Mammutprojekt – Auslandspraktikum

Schon wieder sind mehr als zwei Monate ins Land gestrichen und es hat sich eine Menge getan. Zugegeben, der anfängliche Eifer beim Erledigen der essentiellen Aufgaben in Vorbereitung der kommenden 13 Monate hat etwas nachgelassen – Abschlussprüfung, Wohnungsveräußerung und Formalitäten fordern ihren Tribut, aber es geht in großen Schritten auf den Tag „x“ zu, an dem ich in Leipzig das Flugzeug betrete und Richtung Neu-Delhi aufbrechen werde.

Die letzten Monate waren vor allem von einem Umstand geprägt – Stress. Nun, Verfechter der Aussage „Stress kriegt man nicht, den macht man sich selbst!“ sei gleich gesagt – dem ist nicht so. Während ich zum ersten Mal in meinem Leben wirklich langfristig eine Sache angegangen bin, wurde ich immer wieder mit dem Satz konfrontiert „Da sind sie aber noch zu zeitig!“. Naja, und letzendlich schiebt sich dann doch alles zum Schluß auf. So konnte ich bisher nur eines von zwei Urlaubssemestern beantragen, Impfungen bisher erst zum Teil verabreicht bekommen und auch mein größtes Sorgenkind – meine Bude – hat sich erst in den letzten Wochen ansatzweise gelöst.

Aber der Reihe nach! Als Student der Uni Leipzig stehen einem 2 Urlaubssemester zur Verfügung, was doch recht großzügig ist, da man sie nicht unbedingt wie ich an der deutschen Botschaftsschule verbringen muss, sondern statt dessen auch am Strand von Spanien oder zu Hause auf der Couch vergammeln kann. Dumm nur, dass es für mich bereits das zweite und dritte Urlaubssemester ist. Ein drittes bekommt man nur, wenn man einen schriftlichen Antrag an das Prorektorat der Uni Leipzig stellt. Dieser Antrag wird dann vom Prorektor genehmigt, oder eben auch nicht. Nun ja, und da ich ja nach meinem Semester in Australien bereits ein Trumpf ausgespielt hatte,  hatte ich Glück und gehöre somit zu den glücklichen Studenten, die in den Genuss von drei Urlaubssemestern kommen und trotzdem die Semesterzahl flach halten können. Danke, Herr Prof. Dr. Fach!

Es folgt nun der Gang zum Studentensekretatiat, bei dem man die Genehmigung einreichen muss und die Freistellung vom Semesterbeitrag beantragt. Und hier liegt das (mal wieder bürokratische) Problem – man kann immer nur ein Semester im Voraus beurlaubt werden. Heißt: Ich darf mein zweites… pardon… drittes Urlaubssemester erst beantragen, wenn die Zeit reif ist, vorher wird nichts bearbeitet und kann auch nichts eingereicht werden. Spitze und danke an das kompetente Team des Studentensekretariats, die scheinbar alles sind, nur eben nicht entgegenkommend genug. Danke Paragraph X und Bearbeiterin Y!

Nächstes Problem: Freistellung vom Semesterbeitrag, immerhin 94€ Studiengebühren, ähm… Semesterbeitrag pro akademischen Terminus.

Verbringt man die gesamte Zeit im Ausland oder außerhalb von Leipzig, so wird man in jedem Fall freigestellt. Man muss „nur“ einen Nachweis bringen, dass man sich wirklich fernab der geliebten Alma Mater aufhält. Verbringt man aber unmenschlicherweise (wie ich) die Weihnachtsfeiertage in der Heimat, so schlägt einmal mehr der Paragraphenhammer zu und man löhnt für die Momente der Ruhe zu Hause den vollen Semesterbeitrag. Glücklicherweise hat mir meine Praktikumsschule einen Nachweis gegeben, dass ich die Zeit bis zum Antritt meines zweiten Praktikums in Singapur am 12.Januar 2009 in Delhi verbringen werde. Ich befinde mich also formal betrachtet an Weihnachten in bester indischer Gesellschaft bei Tafelkreide und Geschichtsbuch in Neu-Delhi! Danke zum Zweiten!

Einigermaßen lobenswert ist allerdings das Entgegenkommen der Dozenten und des Praktikumbüros, welche wirklich flexibler sind als ich zunächst erwartete. Fristen können hier nach Absprache auch gebrochen werden und Bescheinigungen werden auch vorab ausgestellt. Vielen Dank, zum ersten Mal ehrlich gemeint!

Überhaupt erscheint mir ein derartiges Vorhaben in Eigenregie wesentlich komplizierter zu sein, als in Begleitung irgendeiner Organisation a´la AIESEC, Erasmus oder DAAD. Man muss sich wirklich um alles selber kümmern. Und als ob man als Student der Alma Mater Lipsiensis nicht schon genug Zeit in punkto „Selbstorganisation“ vergeudet, kommen hier noch viele viele unerwartete Punkte hinzu. Da freut man sich dann aber doppelt und dreifach, wenn einem mal ein Fachdidaktiker entgegenkommt oder einfach mal ermutigende Wort übrig hat.

