Archiv für August, 2008

Weltkulturerbe zum Frühstück

Posted in India on August 31, 2008 by indiapore

Jo, das zweite Wochenende ist nahezu Geschichte und nach einer anstrengenden Woche folgte ein noch anstrengenderes, dafür aber umso beeindruckenderes Wochenende in Agra, einer Stadt, die ca. 200km südlich von Delhi liegt, gerade mal 1,3Mio. Einwohner zählt und die eigentlich jedem ein Befriff sein sollte, denn hier steht ES – das Sinnbild vieler Indienreisender und Pilgerstätte abermillionen von Touristen jedes Jahr – das Taj Mahal. Für viele ist dieses zum UNESCO-Weltkulturerbe stehende Bauwerk mit Sicherheit der Palast aus „Tausend und einer Nacht“ schlechthin, aber in Wirklichkeit ist es doch ein Mausoleum und zum Träumen kommt man bei den Menschenmassen nur schwer. Aber wie immer der Reihe nach.

Nach einer nächtlichen Tortur auf New Delhis Bahnhof um Tickets zu bekommen, ging es Freitag Abend mit dem Zug von New Delhi nach Agra. Als bekennender Autofahrer kann ich indische Zugfahrten nur empfehlen. Man sollte jedoch gut wählen aus den zig verschiedenen Klassen, die einem die indische Bahn zur Verfügung stellt. Angefangen bei einer blanken Holzpritsche, über Holzpritsche mit Auflage bis hin zur Einzelkabine mit Bett, Klimaanlage und Bord-Service kann man alles haben. Wir, das sind Sinja, eine Praktikantin des Goethe-Instituts und ich, haben uns für die Mitte entschieden – „AC Chair Car“ – heißt soviel wie klimatisierter Sesselwagen und vom Aufbau her wie ein Holznachbau eines Flugzeuginnenraums, lediglich mit zusätzlichen Ventilatoren an der Decke, Vorhang und derartig dreckigen Scheiben, dass man nur erraten kann, wo man sich gerade in der Pampa befindet. Jedenfalls sehr komfortabel und so kann man für umgerechnet 3,50€ schon mal schnell den abartigen Fäkalgeruch und die Menschenmassen auf indischen Bahnhöfen sowie die allgegenwärtige Hitze um einen herum vergessen und einfach mal abschalten. Das geht aber nur so lange, bis einen die Zugbediensteten aus dem Träumen reißen und einem permanent Tee, kleine Snacks und anderes Zeug aufschwätzen wollen. Naja, und während man bei der deutschen Bahn für 2,80€ gerade mal einen Kaffe bekommt, kann man in Indien für 1,50€ eine komplette Mahlzeit einnehmen und das direkt neben auf Pest untersuchten Toiletten. Mahlzeit! 🙂 Kleines, aber kaum umgehbares Manko bei Zugreisen ist jedoch die Zeit für eine Strecke. Nannte sich unser Zug noch „Intercity Express“, so brauchte er dennoch geschlagene 4h für die knackigen 200km von Delhi nach Agra. Aber bei dem Komfort hält man es aus, die Rückfahrt sollte mich nämlich eines Besseren belehren.

Akunft in Agra war dann gegen 22Uhr und per Rikscha ging es dann in ein vorgebuchtes „Hotel“ in Stadtkern von Agra – 600Rupien für ein Zweibettzimmer, umgerechnet 8.80€ und das in einer Touristenhochburg wie Agra – unschlagbar und ebenfalls sehr komfortabel – lediglich mit zeitweisen Stromausfällen, so dass Kerzen für Licht sorgten, aber das kennen wir alles schon aus Delhi! 😉 Hier konnte man die 5h Schlaf bis zum Sonnenaufgang gut aushalten. Den restlichen Abend verbrachten wir mit zwei Deutschen, die ebenfalls unterwegs waren um das Taj Mahal zu besuchen. Bei einem ist der Trip jedoch etwas ausgedehnter, denn Oli, der Münchner befindet sich gerade auf einer Welttournee mit seinem Offroader und Indien ist nach vier Monaten nur eine weitere Station nach Pakistan, Iran und alles weiter westlich Liegendem. Den Link zu seiner Seite hab ich gleich hinzugefügt und vielleicht trifft man sich in Südostasien oder in Ozeanien 2009 wieder. Schön wärs, denn der Abend und der Tag danach waren sehr spaßig!

