohnverhältnisse in einem 15qm großen Zimmer, welches ich mir mit 4 anderen (teilweise recht seltsamen und unappetitlichen) Typen geteilt in einem Hostel geteilt habe. Alles keine schönen Erfahrungen, aber Dinge, die einem in dieser Zeit zu schaffen gemacht haben, heute aber als feste Erfahrungen in meinem Kopf verankert bin, wenn ich doch auf meine Zeit in diesen Ländern zurückblicke. Bisher eigentlich recht negative Erfahrugen, wie ich finde… Aber was wäre eine solche Reise, eine solche Zeit im Ausland ohne die schönen Erfahrungen und Erlebnisse, wegen welchen man doch ursprünglich losgezogen ist!? – Eigentlich nichts! Und im Nachhinein sind es doch die positiven Erfahrungen, die schönen Erinnerungen und die fantastischen Erlebnisse, die das letzte Jahr zu dem gemacht haben, was es für mich jetzt ist – ein buntes Potpourri aus Eindrücken, Erinnerungen und Erfahrungen – wunderschöne, schlechte, krasse, wahnsinnige, unbeschreibliche, zu viele um sie einzeln aufzuzählen oder zu kategorisieren…

Ich habe über 7 Monate an der deutschen Schule in Neu-Delhi gearbeitet, anderthalb Monate an der deutschen Schule in Melbourne und nochmal 2 Monate als Hausmeister in drei privaten Kindergärten / Vorschulen gearbeitet (Was jetzt keine Vorahnung auf meinen Studienabschluss sein soll… 😉 ). Jetzt schaue ich zurück und habe nicht nur zwei wunderbare Arbeitszeugnisse vorliegen und mir durch meinem „Hausmeister-Willy-Job“ einen der fettesten Urlaube meines Lebens in Australien mitfinanziert, sondern habe auch die Bestätigung bekommen die letzten 5 Jahre das Richtige studiert zu haben (Ist das wirklich schon so lange her?).

Absolute Highlights des vergangenen Jahres waren dann aber doch neben den beruflicen Erfahrungen, die ich sammeln konnte das Reisen an sich. Manchmal habe ich mir diese Leidenschaft vielleicht einen Batzen zu viel kosten lassen, so dass danach erstmal niedere Unterebbe im Portmonee geherrscht hat, oder ich schlaftechnisch in Indien vor allem solche Defiizite aufgezeigt habe, dass ich manchmal in der Rickshaw einfach eingeschlafen bin. Aber dafür ist so ein Jahr schließlich da – teste und erfahre deine Grenzen! Und blicke ich nun zurück, dann tut es mir in keinster Weise weh soviel dafür verbraten zu haben oder manchmal Augenringe, so tief wie der Mariannengraben gehabt zu haben – vor allem aber in Australien, wo sich im Vergleich zu 2004 die Preise scheinbar über Nacht verdoppelt haben und auch die kleinsten Dinge mittlerweile ein Vermögen kosten können (Busfahren bspw.).  Ich habe auch gelernt, dass die individuelle Spur, die man durch ein Land zieht viel beeindruckender ist, als die vielen „Sehenswürdigkeiten“ und „Must Sees“, ohne die man ja „nicht wirklich in Indien, Nepal oder Australien war“. Alles Quatsch, wenn ich jetzt darüber nachdenke. Immerhin macht eine solche Reise nicht die Anzahl an abgehakten Sehenswürdigkeiten aus, sondern es ist der Weg, der das Ziel bestimmt. Und so haben Yvonne und ich desöfteren erfahren, dass doch doch kleinen nebensächlichen Dinge am stärksten in unseren Gedächtnissen geblieben sind als die Schlagwörter in unserem Lonely Planet Australia, India oder Nepal. In Indien war das einfacher, hier gab es ja einfach eine so enorme Vielzahl an „Must Sees“, dass man kaum eine Wahl hatte als subjektiv zu wählen, man schafft ohnehin niemals alles gesehen zu haben und umso lustiger waren dann die ein oder andere Travellerbekanntschaft, von denen alle einen individuellen Track fuhren, aber alle irgendwie immer an den gleichen Plätzen wieder zusammenkamen. Anleitung aus meinem Erfahrungsschatz: Man nehme eine Indienkarte, schaue nach wo man sich gerade selber im Subkontinent befindet, schaut nach ob es eine Zug- oder Flugverbindung zum Wunschort gibt, die weniger als 24h dauert und organisiere wild drauf los. Oft habe ich mich deshalb gefragt was denn nun eigentlich noch so besonders am Individualtourismus ist, wenn doch ohnehin alle das Gleiche machen und sehen, sich aber lediglich von den namhaften Reiseveranstaltern loslösen und dann mit einer bis ins kleinste Detail vorgeplanten Route loszischen um am Ende doch parallel zur Bustour gefahren zu sein!? Ehrlich gesagt, ich kann es bis jetzt nicht sagen, wahrscheinlich das echte selbst organisierte Ganze macht es aus. Angefangen beim Transportmittel bis hin zum Feilschen um den Eintrittspreis für „Einheimische“ in kulturellen oder sehenswürdigen Einrichtungen (ich habe über die Inländer / Ausländerpraxis in Indien und Nepal berichtet). Fakt ist, dass in Südasien die Hektik eine große Rolle gespielt hat, in Australien aber die „Arschruhe“ beim Reisen die vorreitende Rolle inne hatte. Inwiefern Yvonne und ich da mit unserem Camper in Australien eine ruhigere Kugel geschoben haben, läßt sich allein daran erkennen, dass wir nach 29 Tagen unseren Routenplan von Darwin nach Perth einfach nicht geschafft haben. Anfangs auch getrieben vom Run auf die an der Strecke oder auf Abwegen liegenden Sehenswürdigkeiten, hat uns schon bald in den Kimberleys die Lust verloren ständig irgendwelche Tagestouren zu buchen, wo man am Ende ja doch wieder in einem Bus mit 50 anderen Gleichgesinnten sitzt. Und so kam es, dass wir erst einmal die „Bungle Bungles“ ausließen, obwohl diese ja ein absolutes „Must See“ auf der Westküstenteilstrecke zwischen Wyndham und Broome sind, aber die man einfach nicht sehen will, wenn man ohnehin tagelang durch Gebirge, Dürrestrecken und irgendwie immer wieder gleich aussehende Landschaften cruist, die Sonne im Gesicht, die Känguruhs am Straßenrand und die scheinbar beste Musik im Ohr, die es gibt. 😉 Letztlich waren dann auch solche Unterbrechungen wie unser 5-Tages-Stopp in Broome, bei dem wir selber nicht mehr so genau wissen wo die Zeit hingerannt ist (Wir haben einfach nichts gemacht, absolut nichts!“), oder die mehrfachen Zwischenstopps in 80-Mile-Beach, Karinjini NP, oder wo es uns gerade einfach gefiel, wo uns aber vermutlich die Namen nicht mehr einfallen. Eines steht in jedem Fall fest – die 29 Tage waren rum wie nix und für eine solche Strecke fast schon viel zu wenig. Die darausresultierenden Eindrücke sind dafür umso vielseitiger und neben unzähligen Fotos sind nun wieder „umso mehr unzählige“ Erinnerungen mit der Strecke verknüpft, was mir sehr gefällt. Oder die Ferienwoche auf den Andamanen, die ja mittlerweile wieder Epizentrum für die schweren Beben in SO-Asien sind, werden mir wohl immer in Erinnerung bleiben – und eins steht hier fest – „Ich komme garantiert wieder! As soon as possible!“ – Auch hier habe ich eine so wunderbare Zeit verbracht (gemeinsam mit Oli, Julius und Wolle), dass ich sie nicht missen möchte, auch wenn ich vor meinem Flug nach Indien nichts außer Kannibalismus und Steinzeitbevölkerung auf diesen Inseln gewußt habe. Es war einfach fantastisch, traumhaft, atemberaubend…

Was mich auch sehr verblüfft hat, war die Gastfreundschaft, mit der die Inder, als auch die Nepalis sowie auch die Australier mir und meiner Freundin gegenübertraten. Ich habe mich als Ausländer in allen Ländern wohl gefühlt, bin zwar des öfteren (vor allem in Indien) kritisch musternd beäugt worden, vor allem beim Betreten von Heiligtümern, habe ich aber NIE unsicher oder gar bedroht gefühlt. Ein Lächeln hilft in jeder Situation und eine freundliche Geste ist immer der richtige Schritt in Richtung Verständigung. Ich bin jetzt nicht zum Harmonieprediger mutiert, oder so, aber diese Erfahrungen habe ich einfach gemacht und ich würde mich riesig freuen etwas von dieser Gastfreundschaft auch an diese Menschen eines Tages wiedergeben zu können. Die erste Chance wird wohl Weihnachten sein, bei der Yvonnes Großtante aus Australien einreist um mit uns Weihnachten / Neujahr zu verbringen. Sie hat während unserer Zeit in Australien vermutlich das Meiste für uns getan. Ob es bei der Unterkunft war, oder bei der Jobvermittlung nach getaner Arbeit in Melbourne in meinem Fall.  Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass ihre Unterstützung Australien wieder zu dem gemacht hat, was es für Yvonne und mich seit 2004 war – ein wundervolles Land mit wirklich offenen und herzlichen Menschen. Ich wünsche mir, dass solche Bindungen noch lange halten, genau wie die Bindungen zu den Menschen, die man auf einer solchen Reise kennenlernt. Wie auch in Indien, Nepal oder Australien konnte man doch immer wieder auf Landsleute treffen und es ist schon wirklich ein Phänomen, dass sich Gleiches immer wieder mit Gleichem gesinnt – in diesem Fall Deutsche mit Deutschen, die den Großteil meiner Bekanntschaften und Freundschaften aus dem letzten Jahr ausmachen. Aber auch andere Bekanntschaften von nur kurzer Dauer, werden mir da wohl noch ewig in Erinnerung kommen, wenn ich an diesen oder jeden Platz denke. Da ist zum Beispiel die israelische Soldatin, gelernte Panzerfahrerein, die die letzten drei Jahre unter anderem im Westjordanland und im Gazastreifen „irgendwelche Siedlungen eingerissen“ hat und aus Gesprächen heraus so ganz und gar nichts von dem wußte, was sie da tut, oder Anil aus Kathmandu, mit dem ich einen Tag lang durch Kathmandu, Bhaktapur und Pathan gezogen bin und der mir zum Abschied die buddhistische Glücksschleife am Flughafen umgelegt hat, dessen Facebook-Account aber nicht existiert und ich ihn womöglich nie wieder sehen werde. Auch in Erinnerung werden mir wohl noch lange die Begegnungen mit den (damaligen) deutschen Spitzenpolitikern Steinmeier, Beck und Tiefensee in Delhi bleiben, oder der Kongress in der Jama Milia Islamia mit seiner Heiligkeit, dem 14. Dalai Lama. Es war schon interessant mal mitzuerleben, wie auch Politik gemacht werden kann – indem ein Herr Steinmeier in einer Delegation gedeckt nach Delhi zum Botschafter reist, ihn aber hinter verschlossenen Türen anwirbt für das Amt des Sonderbeaurtagten in Afghanistan und Pakistan. War schon sehr interessant, muss ich zugeben.

