Warmduscher bleiben draußen!

Ich habe seit exakt 1,5 Monaten keine heiße Dusche mehr genießen können… Seit exakt 1,5 Monaten! Das heißt jetzt zwar nicht, dass ich mich überhaupt nicht gewaschen habe, aber die Erleuchtung kam im wahrsten Sinne des Wortes auf die Hand, als ich am vergangenen Samstag in irgendeinem Schickimicki-Club hier in New Delhi auf dem Klo war und aus dem Wasserhahn eine Substanz kam, die wir Zentraleuropäer als „Warmwasser“ bezeichnen. Wie schön muss es also sein, wenn… Vergessen wir diesen Gedanken lieber ganz schnell wieder, Delhi/Indien/Asien macht hart, so hart, dass man nach 7 Wochen im Subkontinent geschlagene 4 Tage mit knapp 12 Stunden Schlaf auskommt, nebenbei den Kids in der Schule was von Moral und Anstand predigt und abends richtig die Sau rausläßt, so dass einem tagsdarauf nur so der Schädel dröhnt. Um zum Punkt zu kommen, das letzte Wochenende war eines der härtesten. Nicht etwa, weil die Tour extrem stressig war, sondern weil einfach so verdammt viel auf dem Plan stand, dass man vor lauter Feierei und Sightseeing kaum zum Schlafen kam.

Das Wochenende beginnt in Delhi für deutsche Praktikanten gewöhnlich schon am Donnerstag. Im Urban Pind, einer Art Indian-German-Bebegnungsstätte mit Dachterasse, Club und Restaurant startet man Donnerstag Abend um 22Uhr mit 715Rp. in Wochenende. Dann heißt es „Hoch die Gläser“ zum Flatrate-Saufen, wobei der Alkohol hier nicht immer der „Reinste“ ist, heißt: auf der Flasche steht schnell mal „Smiranoff“ statt „Smirnoff“ und drinnen ist dann irgendein indisches Destillat mit gut dröhnender Wirkung. Also, lieber Finger weg und statt dessen zum Tiger-Beer aus Singapore gegriffen, da weiss man was man kriegt.

Gegen 1Uhr dann überall die gleiche Prozedur – der indische DJ wechselt vom peitschenden Elektrobeat über zum indischen Folklore-Gejammer (ich kann diese Lillillillillillilli-Musik einfach nicht ab) und agiert dabei bestens als Rausschmeißer. Sperrstunde und um halb zwei liegt man dann in seiner Koje und segnet die Stunden, die noch zum Weckerklingeln um 6.10Uhr bleiben. Nach ausgiebigem „Snoozeln“ bis ca. 6.45 geht es dann raus aus den Federn, rein in die Klamotten und raus auf die Straße, wo um exakt 7.04Uhr der Schulbus hält, der einen dann in einer geschlagenen Stunde zur Schule kutschiert. Wäre die Busfahrt nicht jeden Morgen wieder so interessant (und umsonst), würde ich es womöglich vorziehen bis kurz nach 7 in der Falle zu bleiben und dann via Rickshaw zur Schule zu fahren. Aber wann bekommt man schon eine Busfahrt im Morgengrauen vorbei am India-Gate, durch das muslimische Viertel Delhis und durch die reichsten und ärmsten Gegenden Delhis serviert? Womöglich nur noch beim Pauschalurlaub in Indien mit Tagesausflug zu den Hauptsehenswürdigkeiten vor Ort. Jedenfalls lohnt sich die Fahrt, in doppelter Hinsicht!

Der allfreitägliche Gesamtzustand des Leipziger Praktikanten ist dann irgendwas zwischen „gut“ bis „durchfällig“, wobei eine Doppelstunde mit Klasse 6/7 im Fach Kunst recht unterhaltsam sein kann, vor allem wenn Arbeitsaufträge klar sind und die Kids spuren. 😉 Dann erstmal nen Kaffee eingeflößt und die Mails gecheckt und nach der vierten Stunde bei Klasse 9 ist dann auch schon Wochenende angesagt. Okay, ich bin jetzt nicht jeden Tag gegen Mittag aus dem Schneider, immerhin war ich die letzten drei Wochen jeden Tag bis mindestens 17.30Uhr in der Schule, aber zum Wochenende hin zieht man es halt vor eher die Biege zu machen.

