Einmal „Subkontinent light“ bitte!

Das erste Wochenende ist nahezu zu Ende, Zeit um nachzulegen und die letzten Tage hier festzuhalten.

Nachdem ich im letzten Post vornehmlich über mein Umfeld berichtet habe, will ich hier mal ein wenig Stellung zu den anderen nicht unwesentlichen Gegebenheiten vor Ort beziehen. Eines kann ich vorneweg sagen – das erste Wochenende habe ich genutzt um mir diese krasse Stadt einmal genauer anzusehen und so habe ich sofort mit dem Sightseeing begonnen, dazu aber später mehr.

Nachdem ich also die erste Woche an der DSND hinter mich gebracht habe (der aufmerksame Leser wird mit dieser Abkürzung etwas anzufangen wissen), wollten meine Mitbewohner und ich eigentlich auf eine indische Elektroparty gehen. Abends dann meldete sich jedoch die halbe Belegschaft krank – Fieber, Kopfschmerzen usw. und sofort. Jedenfalls fiel das Vorhaben dann ins Wasser und so entschieden wir uns für einen ruhigen Abend im Haus, mit von der Partie Kristopher (mein Kollege, der hiermit offiziell erwähnt werden möchte) und Robert, ein Jurastudent aus München, der derzeitig hier in einer Kanzlei arbeitet. In bester Gesellschaft von Smirnoff und Becks ging aber auch dieser Abend erst gegen 1Uhr zu Ende und so kam ich am kommenden Samstag nicht vor 13Uhr aus den Federn – Egal, schließlich öffnet hier eh alles erst gegen 10/10.30Uhr und der offizielle Betrieb beginnt dann dementsprechend etwas später, so dass ich mich gegen 14.30Uhr mit Kristoper aufmachte zum Connough Place, dem Dreh- und Angelpunkt von New Delhi und etwa 3mal so groß wie der Alexanderplatz in Berlin. Hier wurde erst einmal genüsslich in „goldene M“ eingekehrt und nach geschlagenenen 15min Anstehen hielten wir endlich die heißbegehrten Tüten in der Hand. Vor dem Restaurant stieß dann auch wieder Robert hinzu und die Tour konnte beginnen. Vorher machte ich jedoch eine Erfahrung der nicht so prickelnden Art. Vor dem Restaurant kam wie so oft ein indisches Kind auf mich zu und deutete mir mit einer Geste an Hunger zu haben. Da ich mir im Laufe der Woche aber geschworen habe, hier kein Geld mehr an Bettler zu geben, gab ich ihr einen übrigen Burger, welchen sie sofort wegtrug, ihn aber nicht aß, sondern lediglich die Mayonaise herunterleckte und den Rest wegwarf. Keine Ahnung, warum sie das gue Stück nicht aß, einige Gespräche später mit meinen Hausleuten entschied ich mich aber auch hier zu mehr Zurückhaltung den Bettlern/Kindern gegenüber. Trotzdem nicht unbeding ein schönes Szenario, aber man wird wohl lernen müssen damit umzugehen, leider!

Weiter ging es dann für mich zum India Gate, dem Kriegsdenkmal für die gefallenen Inder im ersten Krieg, welches im Laufe des letzten Jahrhunderts ergänzt wurde durch den Bangladesch-Krieg von 1971, wieder ein Krieg mehr, von dem der angehende Geschichtslehrer nichts im Geringsten wusste! Jedenfalls hatte ich mir geschworen hier mein erstes Foto zu schiessen, da es zunächst die markanteste Sehenswürdigkeit für mich in Delhi war und ich ja bereits 2004 in Sydney das erste Bild vor dem Opera House schoss. Irgendwie scheint das ein Tick von mir geworden zu sein, aber egal!

Das Szenario rund um das Gate ist jedenfalls recht interessant gewesen. Man stelle sich die Straße unter den Linden in Berlin vor, wo links und rechts keinerlei Bäume stehen und nur Wiesen und künstliche Wasserläufe zu irgendwelchen Springbrunnen sind, wo Familien Cricket spielen, picknicken oder einfach nur rumhängen und schlafen. Auf der abgesperrten Straße massenhaft Freßbuden, die einem irgendwie alle das Gleiche andrehen wollen – Getränke, Eis, Chips und kleine Snacks. Dazwischen Straßenverkäufer mit allerlei Plunder, angefangen bei Gucci-Sonnenbrillen für 2€ umgerechnet, irgendwelchen Marionetten aus Plüsch und Spielzeugfallschirmspringern…

Und dann vor einem dieses 42m hohfe Sandsteintor, schon spektakulär. Nice! Überall wird man angesprochen ob man nicht ein Foto haben will, direkt ausgedruckt vor Ort – hier konnte ich dann doch nicht wiederstehen. 🙂

Nach einem langen Gespräch mit einer der Wachen vom indischen Militär (Marine) zog es mich dann mit der Rikscha weiter nach Old Delhi, wo ich mich wieder mit Kristopher und Robert verabredet habe. Auf der Fahrt dahin erlebte ich den warscheinlich krassesten Regenguss meines Lebens, nur so am Rande und der Rikschafahrer sabbelte ohne Punkt und Komma auf mich ein, ob ich nicht eventuell seine spanische Freundin kenne. Klar, Europa ist ja auch nicht viel größer als Kleinruppin und jeder kennt jeden.