In jedem Fall hat sich das letzte Jahr neben all den Eindrücken und Erfahrungen auch und vor allem durch die Begegnungen mit anderen Menschen gestaltet, für die ich heute sehr dankbar bin – alle! Solch eine Reise kann den eigenen Horizont nur erweitern und die bis jetzt aufgezählten Einflussfaktoren sind da nur zu wichtig. Und auch die Daheimgebliebenen sind da zu erwähnen, denn in einem solchen Jahr merkt man sehr deutlich, welchen Menschen man selber auch etwas bedeutet und ich freue mich umso mehr, dass wir uns fast alle bisher wiedersehen konnten und die Freundschaften nicht eingeschlafen sind. Und irgendwie ist auch das Phänomen einer längeren Auslandsaufenthaltes nicht das Gleiche diesmal gewesen – es ist nicht wirklich alles so geblieben, als sei es gestern gewesen, als man das Land verlassen hätte. Der Eine hat geheiratet, die Andere ist Mutter geworden, der Eine hat nen neuen Job, der Andere geht auch bald mal weg usw. und so fort. Noch nicht mal das Stadtbild war nach einem Jahr das Gleiche. Ich war schon seh überrascht, wie sehr sich bspw. die Leipziger Innenstadt verändert hat in einem Jahr. Unineubau, alte Wohnumgebung usw. Irgendwie stand hier gar nichts still und die Eindrücke, die man jetzt hier zu Hause bekommt, sind mindestens genauso beeindruckend wie im Ausland. Da wird es auch nicht allzu schnell langweilig, oder es kommt  so schnell wieder „Fernweh“ auf. Okay, planen darf man ja und Hirngespinnste hat man auch immer, wenn das Hirn „dauerträchtig“ ist. Aber auch aus der Reisebibliothek kann man so Einiges lernen, nicht nur wo es das kühlste Bier oder das beste Essen gibt – Zitate wie „Home is where the heart is!“ (John Krakauer – Into the Wild) oder eher locker gesagte Sprüche wie „Der Sinn des Lebens besteht darin glücklich zu sein!“ (HH Dalai Lama, Kongress in Delhi). Naja, wo mein „heart is“ weiß ich zumindestens – Homebase ist und bliebt für mich Leipzig, ich freue mich immer hierher zurück zu kommen. Genauso macht es mich aber glücklich, wenn ich andere Kulturen und Länder kennenlernen darf. Asien hat es mir hierbei besonders angetan, wie es ausschaut. Nicht nur, weil diese Kultur so komplett anders zu der unseren ist, sondern auch weil sich auch hier Dinge wiederfinden, die wir aus unserem eigenen Leben kennen. Historisch betrachtet wiederholt sich hier auch die Geschichte immer wieder, betrachte ich die Teilung Koreas oder den Genozid in Kambodscha. Das mögen sehr historisch schwere oder politische Themen sein, aber ich könnte noch mindestens 1000 andere kleine Dinge aufzählen, die mir auch in Indien und Nepal begegnet sind und die wir in Deutschland genauso handhaben. Und spannend ist es immer dann, wenn man sieht, wie andere Menschen mit der gleichen Situation mit ihrer eigenen Art und Weise umgehen.

Was mir jetzt noch bleibt sind neben den ungezählten Erinnerungen, die so ziemlich exakt 25000 Fotoaufnahmen aus dem letzten Jahr, von denen über die Hälfte auf einer kaputten Festplatte schlummern, die sich aber anscheinend retten lassen. Diese Bilder möchten noch ausgewertet, geordnet und aufbereitet werden. Fototechnisch ist Indien natürlich vollkommen als Paradies zu betrachten. Irgendwie bin ich hier wie ein Besessener dazu gekommen zu fotografieren, genau wie in Nepal und Australien. In Indien konnte ich aber parralel dazu meine Schüler dazu animieren mitzumachen. Naja, und das letzte Woche per Post angekommene Jahrbuch der DSND beinhaltet fast durch die Seiten hinweg Bilder von mir oder meiner damaligen Klassen. Eine weitere schöne Erinnerung an diese Zeit.

Hier wird es nach erfolgreicher Auswertung nochmal ein umfangreiches Fotoupdate geben, Zeit und Umfang sind jedoch noch unbekannt. Alles Weitere wird dann folgen und zur gegeben Zeit hier veröffentlicht.

Ich bedanke mich daher zum Abschluss noch einmal bei den treuen Lesern. Ich hoffe ihr konntet die Artikel genauso genießen wie ich meine Zeit vor Ort.

Wir werden bald voneinander hören, bzw. uns sehen. Und immer dran denken: Wer rastet, rostet!

In diesem Sinne, Michael

Wasserstandsmeldung…

Posted in Australia on Juli 8, 2009 by indiapore

… auch wenn das nasse Element gerade das Nötigste ist, was man in der Region benötigt, in der wir uns gerade rumtreiben. Ehe dieser Blog aber ebenso austrocknet wie das dürre Outback um uns mal wieder ein paar Infos zu unserem Trip.

Es ist eine ganze Weile vergangen und hinter uns liegen über 4500 km Wegstrecke, welche zu knappen 50% mit dem Zug bestritten wurden. Hinter uns liegen ebenso viele alte wiederbelebte sowie mindestens genauso viele neue und noch mehr brandneue Eindrücke aus dem roten Zentrum und seinen Randgebieten. Unser derzeitiger Aufenthaltsort – Katherine, eine 6000 Seelengemeinde, was schon fast einer Großstadt im australischen Outback gleichkommt, im Northern Territory und Ausgangspunkt für den gleichnamigen Gorge (sprich „Gordsch“) :-), nur der Ortbarkeit halber – Handyempfang = 0, Internet ein Fremdwort… Doch halt! Da ist dieses ominöse Informationszentrum in Nirgendwo, wo irgendwer vergessen hat das Drahtlosnetzwerk zu sichern. Findige Rucksacktouristen sind da wie Mücken um das Licht und schon hat man mal wieder die Möglichkeit seine Mails zu checken, die Lage der Freunde / Feinde checken und hier was zu posten.

Viel ist passiert die letzten zweieinhalb Wochen. Ich arbeite es der Zeit und der Leistungsfähigkeit meines Notebookakkus halber kurz und knapp ab.

Wo waren wir eigentlich? (das Machwerk in meinem Kopf, was sich Langzeitgedächtnis nennt, beginnt zu arbeiten)…

Kangaroo Island – alles find in Adelaide an, wo wir uns mit Hendrik, einem Bekannten von Yvonne getroffen haben und mit dem wir erstmal ordentlich gefeiert haben. Es war eine kurze Nacht, am kommenden Morgen holte uns ein Bus für eine 2-tägige Tour auf Kangaroo Island („KI“) ab, einer Insel, südlich vom Festland gelegen und angeblich mit mehr Koalas als Einwohnern, trotz des Namens (Ja, man sollte anderes vermuten…). Ich bin kein großer Freund organisierter Touren, streube mich immer gegen fünfminütige Fotostopps und klettere gerne meine eigenen Wege entlang – diese Tour war definitiv anders. Bob, der Tourguide, ein Vollblutaussie auf seiner letzten Tour nach 10 Jahren Tuirguide-Erfahrung – kurzerhand: es war im so ziemlich alles egal und umso entspannter war die Atmosphäre. Jedenfalls haben wir in zwei Tagen viel Spaß gehabt, die Hauptsehenswürdigkeiten gesehen (u.a. die Remarkable Rocks, Robbenkolonien, Pinguine) und des öfteren abseits des Touripfades gewandert. Umso „schader“ war dann der Abschied, denn neben Bob waren gerade mal 7 weitere Tourteilnehmer in unserem Alter dabei und außer der schnarchenden Japanierin über mir (im Doppelstockbett) war alles in bester Ordnung – easy going, danke Bob!