Mit den Beiden verbrachten wir den Abend im Hotel bei Coke (leider kein Bierchen erhältlich) und Schach, begleitet von, wie bereits erwähnt,unzähligen Stromausfällen und jeder Menge Grashüpfern, die es scheinbar liebten durch unsere Kerze zu springen und sich dabei die Flügel zu verbrennen.

Am nächsten Morgen ging es dann 5Uhr aus den Federn, so dass wir gegen 6Uhr am Taj Mahal waren, wo wir uns einen spektakulären Sonnenaufgang erhofften. Ok, das Taj ist wirklich spektakulär, aber der Sonnenaufgang nicht unbedingt. Bevor wir jedeoch direkt davorstanden, gingen wir mit samt 5 weiteren Touris einem gefuchsten Inder auf den Leim, der uns einen „Hotspot“ versprach, von wo aus man das Taj sieht. Nur 200Rp., er arbeitet ja schließlich seit 24Jahren hier und kennt sich bestens aus. Spitze! Dumm nur, dass der Blick vollkommen „für´n Arsch“ war, versperrt von den Gebäuden, die das Taj Mahal umgeben. Also kein „Hotspot“ und keine 200Rp. für Mr. Superguide an diesem Morgen. Umso schneller ging es zurück zum Haupttor und das zeitige Aufstehen hat sich dann doch noch gelohnt, nicht aber wegen dem spektakuläen Sonnenaufgang, sondern wegen der sensationellen Leere bis 30min nach der täglichen Öffnung des Komplexes. Bereits 7Uhr war das Gelände so brechend voll, dass immer wieder irgendwelche Besucher den Blick verstellten und man nur schwer einen halbwegs freien Shot machen konnte. Aber auch schön und wenn man sich nur ein bischen für Architektur und die kleinen Detailarbeiten drumrum interessiert, der wird das Taj Mahal lieben lernen. Zugegeben, es ist nicht so groß wie ich es erwartet hätte, aber die Intarsienarbeiten in Marmor, das verwendete Material, die Symmetrie und vor allem die Sauberkeit des Geländes lassen einen schwer beeindruckt wieder rausschreiten. Und die Ruhe vor dem Sturm darf natürlich nicht vergessen werden.

An dieser Stelle eine kurze Klarstellung: ICH FÜHLE MICH DISKRIMINIERT!!! Während der Inder einen lächerlichen Preis von 10-20Rp. bezahlt, wenn er beispielsweise das Taj sehen möchte. so zieht man dem ausländischen Besucher geschalgene 740Rp. aus der Tasche. Richtig – 750Rp., über 12€!!! Dann gibt es noch nicht einmal Studentenrabatt, geschweigedenn ein bevorzugter Einlass, wenn sich die Massen drängeln. Nicht, dass ich hier rumheule, aber wer in dieser Situation ist, der wird sich auch wundern. Vielleicht überlegt das Heimatkundemuseum in Leipzig zukünftig auch, ob es nicht vielleicht den 75-fachen Eintritt von einem Ausländer bekommt, dann dürfte der City-Tunnel schnell finanziert sein. 😉 Aber rummotzen bringt nichts, dafür hat der Einlasser samt AK47-Maschinenpistole einfach die besseren Argumente (sprichwörtlich) in der Hand!

Nachdem wir nun gut 2h auf dem Gelände herumgelaufen sind, im Mausoleum waren, Oli und Marcel (der zweite Deutschen vom Vorabend und nebenbei ein Thüringer) getroffen haben und ich ausgiebigst fotografieren konnte, gingen wir nach dem Besuch direkt in ein Restaurant um eine Kleinigkeit zu frühstücken. Im Stadtkern fanden wir dann ein Restaurant, von dem man einen wirklich schönen Blick auf das Taj hatte und so schmeckten das Omlette und die Sandwiches gleich noch besser. Ein kleines Video gibt es hier:

Nachdem wir uns das Taj ausgiebigst angesehen hatten, hatten wir das Glück zufällig in einen kleinen Marmor-Familienbetrieb zu schauen, rein zufällig, denn nach der Suche nach etwas Alkoholisierten in Form von Bier, kamen wir an einem Lädchen, nicht größer als eine deutsche Bushaltestelle vorbei, in der in einer Akribik feine Intarsienarbeiten in Marmor gefertigt wurden. Diese Technik hatte mich schon im Taj Mahal intereressiert. Wie bekomt man derartige Muster und Verzierungen in einer solchen Exaktheit in ein hartes Material wie Marmor. Die Erklärung folgte nun, man schlägt ganz vorsichtig die exakte Form des Inlays heraus und klebt dann mit einem „Spezialkleber“ das Muster oder die Form in diese Aushöhlung hinein. Man muss kein Kunsthistoriker sein um zu checken, dass diese Arbeit wirklich eine Schweinearbeit ist und nur die allergrößte Exaktheit diese Optik verleiht – absolut beeindruckend!