Punkt zwei – Wohnung: Vor frei Jahren freudestrahlend eingezogen, eingerichtet im Rekordtempo – es stellt sich nun die Frage wohin mit dem ganzen Zeug? Behalten? Verkaufen? – Ich entschied mich für zweiteres und habe seit Anfang April einen Nachmieter für meine Wohnung samt Mobiliar gesucht. Am Ende erfolgreich. Aber auch hier ist langfristiges Planen fehl am Platz und so war es doch nervenaufreibender als erwartet. Zum Glück erfolgreich!

Und nun sitze ich hier, zwischen Umzugskartons und leeren Regalen (alles wurde eben doch nicht an den Mann gebracht und wird nun wieder im Hotel Mama eingehortet). Die Szenerie erinnert irgendwie an den Bankrott eines Geschäfts, wo sich nun langsam aber sicher alles auflöst und einen Nachnutzer bekommt – schon komisch. Immerhin war das hier 3 Jahre lang mein zu Hause, am Wochenende auch das meiner Freundin. Aber der Weg ist das Ziel und in 13 Monaten geht es dann in eine gemeinsame Wohnung. Bis dahin zieht es mich aber wieder raus in die Welt. „Australien 2004“ sollte also der Anfang einer Krankheit sein, die sich Reisefieber oder Fernweh schimpft. Die Ausmaße lassen sich bis jetzt erahnen. Ich habe mir eine Reiseroute erarbeitet, die ich parallel zu meinen Arbeitsmonaten „abarbeiten“ möchte – persönliche Highlights sollen Alang/Indien, Dharamsala/Indien, Kathmandu/Nepal, sowie die Tempel von Angkor/Kambodscha, Ho-Chi-Minh-Pfad/Laos und Cu Chi/Vietnam werden, kombiniert mit vielen anderen Highlights in Indien und Südostasien. Das Ende gestaltet sich als „offen“, es verschlägt mich definitiv zu meiner Freundin und ihrem derzeitigen Studienort für mindestens einen Monat.

Aber genauso flexibel wie die Reiseroute eines Rucksacktouristen, soll auch meine Zeit im Ausland gestalten. Ich kann jedenfalls von mir behaupten, dass ich mittlerweile als „südostasieninfiziert“ bezeichnet werden kann. Die letzten Monate waren so reichhaltig an geschichtlichem und kulturellen Input, dass es nun nur so unter den Nägeln brennt endlich das Gelesene und Gesehene in echt zu sehen.

Themenwechsel, sonst fange ich hier noch an spezifisches Fachwissen aufzutischen – das hebe ich mir dann doch lieber auf für die Zeit vor Ort. Außerde mag sich mnche Theorie in der Praxis doch anders erweisen. Daher zum Thema drei: Reisevorbereitungen!

Zugegeben nicht unbedingt mein Lieblingsthema, immerhin habe ich bisher Reisevorbereitungen gerne auf wenige Stunden vor den Abflug verschoben, was bedeutet, dass Taschen prinzipiell in letzter Minute gepackt werden und sonstige Erledigungen „auf den letzten Pfiff“ bisher geschahen. Bei einem Zeitraum von 13 Monaten gestaltet sich das dann doch etwas anders. Hatten vor Australien und den USA die Frauen an meiner Seite (in Form von Freundin und Mutter) alles Wichtige organisiert oder mich zur Tat gedrängt, so war es diesmal an mir, alles Wichtige zu erledigen. Angefangen bei der Unterkunft in Delhi, einem neuem Reisepass (Herr Schäuble verfolgt mich jetzt auch Schritt und Tritt) und den  bereits erwähnten Formalitäten, waren Impfungen ein wichtiges Thema.

Bisher war ich nicht unbedingt ein Freund der spitzen Nadel, die einem Gesundheit und Wohlergehen verspricht. Die letzten Wochen waren aber geprägt von zahlreichen Injektionen, welche meine Überlebenschancen im wilden Osten um einiges erhöhen sollten. Neben den üblichen Vorkehrungen gingen aber vor allem zwei Impfungen richtig ins Geld – Tollwut und japanische Enzephalitis (eine Art Hinentzündung – im dümmsten Falle tödlich). Naja, und damit auch Freundin und Muttern ein gutes Gefühl haben, wenn sie ihren Freund und Sohn zum wiederholten Male in die Ferne schicken, lasse ich mir seit mehreren Wochen stoßweise Antikörper spritzen, damit ich im Kampf „Mann gegen Virus“ als Sieger hervorgehe. Das Ticket für die Aufwärmphase kostet mich dabei „nur“ knapp 400€uronen! Aber besser Vorsicht als Nachsicht. Man wird eben vernünftiger mit der Zeit.

Bleiben noch eine handvoll an Organisatorischem offen – Visum, Umzug, Autoabmeldung etc. etc. Im Vergleich zu den letzten Wochen ein Lacher – aber wie so oft wird mich auch hier noch so manche Überraschung einholen.

Das gibt es dann natürlich hier zu lesen!

Also, plan on! Stay tuned,

Michael L.

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