Adelaide – Es ging nochmal zurück und wieder haben wir uns mit Hendrik getroffen, noch eine schöne Zeit gehabt und dann ging es auch schon weiter Richtung Norden, bzw. ins Herz des Kontinents. Adelaide kam uns beiden als die bisher so ziemlich australischste Stadt vor – nicht nur, dass die Adlaider als das am schlechtesten angezogenste Völkchen Australien gelten (und das stimmt, wer würde schon in Jogginghose an einem Bankschalter sitzen!?), auch von der ganzen Benimmse und vom Umgang miteinander – es kommen so ziemlich alle Klischees der Australier zusammen – fantastisch, da können Weiber saufen wir unsere Väter, aufgemotzte Allradfahrzeuge brüllen durch die Straßen, der unrasierte cowboyhuttragende Kerl ist in Wirklichkeit Doktor. Unglaublich und einfach eine schöne Zeit – danke Hendrik, danke Adelaide.

The Ghan – Adelaide nach Alice Springs – Erster Teilabschnitt der knapp 2500 km langen Zugstrecke von Süd nach Ost des Kontinents und ein kleiner Zwischenstopp in der roten Mitte. Wer in Indien mit Zugfahren durfte, der wird beim Ghan nicht glücklich. Es kommt weder ein „Chai, Coffee, Chai, Coffee, Chai,Coffee, Chai“ – Mann vorbei, noch kann man die Toiletten nach 30 min. Zugfahrt nicht mehr benutzen. Zur Trauer des Einen, zum Vorteil des Anderen, würde ich sagen. Der Ghan verfügt sogar über eine Dusche in jedem Wagon (die hätte man sich in Indien gewünscht!). Es war eine sehr gesellige Fahrt, trotz unterster Klasse. Die Augen waren schnell zu. Ich erinnere mich an das Barossa Valley kurz nach Port Augusta und meine Erinnerung setzt wieder ein, als ich mich mitten im Outback zwischen… Büschen… roter Erde… und sonst nichts befinde. Über Nacht hat man 3 Vegetationszonen durchquert und nun ist man da, was für uns alle das Australien ist, das wir im Kopf haben. Mit an Bord – jede Menge geselliger Leute und ein Sixpack. Was will man mehr, außer vielleicht ein Kopfkissen für die Nacht? (mein Nacken hat mich später daran erinnert besser eines mitgenommen zu haben…)

Alice Springs und das rote Zentrum – Ein Trip nach Australien ist nur komplett mit einem Trip zum roten Zentrum. Und das liegt nicht etwa direkt am Gleis neben dem Zug, sondern nochmal knappe 400 km westlich von Alice Springs und beherbergt den Uluru, Kata Tjuta und den Kings Canyon – drei Sehenswürdigkeiten, für die sich die lange Wegstrecke abermals lohnt, mal von den ganzen Annehmlichkeiten einer langen Busfahrt abgesehen. Wonnis zweiter Besuch beim roten Riesen, meine vierte Stepvisite. Und wieder war es einmalig, auch wenn wir es wieder nicht geschafft haben auf den Riesen zu steigen (Heinrich Harrer hat meine Einstellung dazu verändert, Schuld am „Nichtaufstieg“ waren daher lediglich meine Schuhe, die kaum Profil haben und eigentlich nur „schick“ sind, aber nicht sportlich, wie ich schmerzlich feststellen musste…). Am schönsten fanden wir wieder den Kings Canyon, nicht zuletzt wegen der vielen Rotärbungen des Gesteins, sondern auch wegen der vielen spektakulären Aussichten. Zurück in Alice Springs, dann das alte Bild – massenhaft indigene Kunstausstellungen (als Kunststudent weiß ich, dass die Ureinwohner Australiens ausschließlich im hohen Norden und tiefen Süden mit der Kunstfertigung beschäftigt sind, im Zentrum jedoch aufgrund der Trockenheit und Hitze Didgeridoos, Boomeränge und anderes artistisches Utensil als Ballast betrachtet werden beim Herumziehen, ebenso wie die berühmten „Dot-Paintings“, die man nahezu überall vom Künstler direkt kaufen kann), trinkende Aborigines und… Moment, es hat sich doch was geändert. Die Stadt scheint nahezu in fester Hand vo Adventure Tours Australia zu sein, an jeder Ecke blinkt das Symbol der überteuerten Touranbieter und selbst wenn man meint, einen anderen Anbieter gefunden zu haben – sei dir immer sicher, es ist irgendwie in der Hand des Großunternehmens. Es ist irgendwie alles eine große Familie geworden, das Hostel, in dem ich die letzten beiden Male noch geschlafen habe, wurde kurzerhand weggerissen (es war damals das größte Hostel mit über 500 Betten, nur mal so am Rande) und statt dessen prägen jetzt massenhaft neue Hostels das Stadtbild – der Betreiber dürfte ja jedem klar sein. 😉

The Ghan – Alice Springs nach Darwin – Teil 2 der Strecke gen Norden. Es ist fast geschafft – 48 h nähern sich dem Ende. Ein kurzer Stopp in Katherine (4 h), den Yvonne und ich zum Golfspielen nutzen. Ein Handicap kann man das noch nicht nennen, was wir da geschlagen haben, aber es hat gerockt, vor allem der Abweg durch die Sprinkleranlagen. 😉 Der Blick aus dem Fenster war vor allem durch eines geprägt – der Blick ins Nichts – Steppe, Wüste, Outback – man kann es nennen wir man will, daher ist es auch verständlich, dass der Blick langsam müde wurde und die Augen ein weiteres Mal zufielen.

Darwin – Angekommen in Darwin gleich eine Feststellung – Die Stadt eindeutig zu wenig Taxifahrer. Über eine Stunde haben wir zu acht am Bahnhof gewartet um in die Stadt in unser Hostel zu kommen – unglaublich, aber es gab einfach kein Taxi. Egal, ans Ziel gekommen sind wir trotzdem, auch mit Warten und in Darwin selbst hat dann schon Lynda auf uns gewartet, mit der wir die kommenden Tage bestreiten wollten. Am krassesten verändert hat sich meiner Meinung nach in den letzten 5 Jahren Darwin. Aus der „Flachbautenmetropole“ im Norden ist eine boomende Hochhausstadt geworden, und das obwohl hier immer  mal wieder Zyklone vorbeischauen und alles platt machen. Mindestens genauso belebt sind die Straßen der Stadt, es gleicht fast einem zweiten Lloret de Mar hier im Northern Territory, allerdings hat sich die Stadt ihren Aussie-Flait behalten und nach 2004 konnte ich Yvonne und Lynda viele Stellen und Plätze zeigen, die damals meinen Alltag geprägt haben (und das sind nicht nur die Bars und Clubs!). Zwei Tage haben wir hier verbracht bevor wir „Humpty Doo“, unseren Camper in Empfang genommen haben und mit dem wir jetzt die kommenden 30 Tage durch das Land fahren werden. Der Aufenthalt in Darwin war sehr schön, die Stadt ist trotz ihres enormen Zulaufs eine Top-Destination, der Mindil Beach Market ist nach wie vor das Highlight an einem Donnerstag- oder Sonntagabend und überhaupt kann man sich bei konstanten 30 Grad eigentlich nur wohl fühlen. Danke, Charles Darwin für diese Stadt und für diese schöne Zeit… 🙂 (Darwin hieß ursprünglich Port Darwin und wurde von zwei Erstsiedlern nach dem Evolutionsforscher (150 Jahre im Jahr 2009!!!) benannt, weil sie mit dem selben Schiff, der HMS Beagle irgendwann 1860 (!) hier gelandet sind. Darwin selber war angeblich NIE in Darwin, ich werde der Sache nachgehen.) 🙂

Kakadu und Litchfield – Zwei Nationalparks, drei Tage. Zwei Weiber im Gepäck, ein Gefährt unterm Hintern und ab und an ein Buschfeuer. Die Aussichten grandios, der kulturelle Input massiv und die Nächte etwas kurz. Alles in allem sehr eindrucksvoll und noch mehr Fotos als sonst.

Zurück in Darwin schließt sich der Kreis allmählich, mittlerweile sind wir gut 350 km unter Darwin und morgen geht es knappe 600 km Richtung Westen über die Grenze nach Western Australia – unbekanntes Terrain, denn bis auf Kangaroo Island und Tasmanien kannte ich alles bisher Gesehene und konnte Vergleiche ziehen zu 2004. Das hört morgen auf. Ich freue mich riesig auf die kommenden 30 Tage, freue mich riesig auf Freunde, die wir wiedersehen werden, weil sie sich gerade jetzt durch Zufall auf gleicher Strecke befinden – u.a. Leidgenosse Jinseop aus Melbourne, der in Kununurra Arbeit gefunden hat, Julian, Vanessa, Caro und Birgit aus Brisbane und den ein oder anderen Hüpfer auf der Strecke (oder doch eher neben der Strecke).

Wann es den nächsten Eintrag geben wird, keine Ahnung – Internet ist recht spärlich im Moment, lediglich der Handybrowser funktioniert, vorausgesetzt es gibt Empfang. Ehrlich gesagt schreie ich auch gerade nicht nach Erreichbarkeit. Das Camperleben hat mich voll und ganz erwischt. Die Abende unter freiem Himmel sind mindestens genauso genial wie das Aufwachen durch die ersten Sonnenstrahlen und davon gibt es hier ja bekanntlich genug. 🙂

Ich schließe daher diesen Eintrag und grüße herzlichst aus der Ferne!

Michael (und Yvonne)

Letzte Runde, einmal um den Kontinent…

Posted in Australia on Juni 19, 2009 by indiapore

… zehn Monate auf Achse, davon seit knapp 3 Monaten Down Under, über einen Monat keinen Post mehr hier geschrieben, dafür fast 5 Wochen gearbeitet wie ein Kaputter um das Kommende zu ermöglichen. Wie immer der Reihe nach und diesmal in Kompaktform, denn die Zeit drängt und in nicht mal 6 Stunden geht der Flieger nach Adelaide… und ich wollt doch noch ne Runde schlafen.