Weiter ging es in ein Lokal mit „Off Licence Beer“. Heißt: der Laden hat natürlich keine Lizenz Alkohol zu verkaufen, da diese Angelegenheit einmal mehr staatlich organisiert ist und Alkohol vornehmlich in staatlichen Bottleshops verkauft wird. Hier jedoch auf indische Art mit Ausschank unterm Tisch und Bier aus Kaffeepötten, damit die Polizei nichts mitbekommt. Hier ist es dann auch passiert – der Drank der Natur und mein leicht gestörter Stoffwechsel ließen mich auf das stille Örtchen drängen und was ich vorfand war ein Klo in derbster Indienmanier – ein Loch im Boden mit zwei Fußabdrücken für die richtige „K*ckposition“ – geht aber ganz gut, vorausgesetzt man hat die Technik drauf – den Inder dürfte unsere Hinsetz- und Abwisch-Technik ebenso verwundern, aber im Grunde sind die Inder sauberer in dieser Beziehung – Voraussetzung man beherrscht die „indische Freestyle-Kack-Position“. Letztendlich blieb es bei einer sauberen Angelegenheit für mich. Mehr Details möchte ich an der Stelle unterlassen, Bilder sprechen hier mehr als tausend Worte und ein bischen Phantasie hat sicherlich ein jeder…

Hiernach ging es mit dem Bus weiter nach Fathepur Sikri, eine kleine Stadt, ca. 40km südwestlich von Agra mit einer weiteren Unesco-Weltkulturerbe-Sehenswürdigkeit an diesem Tag – dem Königspalast des Großmoguln Michael L., ääähm Akbar, wem das etwas sagen sollte. Ersterer dürfte bekannter sein. 😉

Vorher jedoch machten Sinja und ich einen kleinen Abstecher zur direkt nebenan gelegenen Moschee Jami Masjid, auch sehr interessant, allerdings sehr sackig, da hier an jeder Ecke irgendwelche „Tourguides“, die in einer 5minütigen Rundtour durch den Komplex alles Wichtige erzählten und Höhepunkt einer jeden Tour der eigene Souvenirstand mit Marmorelefanten und anderem Klimmbimm war – sehr sackig, so dass die Ruhe im Königspalast umso angenehmer war, da man hier Eintritt zahlen musste und das dann doch den geschäftstüchtigen Inder abschreckt.

Naja, und da auch in Indien ein Tag nur 24h hat, hieß es nun langsam Abschied nehmen und zurück nach Agra, wo unser Rückzug nach Delhi wartete. Das Ende dieses wirklich grandiosen und erlebnisreichen Tages endete dann wie folgt: Der Bus von Fatehpur Sikri nach Agra brauchte schon wie auf dem Hinweg über eine Stunde für eine Strecke von 40km. Rückzu dauerte es dann nochmal 30min länger, da der Bus (Bus ist übertrieben – bei uns wären diese Geräte nicht mehr verkehrstauglich, Licht gibt es meistens keines, geblinkt wird per Handzeichen, Spiegel sind nur störende Außenverkleidung, die beim Überholen und Drängeln stören könnten, wichtigstes Utensil an „Bord“ ist die Hupe, die wirklich jeder anders gestaltet und die anders nervig laut und penetrant am Trommelfell kratzt und die Innenausstattung enspricht einem alten Ikarus-Bus, nachdem eine Horde Sperrmüllsammler alles Brauchbare ausgebaut hat – Komfortpunkte: -24, aber einzige Möglichkeit zum Reisen auf solchen Strecken, außerdem extrem Billig (22Rp. von Agra nach Fetehpur) und immer völlig überfüllt). Jedenfalls verpassten wir aufgrund eines Kupplungsschadens am Bus unseren Zug in Agra. Der Zug kam 64Rp., also nicht mal einen Euro, so dass man hier hätte auf ein ähnliches Fahrerlebnis schwören können wie die vorhergehende Busfahrt. Egal, wir mussten zurück nach Delhi und da man wirklich überall hinkommt, es nur eine Frage der Zeit und des Komforts ist, entschieden wir uns den Bus von Agra nach Delhi zu nehem – eine fatale Fehlentscheidung, wie sich am Ende herausstellte. Geschlafene 4 Std. waren für 200km angedacht, es wurden geschlagene 5,5h daraus, die Fahrt war laut, eng und so warm, dass man hätte Spiegeleier auf dem Sitz neben mir braten können. Eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte also, aber auch eine, die ich nicht wieder haben muss. Das nächste Mal wird langfristiger geplant. Spontan ist eben doch nicht immer gut! 😉 Eine Lehre fürs Leben!