Angekommen in Old Delhi ging es dann direkt zum Red Fort. Wehe, es fragt einer warum das Red Fort „Red Fort“ heißt. Sechs, setzen! 😉

Ich weiß nicht wie es kam, jedenfalls hatten Robert und ich hier die glorreiche Idee einen weiteren Schritt in Richtung indische Staatsbürgerschaft zu tun. Ganz offensichtlich ist die Diskriminierung im öffentlichen Raum in Indien derartig geduldet, dass man sie ganz öffentlich zur Schau trägt und von Einheimischen 20Rp. (ca. 0,30€) Eintritt verlangt, von Ausländern (dem reichen weißen Mann) geschlagene 250Rp. (stolze 3,80€) aus der Tasche zieht. Frechheit, aber westliche Intelligenz hat auch seine Tücken. Irgendwie bildeten wir uns ein, dass es doch auch klappen müsste, wenn wir einfach einem Inder den Auftrag geben, dass dieser uns 3 Tickets zum Landespreis organisiert. Es fand sich auch schnell einer, dummerweise hatten scheinbar wir drei nicht als die Ersten diese Idee. Am Haupttor gab es dann eine kurze Diskussion mit dem Einlasser über das Ticket und die scheinbar besseren Argumente des Einlassers mit seiner Maschinenpistole, und dann ging es für mich den weiten Weg zurück um ein neues Ticket kaufen – ätschebätsch, aber eine Lehre! 🙂 Meine beiden Begleiter hatten keine Lust mehr, ich wollte unbedingt rein. Letztlich habe ich es dann auch überhaupt nicht bereut, den dieser Prachtbau aus der Mogulenzeit war schon spektakulär anzuschauen. Naja, und der Spaziergang durch den Palastgarten durch die kühlen und nassen Wiesen und das barfuß war eine willkommene Abkühlung zugleich. Sehr schön und sicherlich nicht das letzten mal, dass ich mir sowas anschaue – zum offiziellen Eintrittspreis für pseudoreiche Westler versteht sich! 🙂

Den Abend habe ich dann gemeinsam mit meinen Mitbewohnern auf dem Hausdach verbracht. Aruna und George haben zu einer Party eingeladen, welche recht schön war und für welche Aruna ihre Kochkünste unter Beweis gestellt hat. Mein Favorit: Kichererbsensalat!!! Leider kein typisch indisches Rezept, so dass meine Befürchtungen scheinbar wahr werden und ich nicht so schnell ein Freund der indischen Küche werde. Aber ich habe ja noch genügend Zeit…

Jo, der heutige Sonntag ist nicht unbedingt der Hit. Das zeitige Aufstehen fordert seinen Tribut und so ging es heute wieder erst 13Uhr aus den Federn, ein bischen hier gechattet, ein bischen da was geschrieben – bleibt noch die Vorbereitung auf die kommende Woche, wenns dann richtig losgeht. Eingewöhnungsphase vorbei und ab morgen heißt es dann Stunden schrubben. Nachmittags werde ich mir dann die ein oder andere Sehenswürdigkeit anschauen – auf jeden Fall werde ich mir diese Woche das Jami Masjid, Indiens größte Moschee anschauen. Am Samstag möchte ich dann mal den Weg nach Agra zum Taj Mahal auf mich nehmen und das Wochenende danach steht Varanasi schon ganz dünn geschrieben auf dem Plan. Aber wie man die Pläne auch schmiedet, so verfallen sie auch immer wieder. Bleibt zu hoffen, dass die Gesundheit weiterhin so gut mitspielt. Bisher – toi toi toi – mir geht es blendend, nur der Schweiß fließt aus allen Poren, nach wie vor. Trotzdem ist Aklimatisierung in Aussicht – ab Mitte September soll es kühler werden, oder sagen wir besser weniger schwül! 😉 Große Alternativen hat man eh nicht, so dass ich das Beste aus der Hitze mache.

Zum Abschluss noch eine kleine Galerie, die ich hochgeladen habe. Eine kleine Auswahl an Bildern der letzten Tage, genauer gesagt von gestern. Den Link gibts >>HIER<< !

Bis die Tage, der Micha

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