Wieso so eine lange Sendepause? – Stress! Kurz und knapp! Im Land des Easy Going ist eben doch nicht alles so easy und nach meinem Praktikum in Melbourne habe ich mich dann doch entschieden vorzeitig abzureisen. Die Gründe waren vielseitig, vor allem aber war die fehlende Bezahlung in einer doch recht kostspieligen Stadt wie Melbourne hauptausschlaggebend. Seit dem 23. Mai bin ich nun wieder in Brisbane, genauer gesagt zum größten Teil der Zeit zwischen Gympie und Brisbane. Als „Hausmeister“ habe ich mich die letzten Wochen durchgeschlagen während Wonni ihr Auslandssemester an der QUT abgeschlossen hat – ob erfolgreich, wird sich in den kommenden Wochen herausstellen. Die Zeit habe ich genutzt um die Reisekasse etwas aufzubessern. Mein Aufgabengebiet war so vielfältig, dass ich ein wenig stolz von mir behaupten kann meine „zwei linken Hände in zwei rechte“ getauscht zu haben. In zwei Kindergärten und Vorschulen, deren Name ich aus steuertechnischen Gründen nicht verraten werde (die Farbe meiner Arbeit ist ganz offensichtlich – Wortspiel!!!), habe ich Malerarbeiten, Handwerkerarbeiten, Gärtnerarbeiten und Kurierdienste übernommen und bin in gut 5 Wochen knappe 3000 km zwischen beiden Städten gependelt. Heute war mein letzter „Arbeitstag“ und ich hielt schon mit etwas stolzgeschwellter Brust meinen Scheck im mehrfach vierstelligen Bereich in den Händen, der mir aber ebenso schnell wieder abgenommen wurde, wie er mir überreicht wurde. Der Grund: Frauen! Yvonne hat ihn sich kurzerhand geschnappt und stand schon kurz vor einem Shoppingexzess in der Mall, als sie doch noch den Weg in die Bank gefunden hat und mit einem ordentlichen Bündel Patte zurückkam. Zum Glück hat letzteres funktioniert und sie ist nicht durchgebrannt – Weiber halt! 😉 Der Camper will noch bezahlt werden und die Touren nach Kangaroo Island, ins rote Zentrum und nach Kakadu möchten bezahlt werden.

Dem aufmerksamen Leser wird auffallen, dass alle Stationen in Australien liegen, obwohl wegen Visumsschwierigkeiten doch noch ein einwöchiger Ausreisetrip zur Debatte stand. Hierzu sei erwähnt, dass sich Hartnäckigkeit manchmal lohnt und Gesetze und Verordnungen anscheinend doch nur erfunden wurden, damit man sie bricht. Der Grund ist simpel: nach 2 gescheiterten Versuchen in Brisbane und Melbourne hat meine Verlängerung doch noch geklappt. Zwei mal wurde ich abgewiesen mit der Begründung, es sei auf keinen Fall im Land verlängerbar. Der dritte Sachbearbeiter hat dann eine fünfminütige Diskussion über die besten Reiseziele in Deutschland mit uns geführt und mal ganz nebenbei mein Visum verlängert. Eine Story für sich, aber es hat letztendlich geklappt. Die Reisekasse hat sich gefreut.

Naja, und da die letzten fünf Wochen nach Melbourne vor allem durch Arbeit, Studium und Rennereien geprägt waren, ging es vor allem am Wochenende auf Achse oder auf die Piste. Ziele waren neben Byron Bay (über ein verlängertes Wochenende) auch der Australia Zoo, dem Zuhause des 2006 verstorbenen Crocodile Hunters Steve Irwin. Ich hatte ja das Vergnügen bereits 2 mal dort gewesen zu sein und nach der Euphorie von 2004 war ich diesmal (genau wie Yvonne) recht ernüchtert. Es ist unglaublich wie gut sich mit einer toten Ikone Geld verdienen lässt. Es geht in dem Zoo wirklich nur noch um die Vermarktung von Steve Irwin und seiner beiden Kinder durch seine Witwe Terry Irwin. Man hatte zwischenzeitlich den Eindruck, der Park habe mittlerweile mehr Souvenirstände und Imbissbuden als Tiere zu bieten. Die Krokodilshow war auch recht ernüchternd, ich meine mich an springende und schlagartig zuschnappende Riesenechsen erinnern zu können, diesmal haben wir „nur“ lahm rumliegende Echsen gesehen, gepaart mit ein paar Informationen zu den Überlebenskünstlern aus der Urzeit. Mag vielleicht am Wetter gelegen haben (immerhin haben wir ja mittlerweile tiefsten Winter in Queensland) oder am verwaisten Umgang mit den Tieren durch ihren „Dresseur“ Mr. Steve „The Crochunter“ Irwin. Meine Euphorie ist jedenfalls leicht verflogen und das nicht erst seit ich den geplanten Hotelkomplex gesehen habe, der direkt nebenan entstehen soll und natürlich unter der Schirmherrschaft von Mrs. Terry Irwin steht.

Ein anderer verlängerter Urlaubstrip ging noch einmal nach Byron Bay – keine 170 km entfernt von Brisbane, wo wir den Geburtstag der Queen in allen Ehren gefeiert haben. Nicht dass mich die alte Dame aus Englang sonderlich interessieren würde, aber aus lauter Loyalität zur britischen Exkolonialmacht hat man nach wie vor am den Geburtstag von Elisabeth II. arbeitsfrei – diesmal glücklicherweise ein Dienstag. Lynda hatte ein schönes Ferienhaus rausgesucht und so ging es zu fünft an die Küste, ordentlich BBQ, Bier und Strandgeschimmel inklusive. Ein paar erholsame Tage waren es in jedem Fall, auch wenn die alte Frau am 21. April geboren wurde und nicht am 8. Juni. Die Australier sind halt etwas eigen, auch was die Geburtstagsfristen angeht. 😉

Vergangenes Wochenende war dann Australiens Sportart Nummer 1 hoch im Kurs – Rugby. Nachdem ja die erste Mannschaft der Brisbane Broncos wegen Verdachtes auch Schweinegrippe in Quarantäne gesetzt wurde, spielten die „Hengste“ doch am vergangenen Freitag gegen die Bulldogs aus Sydney. Zur Halbzeit führten sie sogar 22 – 18, was nach der Halbzeit aber in ein heilloses Chaos versank und die Gastgeber doch noch 22 – 44 abgespeist wurden. Es tat weh mit anzusehen wie die Mannschaft wortwörtlich zerfetzt wurde, aber die Bodychecks und Spielerkollisionen waren dann doch zu schön anzusehen und am Ende war mein ganz persönliches Ergebnis: 2 schwerverletzte Bulldoggen und eine beinahe ausgeartete Spielfeldschlägerei. Sehr schön und nach Fußball gleich meine zweitliebste Sportart seit diesem Freitag Abend. Seit vergangenem Samstag bin ich nun auch wieder ein Vereinsmitglied. Nachdem ich ja nach 11 Jahren Freiwilliger Feuerwehr ausgeschieden bin, bin ich seit einer knappen Woche Mitglied des Brisbane German Club, einem superkonservativen Deutschenclub in Queenslands Hauptstadt, die Schlesien und Ostpreussen noch als deutsche Bundesländer anerkennen, wo die britische Queen gleich mal aus Österreich kommt, Alleinunterhalter Andrew mit pseudoenglischem Sland deutsche Volkslieder jodelt und wo es vorzügliche deutsche Gerichte zum Schnäppchenpreis gibt und noch bessere Importbiere serviert werden. Das war wohl auch das Zugargument, warum ich seit diesem Abend eine Mitgliedskarte besitze, oder war es doch die Erhdarbietung vor Wilhelm II. und Bismarck am Eingang neben den Spielautomaten? Ich weiß es nicht mehr, ich weiß nur, dass es ein genialer Abend mit allen liebgewonnenen Leuten aus Brisbane war und ich garantiert noch das ein oder andere Ma(h)l dort (r)einkehren werde. Die Haxe mit Sauerkraut und mit dem Warsteiner Bier heute Abend tat zumindestens nicht nur der Seele unheimlich gut, sondern auch den Pfunden. Hey, ich nage ernsthaft an der 100-Kilo-Marke – 95 kg – mein großes Ziel bis zum 20. August 2009. 🙂

Ja, und dann war da ja noch die Exmatrikulation. – Bitte was? Ja, ich war mal eben für 2 Wochen kein Student mehr an der Uni Leipzig. Mein Studentenausweis aus Leipzig ist mittlerweile eh seit 6 Monaten abgelaufen und in meinem Internationalen Studentenausweis fehlt das Paßbild, welches ich in Delhi bei der Röntgenuntersuchung abgeben musste. Ich war halt einfach mal nicht zurückgemeldet und in Zeiten von Studentendemos und 600-Jahr-Feier der Alma Mater wird man bei fehldenem Semesterbeitrag schnell geext, egal ob man beurlaubt ist oder nicht und alles im Vorfeld geklärt hat. „Klar ist was bar ist.“ – So die Devise der ehemaligen Karl-Marx-Uni zu Lipsig. Egal, ich bin wieder drin, ein kleiner Schock zwischendurch, aber das bin ich ja mittlerweile gewohnt, die  indoozeanischeArschruhe hält mich vor zu großen Gewissensbissen zurück, den Rest erledigen dann Mom und Homer von zu Hause – Danke, ihr Retter! 😉

Ja, und wenn ich so zurückschaue, dann ist in den letzten Wochen doch so einiges Berichtenswertes geschehen. Die Zeit hier ist nahezu rum, morgen geht es nach Adelaide und von dort aus nach Darwin – ein kleiner Traum nach 2004 wird wahr – mit dem Ghan durchs Outback und dann mit dem Camper die Westküste runter. In Zeiten von Wirtschaftskrise und Schweinegrippe wahrscheinlich das Intelligenteste was man machen kann – raus aus dieser Scheisse, rein ins Leben und raus in die Welt. Ganz klar in jedem Fall, ohne Lynday, Achims und natürlich dem Support von zu Hause und Yvonne wäre das wieder einmal nicht möglich gewesen, aber als nun mehr erfahrener Reisender sind mir schon so einige Stolperer passiert und ich habe sie hopserhaft gemeistert. Gehört halt irgendwie dazu. Das Schöne: es demotiviert einen nicht mal, sondern spornt an weiter zu machen, es geht ja auch wieder bergauf! Und ehe es morgen erstmal steil bergauf auf 10000m Flughöhe geht, hier noch ein sattes Bilderupdate der vergangenen Wochen / Monate. Es sind viel mehr Bilder, aber ich wills mal bei denen hier belassen.