Total ermüdet und dreckig wie ein Franzose kam ich dann gegen 1.30Uhr in Delhi an, dann direkt nach Hause unter die Dusche, den Dreck runterwaschen, eine Kleinigkeit essen und dann ab ins Bett.

Heute bin ich dann aus unerklärlichen Gründen erst 15Uhr aufgewacht. Mit einem spitzenmäßigen Gefühl im Bauch und der Gewissheit, dass dieses Wochenende echt klasse war und sich der Trip doppelt und dreifach gelohnt hat, werde ich mich jetzt auf die Suche nach etwas Eßbarem machen, danach noch ein paar Stundenvorbereitungen für nächste Woche machen und mal nach Hause telefonieren.

Eine kleine Galerie zum Trip gibt es >>HIER<<.

Bis die Tage, der M.

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Einmal „Subkontinent light“ bitte!

Posted in India on August 24, 2008 by indiapore

Das erste Wochenende ist nahezu zu Ende, Zeit um nachzulegen und die letzten Tage hier festzuhalten.

Nachdem ich im letzten Post vornehmlich über mein Umfeld berichtet habe, will ich hier mal ein wenig Stellung zu den anderen nicht unwesentlichen Gegebenheiten vor Ort beziehen. Eines kann ich vorneweg sagen – das erste Wochenende habe ich genutzt um mir diese krasse Stadt einmal genauer anzusehen und so habe ich sofort mit dem Sightseeing begonnen, dazu aber später mehr.

Nachdem ich also die erste Woche an der DSND hinter mich gebracht habe (der aufmerksame Leser wird mit dieser Abkürzung etwas anzufangen wissen), wollten meine Mitbewohner und ich eigentlich auf eine indische Elektroparty gehen. Abends dann meldete sich jedoch die halbe Belegschaft krank – Fieber, Kopfschmerzen usw. und sofort. Jedenfalls fiel das Vorhaben dann ins Wasser und so entschieden wir uns für einen ruhigen Abend im Haus, mit von der Partie Kristopher (mein Kollege, der hiermit offiziell erwähnt werden möchte) und Robert, ein Jurastudent aus München, der derzeitig hier in einer Kanzlei arbeitet. In bester Gesellschaft von Smirnoff und Becks ging aber auch dieser Abend erst gegen 1Uhr zu Ende und so kam ich am kommenden Samstag nicht vor 13Uhr aus den Federn – Egal, schließlich öffnet hier eh alles erst gegen 10/10.30Uhr und der offizielle Betrieb beginnt dann dementsprechend etwas später, so dass ich mich gegen 14.30Uhr mit Kristoper aufmachte zum Connough Place, dem Dreh- und Angelpunkt von New Delhi und etwa 3mal so groß wie der Alexanderplatz in Berlin. Hier wurde erst einmal genüsslich in „goldene M“ eingekehrt und nach geschlagenenen 15min Anstehen hielten wir endlich die heißbegehrten Tüten in der Hand. Vor dem Restaurant stieß dann auch wieder Robert hinzu und die Tour konnte beginnen. Vorher machte ich jedoch eine Erfahrung der nicht so prickelnden Art. Vor dem Restaurant kam wie so oft ein indisches Kind auf mich zu und deutete mir mit einer Geste an Hunger zu haben. Da ich mir im Laufe der Woche aber geschworen habe, hier kein Geld mehr an Bettler zu geben, gab ich ihr einen übrigen Burger, welchen sie sofort wegtrug, ihn aber nicht aß, sondern lediglich die Mayonaise herunterleckte und den Rest wegwarf. Keine Ahnung, warum sie das gue Stück nicht aß, einige Gespräche später mit meinen Hausleuten entschied ich mich aber auch hier zu mehr Zurückhaltung den Bettlern/Kindern gegenüber. Trotzdem nicht unbeding ein schönes Szenario, aber man wird wohl lernen müssen damit umzugehen, leider!