Ticket zu den tasmanischen Teufeln >>HIER<<

Ticket nach Melbourne >>HIER<<

Ticket zur Great Ocean Road >>HIER<<, Zeitungsartikel SPIEGEL

Ticket nach Sydney >>HIER<<

Ticket nach Byron Bay >>HIER<<

Viel Spaß, ein schönes Wochenende und wer weiß, wann wir uns das nächste mal lesen werden. Die Reiserei hat mich wieder, yesss Baby. Und diesmal mit meiner besseren Hälfte – es dürfte also ein genialer Trip werden, vorausgesetzt ich komme morgen früh um 5 aus den Federn, es ist schon wieder 2 Uhr morgens.

Bis die Tage. Michael

Musiktipp der Woche: Friendly Fires – „Paris“

Artikel folgt…

Posted in Australia on Juni 11, 2009 by indiapore

…aufgrund massiven Zeitmangels ein kleiner Vorgeschmack auf das Kommende.

Route_Australien2009

Bis die Tage!

Michael

„My Mom is Running the Kitchen…“

Posted in Australia on Mai 18, 2009 by indiapore

Ein kleines Anekdötchen des heutigen Abends, den ich mit Dave „The Wave“ (dem kotzenden Kiwi) in der Lygon Street hier in Melbourne verbracht habe.

Die Lygon Street beherbert das „Little Italy“ in Melbourne, also die Wahlheimat unzähliger europäischer Nachbarn und dementsprechend mit allerlei verschiedenen Pizzabuden und vermeintlichen Gourmetrestaurants. Spätestens seit der Fußball-WM sollte man ja ohnehin keinem Italiener mehr trauen, aber heute gönnen wir uns mal was und so zog es uns auf Richtung Nordmelbourne um mal wieder eine richtige Pizza zu essen. Eine Pizza, die nicht vor Fett trieft und im stillosen Pappkarton geliefert wird, sondern aus einem echten Steinofen kommt und nicht nur mit Dosengemüse belegt ist.

Angekommen (nach einer weiteren Schwarzfahrt mit Melbournes Tram 🙂 ) auf der Freßmeile ging auch gleich das italienische Gewühl los und ich hätte es ja nicht erwartet, aber Dave hat mich vorgewarnt. Aus allen Ecken kamen die Itacker gerannt mit ihren Menüs und haben einen mit Gratis-Bruscetta und Wein gelockt, damit man auch wirklich in seine Lokalität einkehrt. Eine Dame (nennen wir sie doch lieber „Animiermieze mit Hakennase“) fiel uns besonders auf. Nicht etwa wegen ihrer italienischen Markenkleidung, sondern wegen ihrer gotthäßlichen Frisur und ihrer massiven Hakennase, was darauf schließen lassen hätte können, dass sie eine Hexe ist. Jedenfalls überzeugte uns die Dame mit dem Satz „My Mom is running the kitchen and my dad makes the pasta himself!“. Dass das Etablisement ein Familienbetrieb ist, seit 26 Jahren läuft und verschiedene internationale (italienische) Stars hier eingekehrt sind, sei mal nur am Rande erwähnt. Aber dazu später noch einmal.

Dass also die Mutter der Lady Hakennase persönlich in der Küche dieser Tradidtionspizzeria steht, ist natürlich ein Qualitätsgarant, schließlich wissen wir alle seit „Mama Miracoli“, dass nur echte italienische Küchenweiber die besten Pizzen und Pastas zubereiten und im Gegensatz zu den Dosenspaghetti der letzten Wochen sollte es heute schon etwas Feineres sein. Meine Wahl  fiel auf Pizza Nummero Uno: Bocelli Speciale – Schinken, Mozarella, Spinat und ordentlich Tomate. Geschmeckt hat das Ding wirklich einwandfrei, genau wie die Gratis-Bruscetta im Vorgang. Unterhalten wurde das Ganze von unserer Pizzahexe, die die ganze Zeit im Durchgang des Restaurants Passanten mit dem gleichen Satz ansprach -„My Mom is running the kitchen!“ – (Ü: Meine Mutter führt die Küche!). Geschätzte hundert Mal kam dieser Satz verteilt auf 8 Stücken Pizza Gourmet… pardon, Bocelli Speciale. Es muss also etwas dran sein an dieser „Mama Miracoli“ hinter den Töpfen, dachten wir uns. Unsere Neugierde auf diese ominöse Pizzagöttin da im Verborgenen wurde immer größer und die Art und Weise wie die Kunden anbissen, war einfach beeindruckend.

Nachdem wir uns beköstigt hatten und bezahlt wurde, fragten wir dann doch einmal die Animiermieze, ob wir Mama Miracoli eventuell einmal persönlich kennenlernen dürften um uns für unser ausgezeichnetes Mahl bedanken zu können – immerhin hat die Frau uns mit ihrem Gesabbel völlig wild gemacht auf Mama Miracoli, die mit geschätzten 65 Jahren noch in der Küche steht und das in Zeiten von Tiefkühlpizza, Pizza Hut und Wirtschaftskrise.

„No problem!“ – ihre Antwort. Sie sei nur durchs Restaurant hinten in der Küche (wo auch sonst, du schlaues Kind!!!). Gesagt, getan. Wir wanderten los und schauten nicht schlecht in eine riesige Küche, die alles andere war, nur keine kleine familienbetriebene Feinschmeckerschmiede. Wir staunten nicht schlecht, als wir ca. 5 Gleichaltrige entdeckten, die im Akkord Pizzen belegten, Teller anrichteten, kochten und aufwuschen. 😉 Das war also unser kleines Stück authentisches Pizzavergnügen in Melbourne – eine Großkücke, geführt und gereinigt von billigen Rucksacktouristen… 😉

Die naive Frage, wo Mama Miracoli denn nun sei, konnten wir uns natürlich nicht verkneifen. „Mama Miracoli“ sei noch nie da gewesen, so einer der Küchenjungs – lediglich ein breites Grinsen und die Wahrheit: „Mama Miracoli“ gibt es gar nicht – das hier seien alles geldbrauchende Backpacker, die mit ihren entweder italienischen Wurzeln (oder den Kenntnissen aus heimischen Pizzastuben / Lieferdiensten) einen Job gefunden hatten. Das Restaurant ist nicht wirklich 26 Jahre alt und wurde vor 2 Jahren neueröffnet und wir wurden wie genau die anderen nur verarscht – einmal mehr! 😉

Geschmeckt hat es trotzdem ausgezeichnet und nach einem netten kleinen Plausch mit den gleichgesinnten geldnotgeplagten Küchenjungs ging es dann raus zur Empfangshexe, wo wir uns natürlich nicht verkneifen konnten von unserer Begegnug mit „Mama Miracoli“ zu berichten. „Sie sei eine ganz fantastische Frau und wir sind stolz eine so authentische Pizza gegessen zu haben!“ – was die Empfangshexe natürlich zu deuten wusste, im nächsten Moment aber schon wieder einen potentiellen Kunden mit den Kochkünsten ihrer Mutter anlockte. 😉

Was mir vor unserer Einkehr noch auffiel, war ein Foto im Eingangsbereich mit „Papa Miracoli“ nebst dem italienischen Schnulzentenor Andrea Bocelli, der hier angeblich Stammkunde ist und das Restaurant unter seine Favoriten zählt. Schon beeindruckend, aber beim Weitergehen fiel mir auf, dass so ziemlich jede Pizzeria ein ähnliches Bild im Eingangsbereich hatte. Einige sogar mit berühmten (aber schmierigen) italienieschen Fußballern und meinem absoluten Lieblings-Mafioso-Politiker Silvio Berlusconi.

Wer Andrea Bocelli kennt, und das sollte ein Großteil tun (ich erinnere an Henry Maskes Abschiedssong „Time to say Goodbye“), der weiss auch, dass der gute Mann blind ist. Meine Vermutung nach „Mama Miracoli“ – der arme Kerl wurde  auf seinen Melbournebesuchen immer wieder in ein anderes Lokal gezerrt bei seinen Besuchen mit der Aussage, es sei das besonders Gute vom letzten Mal, hat man ihm am Eingang gesagt und schon stand der Kameramann bereit. 😉 Und so bekam nach und nach jede Pizzeria sein Bild nebst italienischem Startenor. Der arme Kerl sieht ja nix, wahrscheinlich hätte man ihm auch ne 1,99€-Aldipizza vorhalten können, er hätte es nicht gecheckt…

In Italien ist man halt eine „große Familie“, was man auch an den vielen Luxuskarossen vor den Lokalen sehen konnte – man „hilft“ sich halt gerne und wer nicht nach den Spielregeln spielt, bekommt halt ein paar sizilianische Schuhe spendiert und ist mal schnell auf Unterwasserkurs. 😉 Das scheint hier in Australien nicht anders zu sein. Al Capone macht eben nicht nur Calzone! 😉

Geschmeckt hats trotzdem sehr sehr gut, es war nur recht amüsant – wir sind auch drauf herein gefallen. Die Moral von der Geschicht´: „Italienern traut man nicht!“ 😉

In diesem Sinne, eine schöne Woche und bis die Tage!

Michael

Kurvenreiche Koala-Jagd

Posted in Australia on Mai 7, 2009 by indiapore

Schon fast wieder Wochenende und bevor ich mal im Waschsalon nach meinen sieben Sachen schaue, die schon seit gut einer Stunde in der Maschine vor sich hingammeln, schreibe ich hier noch fix ein paar Zeilen.

Das letzte Wochenende war wahrscheinlich eines der besten überhaupt bisher in Australien. Das mag zum Einen daran gelegen haben, dass Wonni die schlappen 3000 km auf sich genommen hat und nach Melbourne gekommen ist, zum Anderen auch daran, dass ich mal rausgekommen bin aus diesem Arbeit-Hostel-Kneipen-Trott, der mich seit Anfang an in seinem „Bann“ hält und aus dem ich aus diversen Gründen auch nicht rauskomme. Jedenfalls bleibe ich jetzt bis zum bitteren Ende im Hostel wohnen, die Preise sind einfach zu unverschämt für die schäbigen Zimmer, die einem hier für knappe 110€ die Woche angeboten werden. Und mit meinen drei Zimmergenossen (1 Kiwi, 1 Aussie und 1 Sri Lanker (???) ) ist es auch ganz spaßig, zumal jeder irgendwie so seine Eigenarten auf den geschätzten 20 Quadratmetern Zimmer, die wir uns teilen, auslebt. Was soll´s also. It´s good fun!

Wo waren wir? Letztes Wochenende – richtig! Es stand auswärtiger Besuch ins Haus und Wonni und ich haben uns aufgemacht um die knappen 200 km der Great Ocean Road abzufahren – Ottway Nationalpark eingeschlossen. Am Ende waren es sagenhafte 706 km Fahrtstrecke, 2 mal Wegstrecke der Great Ocean Road und unzählige Fotostopps, Pinkelpausen und Koalasessions. Koalasessions? Richtig, nach 2004 – wo wir bereits verzweifelt nach wilden Koalas gesucht haben und keinen einzigen wilden Beutler gesehen haben, haben wir diesmal voll ins Schwarze getroffen und nicht nur ein paar, sondern gleich massenhaft der kleinen putzigen „Bärchen“  in den verschiedenesten Posen und auch Aktivitäten gesehen (Bärchenkenner wissen, dass diese Bezeichnung falsch ist – Wurscht!). Aber von Anfang an!

Freitag kam Wonni an – Queensland hat am 1. Mai einen Feiertag, Victoria (mein derzeitiger Bundesstaat) leider nicht. Daher ging es am Abend erstmal quer durch Melbourne und nach Chinatown zum Abendessen. Da es das Schicksal an diesem Freitag gut mit mir meinte, legte es mir auf dem Nach-Hause-Weg von Arbeit einen australischen Reisepass nebst 2 x 50 A$-Scheinen auf den Weg. In Zeiten knapper Kasse natürlich sehr willkommen und der Abend  und die Nacht gingen somit auf meine Kappe. Danke, liebe Verliererin, deinen Pass kannst du dir gerne bei mir abholen,  ansonsten kannst du ihn dir gerne im Fundbüro abholen.

Samstag Morgen dann ein zeitiger Checkout aus dem wahrscheinlich saubersten Hostel in dem ich bisher war, dem YHA Melbourne Metro. Auto mieten und dann auf zum Sightseeing um Melbourne, u.a. St. Kilda und ein bischen Verkehrs-Wirrwarr im Central Business District. Hier haben die Stadtplaner mal wieder nur so vor Inkompetenz gestrahlt, denn in dem Einbahnstraßen-Durcheinander braucht man schon eine Weile, bis man da ist, wo man ursprünglich hinwollte.  Die Verkehrsführung ist mindestens ebenso sinnvoll gestaltet wie das Straßenbahnsystem, die jeden Morgen zur besten Rush-hour Straßenbahnen schickt, die nur einen Waggon haben und die dann natürlich vollgestopft sind wie ein eine Thunfischdose. Zum Glück fahre ich so ziemlich von Anfang bis Ende durch und bekomme alle morgendlichen Gerüche und Berührungen in vollen Zügen zu genießen. In jedem Fall waren wir dann irgendwann gegen Nachmittag vor dem Portal der Great Ocean Road – ein typisches Poserbild mitten auf der Fahrbahn vor dem Tor und dann auf in die 170 km kurvenreiche Strecke, die den Kotzpegel so richtig zum Maximum treiben und die besten Achterbahnen nicht mithalten läßt. Die Fahrt blieb trotzdem frei von Erbrochenem, aber beinahe nicht ganz frei von unfreiwilligen Wildunfällen. Australiens Straßen sind da ein wenig gefährlicher als die Dämmerungsfahrt durch den Leipziger Auenwald, immerhin hüpft hier schnell mal ein Känguruh oder ein Hase vors Auto und wie wir auf Tasmanien erfahren haben, auch recht häufig. Jedenfalls waren es diesmal keine Känguruhs, sondern viel mehr ein niedlicher kleiner Koala, der seelenruhig und suizidgefährdet auf der Fahrbahn saß und im Lichtkegel unseres Mietwagens goldig uns entgegenglotzte. Eine Vollbremsung, ein paar wirre Worte und da war er – unser erster Wilder Koala. Dass „Koalaexpertin“ Yvonne völlig aus dem Häuschen war und aus irgendwelchen weibischen Quietschgeräuschen nicht mehr rauskam und sofort aus dem Wagen sprang, kann man nur zu gut nachvollziehen. Die männliche Intelligenz (!) veranlaßte mich dann doch noch die Warnblinkanlage anzuwerfen, Handbremse anzuziehen und erst dann auszusteigen. Immerhin kam weit und breit kein Auto, es war schon dunkel und wir beide waren einfach zu verdutzt über den Kollegen da auf der Fahrbahn. Einige Bilder später und ein paar Aufschreckgeräusche später (damit der kleine Kerl sich von der Fahrbahn verdrückt) ging es auch schon weiter, aber in einem Tempo, dass selbst den langsamsten Rentner zur Weißglut gebracht hätte. „Fahr in Australien nie bei Nacht oder es kracht!“ – Da ist was Wahres dran, und trotzdem haben wir es noch in unser Backpackers gebracht und erstmal richtig gefuttert und geschlafen. Sonntag Morgen dann der eigentliche Teil unserer Fahrt – die Strecke bei Tageslicht und hin und wieder sogar Sonnenschein. Wie 2004 hat es auch diesmal bei den 12 Aposteln (die seit 2005 eigentlich nur noch 8 sind) geregnet wie verrückt, aber gleich als wir wieder im Wagen saßen kam die Sonne und die restlichen Attraktionen der Strecke waren in ein warmes, aber maritim-windiges Wetter getaucht. Sehr schön anzuschauen, vor allem die vielen Farben von Felsen, Ozean, Sand, Himmel und Grünzeugs kamen gut heraus. Wirklich spektakulär waren aber auch diesmal die hammergeilen Auslicke aufs Meer und die Küstenstrecke selbst. Ich habe es sehr genossen, Wonni auch, immerhin ging ihr Kopf ständig hin und her. Aber Irland hat damals seine Spuren hinterlassen und wir haben ständig verglichen mit dem Cliffs of Moher oder den vielen Küstenfahrten auf der grünen Insel.

Als absolutes Highlight möchte ich jedoch die Fahrt in den Otway Nationalpark aufführen. Kollegen und Eltern von meiner Praktikumsstelle haben mir diesen Park als Hotspot für wilde Koalas empfohlen und nachdem wir ja nun wirklich heiß darauf waren noch weitere wilde Koalas zu sehen, ging unsere Fahrt natürlich hierhin. Man biegt einfach von der Great Ocean Road auf guter halber Strecke ab und ist sofort im Park. Überall Eukalyptus-Bäume und sattes Grün – nur zu perfekt für die kleinen Beutler und verkehrstechnisch sehr ruhig gelegen um seinen Eukalyptus-Rausch auszuleben. Wir also mit geschärften Augen und Schritttempo in den Park und keine 10 km später der erste Aufschrei von Yvonne – Koala-Alarm! Bremsung, links ranfahren und raus in den Busch. Tatsache, oben in den Gabeln der verrenktesten Bäume saß tatsächlich einer. Ein Blick nach links und rechts ließ das Ausmaß dieser Bevölkerung augenscheinlich werden – überall Koalas in den Bäumen. Wonni kam aus ihrem Rufen gar nicht mehr heraus und auch ich habe es irgendwann aufgegeben mitzuzählen. Irgendwann zwischen 30 und 40 wird es wohl gewesen sein. Irgendwann ging es dann weiter Richtung ältestem Leuchtturm Australiens – hier eine weitere Feststellung, dass die Australier wirklich jedes noch so kleine Stückchen ihrer lächerlichen 200 Jahre Geschichte gnadenlos zu Geld machen und ein kurzer Spaziergang und dann zurück zu den Eukalyptuswäldern. Ein kurzer Abbieger und schon waren wir wieder mitten im spätnachmittaglichen Tagesprogramm der flauschigen Dauerhänger. Eukalyptus-Wettessen, urkomisches Gekratze, hin und wieder Gekletter in den Bäumen. Es ist wirklich unglaublich wie sehr sich die kleinen Kerlchen in die hohen Äste wagen, die kaum dicker sind als 2 cm, sie selber sind ja auch nicht die leichtesten. Interessant auch das Tempo in welchen die Burschen die Äste leer fressen. Wir haben unter einem Baum geparkt, über dem direkt ein Koala saß und an einem Ast fraß. Als wir keine 30 min wieder an dieser Stelle vorbeikamen, waren kaum noch Blätter an (Achtung!!!) dem gesamten Baum. Entweder hatte der Kollege großen Hunger, oder einfach nur einen Affenzahn drauf bei seinen 2 h Tagesprogramm – mehr machen die Tierchen nämlich nicht, außer Eukalypusfressen, Rumhängen und hin und wieder ein paar Paarungsversuchen. Interessant auch die Feststellung, dass nur ein Koala auf einem Baum sitzt. Das typische Wildpark-Bild ist also nur inszeniert oder durch Platzmangel hervorgerufen – mehr als 2 Koalas auf einem Ast. Wilde Koalas sitzen einzeln und brüllen sich höchstens untereinander Nachrichten zu. Ausnahmen sind Koalas mit ihren Jungtieren – auch hier haben wir ein Paar gesehen.