Weiter ging es dann für mich zum India Gate, dem Kriegsdenkmal für die gefallenen Inder im ersten Krieg, welches im Laufe des letzten Jahrhunderts ergänzt wurde durch den Bangladesch-Krieg von 1971, wieder ein Krieg mehr, von dem der angehende Geschichtslehrer nichts im Geringsten wusste! Jedenfalls hatte ich mir geschworen hier mein erstes Foto zu schiessen, da es zunächst die markanteste Sehenswürdigkeit für mich in Delhi war und ich ja bereits 2004 in Sydney das erste Bild vor dem Opera House schoss. Irgendwie scheint das ein Tick von mir geworden zu sein, aber egal!

Das Szenario rund um das Gate ist jedenfalls recht interessant gewesen. Man stelle sich die Straße unter den Linden in Berlin vor, wo links und rechts keinerlei Bäume stehen und nur Wiesen und künstliche Wasserläufe zu irgendwelchen Springbrunnen sind, wo Familien Cricket spielen, picknicken oder einfach nur rumhängen und schlafen. Auf der abgesperrten Straße massenhaft Freßbuden, die einem irgendwie alle das Gleiche andrehen wollen – Getränke, Eis, Chips und kleine Snacks. Dazwischen Straßenverkäufer mit allerlei Plunder, angefangen bei Gucci-Sonnenbrillen für 2€ umgerechnet, irgendwelchen Marionetten aus Plüsch und Spielzeugfallschirmspringern…

Und dann vor einem dieses 42m hohfe Sandsteintor, schon spektakulär. Nice! Überall wird man angesprochen ob man nicht ein Foto haben will, direkt ausgedruckt vor Ort – hier konnte ich dann doch nicht wiederstehen. 🙂

Nach einem langen Gespräch mit einer der Wachen vom indischen Militär (Marine) zog es mich dann mit der Rikscha weiter nach Old Delhi, wo ich mich wieder mit Kristopher und Robert verabredet habe. Auf der Fahrt dahin erlebte ich den warscheinlich krassesten Regenguss meines Lebens, nur so am Rande und der Rikschafahrer sabbelte ohne Punkt und Komma auf mich ein, ob ich nicht eventuell seine spanische Freundin kenne. Klar, Europa ist ja auch nicht viel größer als Kleinruppin und jeder kennt jeden.

Angekommen in Old Delhi ging es dann direkt zum Red Fort. Wehe, es fragt einer warum das Red Fort „Red Fort“ heißt. Sechs, setzen! 😉

Ich weiß nicht wie es kam, jedenfalls hatten Robert und ich hier die glorreiche Idee einen weiteren Schritt in Richtung indische Staatsbürgerschaft zu tun. Ganz offensichtlich ist die Diskriminierung im öffentlichen Raum in Indien derartig geduldet, dass man sie ganz öffentlich zur Schau trägt und von Einheimischen 20Rp. (ca. 0,30€) Eintritt verlangt, von Ausländern (dem reichen weißen Mann) geschlagene 250Rp. (stolze 3,80€) aus der Tasche zieht. Frechheit, aber westliche Intelligenz hat auch seine Tücken. Irgendwie bildeten wir uns ein, dass es doch auch klappen müsste, wenn wir einfach einem Inder den Auftrag geben, dass dieser uns 3 Tickets zum Landespreis organisiert. Es fand sich auch schnell einer, dummerweise hatten scheinbar wir drei nicht als die Ersten diese Idee. Am Haupttor gab es dann eine kurze Diskussion mit dem Einlasser über das Ticket und die scheinbar besseren Argumente des Einlassers mit seiner Maschinenpistole, und dann ging es für mich den weiten Weg zurück um ein neues Ticket kaufen – ätschebätsch, aber eine Lehre! 🙂 Meine beiden Begleiter hatten keine Lust mehr, ich wollte unbedingt rein. Letztlich habe ich es dann auch überhaupt nicht bereut, den dieser Prachtbau aus der Mogulenzeit war schon spektakulär anzuschauen. Naja, und der Spaziergang durch den Palastgarten durch die kühlen und nassen Wiesen und das barfuß war eine willkommene Abkühlung zugleich. Sehr schön und sicherlich nicht das letzten mal, dass ich mir sowas anschaue – zum offiziellen Eintrittspreis für pseudoreiche Westler versteht sich! 🙂