Gut, soviel zu unseren Koala-Studien vom Wochenende – als Fan könnte man die Beobachtungen jetzt noch endlos weiterühren. Die Fahrt ging irgendwann auch weiter und der Koala, der an einer Kreuzung dann noch herabkletterte um den Baum zu wechseln, war nur ein weiteres Highlight dieses wirklich naturbelassenen Wochenendes, an dem nur wir die Umwelt mit den 120 Pferdchen unseres Mietwagens verpesteten. Sonntag-Abend dann die Ankunft in Melbourne und nach der ganzen Fahrerei und Aufregung nur noch ab ins Bett. Montag dann schnell arbeiten, während Wonni mal wieder der Shoppingsucht verfiel und Melbournes Surferläden plünderte. Den Nachmittag und Abend sind wir dann noch gemeinsam durch Melbourne geschlendert. Ein kurzer Ausflug über einen Teil der Formel 1-Strecke (zu Fuß!!!) und die Boxengasse inklusive. Am Abend dann das gleiche Szenario wie jeden Abend – todmüde ins Bett. Dienstagmorgen dann wieder zeitig raus und Wonni zum Flughafenzubringer gebracht, dann wieder zu meinen Jungs ins 4-Mann-Zimmer, die alle noch von ihren Nachtschichten im Tiefschlaf lagen und dann erstmal auf Arbeit. Nicht wirklich spektakulär, aber so ging ein wirklich schönes (verlängertes) Wochenende zu Ende und da heute ja schon wieder Donnerstag ist und das Wochenende kurz bevor steht, kann ich mich gleich doppelt freuen. Immerhin bin ich morgen Mittag aus dem Schneider und fahre zum Flughafen, denn es geht nach Sydney für 2 Tage. Dann noch zwei Wochen Praktikum und dann wieder zurück nach Brisbane – die Verkürzung soll sich auszahlen, immerhin warten einige bezahlte Handwerkerarbeiten auf mich und ich kann mal unter Beweis stellen, was Vater mir in der Garage und im Garten beigebracht hat. 😉 (Homer-Zitat: „Man kann alles reparieren – mit dem geeigneten Werkzeug!“ – Insiderwitz!!!)

So langsam wird es auch hier erträglich und man unternimmt mehr und mehr – u.a. mit dem kotzenden Kiwi (Dave „The Wave“ – man erinnert sich an eine turbulente Nacht mit Erbrochenem, freier Liebe und Ballerspielen), der übrigens auch Lehrer wird und nebenbei in Jamie Oliver´s Restaurant hier in Melbourne als Ausbilder für Straßenkids arbeitet um ihnen die Kochkunst beizubringen. Bei seinen ultimativen 2 min-Nudelgerichten und kalten Dosenravioli wirklich eine Lebenserfahrung für die Streuner. Meine Pläne stehen auch schon für die noch verbleibende Zeit, aber so wirklich werde ich mit der Stadt nicht warm – zu viele Freaks und zu metropolenartig – Fast schon ein little America, was auch einige der Locals bemängeln. Kaufen, kaufen, kaufen – nicht unbedingt meine Welt. Alles muss zu Geld gemacht werden, auch wenn es keinen Cent wert ist, dazu die nicht unbedingt freundliche Art der Melbourner Locals und die Anonymität einer pseudoamerikanischen Großstadt. Neben der Jobknappheit u.a. auch ein Punkt, der viele Backpacker mittlerweile schnell wieder aus Melbourne verschwinden läßt. Es ist alles eine große Inszenierung – selbst das „alternative Viertel“ in Fitzroy, in das ich zuerst ziehen wollte, ist nichts weiter als Touristen-Nap und neben geführten „Grafitti-Touren“ und unzähligen geparkten Porsche / Hummer / Luxusschlitten vor alternativen Szenekneipen, kann ich hier nicht wirklich was mit anfangen. Studentenkonzerte von Indiebands für schlappe 30 A$ sind nicht wirklich studentenfreundlich und so sind es dann doch eher gesetztere Herrschaften in Hugo Boss-Hemden, die zu pseudo-indierockingen Klängen an ihrem Metropolitan schlürfen. Da sind mir abendliche Quatschrunden in der Hausbar mit Hong und Dave nebst bretternder Metall-Klänge lieber, als diese „neoliberale Speerspitze“ in „Melbournes (Nord-) Südvorstadt“! (Danke, Benni! Das Wort ist einfach zu großartig um es hier wegzulassen…) – Ich hoffe nur, dass zu Hause derartige Entwicklungen ausbleiben, Tendenzen sind leider  auch hier da. „Alternativ ist cool!“ – und deshalb macht man es gnadenlos zu Geld. Nicht dass ich hier den neuen Alternative-Macker raushängen lassen will, aber in Zeiten überteuerter Lokale und genügend Schund im Musik – und Kultursektor war das doch immer ein Ankerpunkt schmaler Studentenkassen und spaßsuchender Backpacker. Oder irre ich mich da? Egal, genug lamentiert. Es lebt sich halt so dahin, mein Fall ist es hier definitiv nicht, aber soviel zu meiner Einstellung im Bezug auf „Melbourne / Victoria= the place to be“ – eine Aussage, die meiner Meinung nach nicht wirklich der Wahrheit entspricht – es gibt schönere Orte in Australien, auf jeden Fall! Angeblich gitb es eine Art Sympathiestreit zwischen Sydney und Melbourne. Leute, die hier gereist sind, sind am Ende entweder „Sydney- oder Melbourne-Fan“. Nach dem kommenden Wochenende weiß ich sicher bescheid, meine Tendenz nach 2004 steht fest, aber ich will mir erst ein Bild machen.

A´propos Bilder: Da man hier jegliche Up-/Download-Funktionen im Hostel sperrt (bei dem Asiatenansturm hier nur zu gut nachzuvollziehen 🙂 ), gibt es wahrscheinlich Bilder erst wieder aus Brisbane, also in ziemlich genau 2 Wochen. Dann aber auch ne gehörige Ladung.

Und während ich hier diese Zeilen getippt habe, habe ich innerlich  doch ein wenig gehofft, dass meine damalige indische Maid um die Ecke kommt und mir mit einem Lächeln und ner Tasse Chai meine Wäsche gebügelt und zusammengelegt vorbeibringt. Nix wars, ich werd dann mal nachschauen, mittlerweile dürften die Hemden getrocknet sein.

Bis dahin viele Grüße aus dem metropoliten (und gerade deshalb eher unschönen) Melbourne.

Micha

Vom verzweifelten Versuch einen Brief abzuschicken

Posted in Australia on April 29, 2009 by indiapore

Die Geschichte grenzt schon fast an Blasphemie, bzw. ist eigentlich viel zu armseelig um sie hier aufzuschreiben. Trotzdem möchte ich dem aufmerksamen Leser dieses Blogs dieses Armutszeugnis australischer Behörden nicht vorenthalten – vielleicht auch um Nachahmer davor zu schützen…

Das Ganze begann vor exakt einem Monat in Brisbane. Wer in Australien mit Kindern arbeiten möchte, der braucht ein bestimmtes Zertifikat, welches eine sonders dafür eingerichtete Behörde eigentlich (!!!) ohne Umwege ausstellt. Alles was man dazu machen braucht, ist ein bestimmtes Formular, ein Foto und einen Kugelschreiber um die wenigen Details zur eigenen Person und des Arbeitgebers zu ergänzen. Kein Ding, wenn man davon ausgehen darf, dass es einzig und allein dem Schutze der Kids dient. Ein großes Ding jedoch, wenn man diesen „kleinen Check“ durch einen bürokratischen Wirrwar jagt, der seines Gleichen sucht und sogar die deutsche Bürokratie weit in den Schatten stellt, ganz ehrlich.

Ich brauche in jedem Fall für meine Arbeit in Melbourne an der DSM dieses Zertifikat. Dafür habe ich mir nach Brisbane den Antrag schicken lassen – funktionierte einwandfrei (das Einzige allerdings bei der ganzen Sache). Ausgefüllt habe ich das Ding auch, doch dann kan Problem Nr. 1: Man muss sich in dreifacher Ausführung identifizieren, wenn man den Brieg abschickt. Heißt: Ich muss eine Kopie meines Reisepasses mitschicken, eine Kopie meines Visums, eine Kopie meines Mietvertrages, eine Kredit – oder Geldkartenabrechnung oder eine Telefonrechnung nicht älter als 3 Monate ebenfalls als Kopie. Und hier fing der ganze Schlamassel auch an.  Ich habe mir vorgenommen diesen Brief persönlich auf dem Postoffice in Melbourne abzugeben – die Möglichkeit ist die einfachste und sicherste (wahrscheinlich auch die sinnfreiste und bürokratischste, die man wählen kann). Ich bin Reisender, führe also nichts weiter mit mir als meinen Reisepass. Einen Mietvertrag bekomme ich als Tourist nicht, ebenso wenig einen Telefonvertrag – was auch beides nicht in meiner Absicht hier liegt. Mann, ich suche Freiheit und keine Wohnung, ihr Kackbratzen!!! 😉 (Sorry, für den Aussetzer!) – Noch nicht einmal ein Visum kann ich vorweisen, denn als „eTourist“ bekommt man (wie der Name schon sagt) nur ein eVisum, was einem keinen „tollen bunten Sticker“ in den Pass beschert, sondern nur einen Stempel zur erfolgreichen Einreise. Alles andere ist digital beim Immigrationsbüro gespeichert.  Also fehlten mir letztlich letztere drei wichtige Dinge um wirklich zu klären, dass das da meine Person ist, die vor der nicht englisch-sprechenden asiatischen Angestellten steht (hier sollte man meiner Meinung nach anfangen Personal gewissenhafter auszuwählen!!!). Nach langer Diskutiererei habe ich mir eine Bestätigung meines Hostels besorgt, dass ich dort wohne, quasi als Mietbestätigung. Eine Telefonrechnung habe ich bis heute nicht. Mein nächster Gang war zum Immigration Office in Melbourne (bereits das Zweite Office, dass ich in Australien sehen durfte, nachdem man meinen „eAntrag“ für ein passendes VIsum im Februar ver-„e“-schlampt hat). Hier konnte man mir nach 2h Warterei „helfen“ indem man mir einen Ausdruck in die Hand gab, welcher mein Visum bestätigt und den genaueren Typus beschreibt (eVisa – Tourist!!! – Wow, das hätte ich mir online ausdrucken können und kann man sich fälschen wie man lustig ist). In jedem Fall paßt dieses Schreiben auch nicht ins Raster einer einwandfreien Identifizierung meiner Person, da es ausdrücklich erwähnt, dass es nicht unbedingt ich sein muss, der dieses Schreiben mit meinem Paß, welcher mein Foto, meinen Fingerabdruck und mein gescanntes Auge enthält, beantragt hat. Super, auch hier wieder sinnloser Weg dank sinnloser und falscher (!) Aussage des freundlichen Herren von der Infoline der Working with Children – Behörde. Ich habe es dennoch versucht und festgestellt, dass australische Postbeamte nicht nur englischfrei sind, sondern auch inkompetent wie eine Leberwurst am Rednerpult. Einer wollte mein Visum nicht anerkennen (Wow, ein Treffer!), der andere widerum fand mein Paßbild als nicht ausreichend (biometrisch einwandfrei, wie sich im Vorfeld bei mehreren Postbeamten schon bestätigt hat). Der dritte Beamte (eine Frau!!!) akzeptierte nicht, dass ich in einem Hostel wohne, den Brief vom Immigration-Office, der ausdrücklich zu verstehen gibt, dass er nicht gültig ist um meine Person zu verifizieren, war ihr egal. Spitze! Nach einer Woche sinnloser Hin- und Herrennerei ein Höchstmaß an netten Erfahrungen im Umgang mit der wirklich bemerkenswerten australischen Bürokratie und die Feststellung: Wie soll man  sich als gottverdammter Ausländer identifizieren, wenn man keine Wohnung hat (und bekommt) und ebenso wenig einen Telefonvertrag abgeschlossen hat? Denkt mal nach, ihr Bürokraten / Advokaten, was da nicht  stimmen kann! In jedem Fall muss ich dieses Zertifikat irgendwie bekommen, so meine Auffassung. Andererseits ist mir der Zutritt zur Schule verweigert – ebenso den Eltern, die diesen Wisch nicht haben… Krank! Man darf sein Kind wirklich nicht von der Schule abholen, bzw. das Schulgelände betreten, wenn man nicht über diese lustige kleine Plastikkarte mit peppig buntem Aufdruck verfügt. Mal abgesehen, dass ich über eine Woche auf illegalem Boden gestanden habe, sei mal dahingestellt. In jedem Fall ist mir gestern nach aller Rennerei der Kragen geplatzt und ich habe den Herren an der „Hotline“ richtig Dampf gemacht und ihn gefragt, wie er sich das alles vorstelle und dass ich im Ernstfall einen derben Fick auf dieses Scheißzertifikat gebe (entschuldigt diesen forschen Ton!) und einfach mein Ding mache. Der Herr, anscheinend an solche Anrufer gewöhnt, versicherte mir hoch und heilig, dass er mich zurückrufen wird, sobald er eine Lösung mit seiner Vorgesetzten gefunden hat.  Auf seinen Rückruf warte ich immernoch, aber ihm war bewußt, dass es mir ernst war. In jedem Fall habe ich mich nach 12h Warterei noch einmal begnügt und diese lustige „Hotline“ angerufen – mit dem Ergebnis, dass diesmal die „Hotline“ wirklich eine „Hotline“ war und ich dem Herren (der zufällig wieder am Apparat war) richtig Feuer gemacht habe, ob er denn denke ich sei dumm und ich im Zweifelsfall mit seinem / seiner Vorgesetzten sprechen werde. „Complaints & Compliments“ – zum Glück besitzt jede australische Webseite der Regierung einen solchen Feedback-Link und man kann nach Herzenslust motzen und meckern – nicht, dass mir sowas gefällt, aber in diesem Fall mehr als nötig. Diese Behörde weiß von diesem Problem seit über einem Jahr und ändert einfach nichts daran – wahrscheinlich eine Maßnahme der Regierung um sich arbeitnehmende Ausländer vom Hals zu halten (bei 9% Arbeitslosigkeit auf 21 Mio. Einwohner gerechnet, nicht ganz unsinnig, aber eine Frechheit für einen wohlgesinnten Europäer!)

Ich habe letztlich mit seiner Vorgesetzten gesprochen, Michelle – geschätzte 28/9 Jahre und höchst unsicher in ihrer Art. Ich habe sie heute mehrmals am Telefon gesprochen mit ihr diskutiert und ihr erklärt, dass es für mich unter keinen Umständen möglich ist diese „Identifizierungs-kriterien“ zu erfüllen. Ich bin Reisender, wohne in einem Backpackers, habe und bekomme keine Verträge – bin auch nicht gewillt für ein unbezahltes freiwilliges Praktikum derartige Dinge anzugehen. Sie hat mich verstanden und zu ihr eingeladen – in ihr Büro, in einem ca. 50-stöckigen Büroturm mit dicker Außenfassade und natürlich in staatlicher Hand. Vorbei am etwas dümmlichen Einlasser, der mich auf meine Anfrage nach Madamme Michelle nur mit der Antwort „So, you want to work with children? Sorry, mate, but you´re wrong in this building!“ abspeisen wollte, habe ich dann die „Göttin dieses Zertifikats“ persönlich gesprochen und ihr mein Leid als gemeiner Pöbel geklagt. Sie hatte ein Ohr und alles mit mitleidigem Nicken aufgenommen. Letztlich hat sie der ganze Papierkram keinen Dreck interessiert, sie hat mir einen Stempel auf den Vordruck gegeben, das Antragsformular angenommen und mich mit dem erlösenden Satz „Ich sei jetzt legal angestellt und dürfe mit Kindern arbeiten“ verlassen. Sie verstehe die strikte Handhabe der Postbeamten, die diesen Brief in Empfang nehmen. Ich habe davon nicht viel gesehen, schließlich hat jeder etwas anderes beanstandet und ich hatte echt langsam das Gefühl nur von Idioten umgeben zu sein, schließlich konnte keiner wirklich begründen warum das alles so sei. Jeder fährt sein „Schema F“ ab und denkt nicht weiter drber nach. Jedenfalls, dieser Moment hat mich fast 1,5 Wochen Nerven, Zeit und auch Geld gekostet. Es ist nicht zu glauben, aber in der Realität werden wichtige Abläufe manchmal mit einem Augenzwinkern abgetan (siehe Michelles kompetente Sachbearbeitung im Foyer des Wolkenkratzers). Wer hartnäckig bleibt gewinnt und im „Auf´s Schein gehen“ bin ich mittlerweile geübt – Indien hat sich bezahlt gemacht. Trotzdem weiß ich nicht wie oft ich „Puls 200, bald!“ hatte diese letzte Woche und kurz vorm Austicken war, denn soviel Bürokratie und Stumpfsinn auf einmal, erlebt man nicht mal als Deutscher Staatsbürger in seiner Heimat. Den Brief habe ich jedenfalls nicht abgeschickt / abschicken können. Alles der bürokratischen Handhabe meines Anliegens zu verdanken und einer Gesellschaft, in der anscheinend jeder nur stumpfsinnig seinen „Dienst nach Vorschrift“ absolviert und niemand nachdenkt, was er da eigentlich macht und wo eventuelle Fehlerquellen liegen könnten…!

Danke, Australien, aber du bist definitiv nicht mehr das, was du mal warst. Du stellst lieber illegal Menschen aus Fernost an, weil du zu hohe Steuern von arbeitenden Ausländern verlangst und kostenlos arbeitenden Reisenden legst du Steine in den Weg. Denk mal nach und ändere was!

In jedem Fall sollte sich jeder, der irgendwann einmal mit dieser oder dieser australischen Behörde / Institution zu tun hat, warm anziehen und Nerven wie Drahtseile haben. Meine Drahtseile sind haardünn geworden, da hat nicht mal mehr die indische Arschruhe und die Inselgelassenheit etwas bewirkt. Das gelobte „Easy Going“ ist definitiv Geschichte und während ich diese Zeilen schreibe, schließe ich innerlich mit diesem Kapitel ab. Es tat gut es niedergeschrieben zu haben und ich danke dem Leser für sein offenes Ohr. In ein paar Monaten werde ich wahrscheinlich drüber lachen, momentan kann ich es noch nicht…

Möge Gleichgesinnten weniger Stressiges widerfahren! Auf einen erfreulicheren Post beim nächsten Mal!

Grüße aus „freezy“ Melbourne

Michael