Den Abend habe ich dann gemeinsam mit meinen Mitbewohnern auf dem Hausdach verbracht. Aruna und George haben zu einer Party eingeladen, welche recht schön war und für welche Aruna ihre Kochkünste unter Beweis gestellt hat. Mein Favorit: Kichererbsensalat!!! Leider kein typisch indisches Rezept, so dass meine Befürchtungen scheinbar wahr werden und ich nicht so schnell ein Freund der indischen Küche werde. Aber ich habe ja noch genügend Zeit…

Jo, der heutige Sonntag ist nicht unbedingt der Hit. Das zeitige Aufstehen fordert seinen Tribut und so ging es heute wieder erst 13Uhr aus den Federn, ein bischen hier gechattet, ein bischen da was geschrieben – bleibt noch die Vorbereitung auf die kommende Woche, wenns dann richtig losgeht. Eingewöhnungsphase vorbei und ab morgen heißt es dann Stunden schrubben. Nachmittags werde ich mir dann die ein oder andere Sehenswürdigkeit anschauen – auf jeden Fall werde ich mir diese Woche das Jami Masjid, Indiens größte Moschee anschauen. Am Samstag möchte ich dann mal den Weg nach Agra zum Taj Mahal auf mich nehmen und das Wochenende danach steht Varanasi schon ganz dünn geschrieben auf dem Plan. Aber wie man die Pläne auch schmiedet, so verfallen sie auch immer wieder. Bleibt zu hoffen, dass die Gesundheit weiterhin so gut mitspielt. Bisher – toi toi toi – mir geht es blendend, nur der Schweiß fließt aus allen Poren, nach wie vor. Trotzdem ist Aklimatisierung in Aussicht – ab Mitte September soll es kühler werden, oder sagen wir besser weniger schwül! 😉 Große Alternativen hat man eh nicht, so dass ich das Beste aus der Hitze mache.

Zum Abschluss noch eine kleine Galerie, die ich hochgeladen habe. Eine kleine Auswahl an Bildern der letzten Tage, genauer gesagt von gestern. Den Link gibts >>HIER<< !

Bis die Tage, der Micha

So schnell kann´s gehen…

Posted in India on August 21, 2008 by indiapore

…und schon steht man mitten im Subkontinet und der Schweiß läuft einem aus allen Poren!

Ich bin angekommen – körperlich, soviel vorneweg. Geistig wird es wohl noch eine Weile dauern, bis ich meine Koffer „auspacke“ und bis ich das begreife, was hier tagtäglich vor meinen Augen abgeht. Eines sei gesagt – es ist der pure Wahnsinn, aber was erwartet man von einer Stadt, die so groß ist wie Hamburg, aber 12 Millionen Einwohner hat.

Nach einem recht behaglichen Flug mit zwei Zwischenmahlzeiten (eine über dem Krisengebiet im Kaukasus, die andere über Kabul – wohl bekommts!) bin ich Sonntagmorgen 6.50Uhr in Neu-Delhi angekommen. Den ersten Dämpfer gab sprichwörtlich gleich beim Verlassen des Flughafens – die Hitze! Feuchtwarm, um die 40Grad, gepaart mit zeitweisem Monsunregen. Baff! Der zweite Schock ließ nicht lange auf sich warten, als es mit dem Auto zu einer ersten Besprechung mit meiner Mentorin ging – der Verkehr! Stressig, chaotisch und laut, dass man sein eigenes Wort nicht versteht. Baff! Trotz allem verlief der Start mehr als optimal – die Abholung funktionierte einwandfrei, meine Wohnung ist auch in Ordnung und meine Mitbewohner sind alle schwer in Ordnung.

Trotzdem fällt es mir schwer in Wort zu fassen, was ich die letzten Tage gesehen und erlebt habe. Und da ich selber nur schwer begreifen kann, was ich hier Tag für Tag erlebe, werde ich das auf einen späteren Zeitpunkt verschieben und dann ausführlich darüber berichten. Eines steht fest – Delhi ist Stress, Schock, Faszination und Schönheit in einem. Ja, es gibt Kühe auf den Strassen, ja – es gibt eine große Armut in den Strassen und ja – es ist sauheiß! Alles kommt zusammen – positiv als auch negativ. Die Nation beschreibt sich selber als „unglaublich“ und da übertreibt man keineswegs, bei 1.1Mrd Einwohnern ist das aber keineswegs unerwartet. Und doch ist man jeden Tag aufs neue entsetzt und begeistert zugleich.

Worüber ich ausführlicher in diesem Post berichten will, ist meine Arbeitsstelle an der Botschaftsschule. Auch hier verlief der Start sehr gut. Um ehrlich zu sein, die Schule ist der Hammer und überhaupt nicht zu vergleichen mit einer deutschen Schule, wo die Kultusministerien anscheinend nie begreifen werden, dass Bildung nun mal Geld kostet und man nicht von heute auf morgen den großen Gewinn macht, der alles verändert. „Kinderlärm ist Zukunftsmusik“, so das Motto der Schule, dass sich auf einem großen Schild im Innenhof, gleich neben dem Sportfeld befindet. Und genau dieses Motto lebt die Schule. Sie ist neben ihrer Aufgabe als Bildungsanstalt gleichzeitig sozialer Mittelpunkt im Leben der kleinen und großen Aussiedler UND gleichzeitig auch der Lehrer. Neben einer bombastischen medialen Ausstattung (jeder Raum verfügt über WLan-Rechner, Beamer in nahezu jedem Raum, Lehrerbibliothek, Schülerbibliothek, den neuesten Lehrbüchern, Kartenmaterial ´en masse, Klimaanlage etc.), bietet die Schule jede Menge Freizeitangebote an – Teilnehmer sind Schüler, Eltern und Lehrer. Die Schule besitzt eine eigene Busflotte, die die Schüler morgens zur Schule fährt und nachmittags nach Hause. Der Tag beginnt meistens mit einer Doppelstunde Schwimmen pro Woche, danach kommen alle weiteren Fächer – auch meine: Kunst und Geschichte. Und hier kann ich nur glücklich sein über die Kolleginnen und Kollegen. Da das Kollegium insgesamt sehr jung ist, sind alle per du miteinander. Mein Mentor Tobias (ich möchte ihn minestens genauso geschichtsbegeistert wie mich beschreiben) war von Anfang an einverstanden, dass ich bei ihm hospitiere. Naja, und da die Klassen allesamt recht klein sind (zwischen 1-16 Schülern pro Klasse in der Sek 1) ist gleich mal aus der ersten Hospitationsstunde eine Stunde entstanden, bei der ich gleich meine pädagogischen Fähigkeiten im Fach Geschichte unter Beweis stellen konnte – spitzenmäßig. Das Gleiche erwartete mich in der Kunst. Meine Mentorin hier, Ulrike ist die stellvertretende Schulleiterin und leider diese Woche nicht anwesend, da sie zu einer Schulkonferenz in Jakarta/Indonesien ist. Auch nicht schlecht, mal eben nach Südostasien jetten und mit den anderen Schulleitern debattieren und diskutieren. Könnte mir gefallen! 😉

Spaß beiseite. Die anderen beiden Kunstlehrerinnen haben mich auch gleich sehr freundlich in ihren Unterricht aufgenommen. Heute war ich zum ersten Mal in einer ersten Klasse mit am Start, wo es hieß „Malen mit Wachsmalstiften und Wasserfarben“. Naja, die Sauerei mit den Zwergen kann man sich jetzt selber ausmalen, jedenfalls war es ein Riesenspaß, die Ergebnisse waren recht gut und mein Anteil in der Stunde war auch recht ansehnlich. Am Nachmittag betreute ich dann die Kunst-AG, bei der es mit ca. 5 Schülern ans Collagieren von Naturbildern ging. Morgen werde ich dann zum ersten Mal eigenständig zwei Stunden halten – Klasse 6 und 7 – Thema: Heimat und zu Hause. Ein Thema, das bei den Kleinen recht schierig ist, da die meisten alle zwei Jahre zwischen den Großstädten dieser Welt umherziehen und eigentlich nur schwer von einer Heimat sprechen können. Third Culture Kids eben! Es war schon ein bischen niedlich, als mir ein Schüler heute erzählte, dass er seinen Malkittel vergessen habe, da dieser noch im Container in Marseille/Frankreich ist. Das ist natürlich keine Ausrede und er bekam direkt einen Eintrag ins Heft! 😉 Aber schon interessant, dass es Kids gibt, die mit 8 Lenzen bereits in Südamerika, Asien und Europa gelebt haben. Dementsprechend wichtig ist natürlich da die soziale Arbeit der Schule und so pflegt man an der deutschen Schule New Delhi (DSND) auch recht lockere Umgangsformen. Lehrer sind nicht nur Fachlehrer, sondern auch Freund und Helfer zugleich. Wer jetzt denkt, dass das aus dem Ruder laufen könnte und die Kinder schnell den Respekt verlieren und ihre Grenzen austesten, der täuscht sich. Trotz der lockeren Umgangsformen scheinen mir die Kinder allesamt recht höflich und nett zu sein. Auch der Zusammenhalt untereinander ist bemerkenswert – ich kann mich zumindestens nicht erinnern, dass ein Elftklässler einem Fünftklässler hilft bzw. mit diesem in der Pause rumhängt. Insgesamt also eine sehr angenehme Atmosphäre auch unter und mit den Schülern, so dass es einem Spaß macht hier zu sein. Man geht gerne zur Schule, was allerdings mehrere Gründe hat. Zum einen natürlich das Umfeld, aber auch der recht westliche Standard den man hier hat und der in Delhi scheinbar nur schwer zu finden ist, und zum zweiten auch wegen der vielen Angebote, die die Schule den Schülern, Eltern und Lehrern bietet. Am Dienstag bspw. gibt es regelmäßig Volleyball, an dem ich mit Sicherheit des öfteren teilnehmen werde. Samstags wird auf echtem Stadiongrün Fußball gespielt und hin und wieder schauen Schriftsteller, Politiker und andere Zeitgenossen, die kurzzeitig in Delhi am Goetheinstitut und in der Botschaft verweilen, in der Schule vorbei. Kulturell also sehr angenehm. Das geht das ganze Jahr so, letzten Mittwoch gab es eine Lesung mit einer Schweizer Jugendbuchautorin. Zugegeben, nicht mehr so mein Geschmack, aber solche Angebote habe ich in meiner Schulzeit nur selten erlebt. Drei Schüler bspw. trainierten im Juni mit dem FC Bayern München in Kolkata, auch ein Unding in Deutschland, oder?

Alles in allem bin ich mit der Schule nach fast einer Woche mehr als zufrieden. Man muss sich schon integrieren, aber im Gegenzug findet man ganz schnell Anschluss an den Schulalltag und das wichtigste überhaupt: Es macht mir Spaß und ich gehe gerne hin.

Ok, soviel erstmal zu meiner Praktikumsstelle. Klingt ja schon fast wie mein Bericht, nach einer Woche sicherlich etwas zu früh… 😉 Bin mal gespannt was noch alles auf mich zukommt.

Am Wochenende werd ich dann erstmal ausschlafen. Es ist schon ne Umgewöhnung von Uni auf Schule, wenn ma statt 11Uhr auf einmal 6Uhr aufstehen muss, die Nächte aber ebenso kurz sind wie zur Vorlesungszeit und man nicht nur im Hörsaal sitzt und zuhört, sondern selbst was macht. Was mich selber wundert: Ich habe bisher nicht ein einziges Foto gemacht, so dass der Post etwas textlastig geworden ist. Egal, dafür gibt es ein kurzes Video, denn nachdem ich die letzten Tage ständig mein Notebook durch die Wohnung getragen habe und via Skype alles zeigen musste, setze ich dem hiermit ein Ende. Schaut´s euch an und wer noch wissen will, wo meine Dreckwäsche liegt – hinter der verschlossenen weißen Tür im dritten Fach von oben! 😉

Fotos kommen dann nach dem Wochenende, frühestens Sonntag, da ich am Wochenende mit meiner Kamera mal losziehen möchte zum Fotografieren. Möchte diesmal nicht so viele Schnappschüsse machen, sondern mehr auf Qualität statt Quantität setzen, immerhin soll sich die Cam auch bezahlt machen, teuer genug war sie… Vielleicht schaue ich mir das ein oder andere Palästchen an, oder ich fahre mal nach Old Delhi zu den Gewürzmärkten, oder zum tibetischen Markt, oder zum Red Fort, oder oder oder… Die Möglichkeiten sind unzählig und ich werde nur einen winzigen Teil dieses Subkontinents sehen und erleben können. Verarbeiten und verstehen wird wohl dann eine ganze Weile dauern. Ich muss gestehen, dass ich es mir nie im Leben so krass vorgestellt hätte, aber vielleicht brauche ich einfach noch ein bischen Zeit um mich daran zu gewöhnen, dass hier wirklich alles anders ist als zu Hause – nicht nur der Verkehr und die vielen Menschen. Aber dazu beim nächsten oder übernächsten Mal mehr!

Stay tuned! Viele Grüße aus New Delhi…

Michael