Der Nachmittag gestaltet sich dann seit geraumer Zeit gleich: Besorgungen machen, Mittagessen, heimwärts und die konsequente Arbeit am Aufstieg zum „Meister des Mittagschläfchens“. 18Uhr dann wieder raus und letzten Freitag gab es dann erstmal ne Runde DVD´s in der WG – „Bridget Jones“ (Wonnistyle Movie) sowie gutes indisches Essen vom Karnataka, einem Restaurant gleich hier um die Ecke für weniger als 2€ die Person mit reichlich Schmackes drin, Durchfall und Magenkrämpfe inklusive, vorausgesetzt es gibt nicht gleich etwas alkoholhaltiges zum Desinfizieren hinterher! 🙂 Nachdem die eigenen Vorräte aufgebraucht waren, ging es gegen Mitternacht zu den Kollegen der Porsche-Niederlassung von Neu-Delhi. Schon beeindruckend wieviele Praktikanten die Stuttgarter Edelkarossenschmiede hier in Indien hat, zumal das Unternehmen nur knapp über 100 ihrer Schlitten hier im Jahr an den Mann bringt. Jedenfalls nahm die Nacht hier ihren Lauf und man lernte wie immer jede Menge neue Gesichter kennen, reichlich Alkohol inklusive. Zu fortgeschrittener Stunde zog es die WG dann wieder weiter. Diesmal stand ein Club in einem 5-Sterne-Hotel auf dem Plan – „Retro Sushi“. In Badelatschen ging es dann also in einen der Nobelclubs Neu-Delhis. Eintritt für „Weiße“ frei, Inder kommen nur schwer, oder gegen horrente Preise herein – schon diskriminierend und irgendwie auch eine komische Athmosphäre. Pseudoschickimicki trifft auf stinkreiche Inder – eine gefährliche Konstellation, die dann zu so wahnsinnigen Preisen wie 35€ für ein Glas Sekt führt und Angestellte hat, die einem sogar auf dem Klo noch die Wegwerfhandtücher aus der Halterung zieht und zurechtfaltet. Pervers! Eine kranke Gesellschaft, aber eine Erfahrung fürs Leben. Manch einer verfällt dann schnell in diesen Rausch und denkt er sei der König von Welt. Dementsprechend kotzt mich dann auch immer wieder die Beobachtung an, wenn Gleichaltrige oder Gleichgesinnte einen Inder durch die Gegend jagen und ihn wie einen persönlichen Sklaven halten, bloß weil er sich sein Brot als „Fahrer“ verdient. Diese Beobachtung habe ich schon öfters gemacht, nicht nur im indischen Nachtleben und sie gefällt mir ganz und gar nicht. Andererseits wären diese Menschen ohne eben diesen Job noch beschissener dran. Aber Mäßigung ist eben nicht jedermann sein Ding!

Zu mehr als einem Bier für 400Rp. (ca.7€) hat es dann bei mir an diesem Abend doch nicht mehr gereicht, aber der Abend darauf durfte noch krasser und vor allem teurer werden.

Nach einem ordentlichen Katerfrühstück beim Italiener um 15Uhr ging es am Samstag dann zunächst auf einen der unzähligen Märkte hier in Delhi – ein bischen rumschlendern. Der Abend gestaltete sich ähnlich – Porsche-WG zum vorheizen und dann in einen der doch recht zahlreichen Clubs der Stadt. Diesmal: F-Bar oder auch „Fashion Club“. Noch ne Nummer teurer, aber man befindet sich ja in bester Gesellschaft und da auch hier immer „jemand jemanden kennt“ war der Eintritt schnell geregelt und 12 Hanseln zahlten 18000Rp. (ca. 270€!!!) Eintritt in einen von Delhis nobelsten Clubs/Bars/Lounges… was auch immer das war. Für diesen doch recht unnormalen Eintrittspreis gab es dann aber auch Getränkegutscheine im gleichen Wert, also 1500Rp. pro Nase, was ungefähr 3 Cocktails entsprach. Eintritt nur über Sicherheits-Checks, also abtasten, durchleuchten usw. – nervig! Dann noch ein Foto für Delhis „Fashion-Fernsehsender“ auf dem roten Teppich und dann rein ins Gewimmel nebst aufgedonnerten Asiaten, Indern, Arabern usw. – auch ganz lustig anzusehen. Die Musik entspricht wohl eher so dem Mittelmaß europäischer Clubkultur, aber die Location war schon ziemlich derbe aufgezogen. Überall tausende Lämpchen, Bedienstete, Tresen, Sitzecken – schick, aber auch hier wieder das gleiche Spiel: Sehen und gesehen werden um jeden Preis.

Aufgrund der großen Zahl deutscher Praktikanten an diesem Abend zog sich die Nacht dann auch bis kurz nach halb 5Uhr und hätte uns der Taxifahrer nicht nach Strich und Faden bescheissen wollen, wären wir womöglich noch vor 5Uhr ins Bett gekommen. Warscheinlich hat er nicht gewußt, dass er da nur 2 „arme“ Studenten im Auto hatte, der Arme… 😉

Sonntag gestaltet man getreu dem Motto „alles kann, nichts muss!“ (keine Ahnung wo ich das alte Swinger-Motto jetzt herhabe…). Ausschlafen, auskatern und dann auf zum Sightseeing. Ein bischen im politischen Viertel Delhis rumspaziert und dann ging es auch schon wieder rein in irgendeine Nobellounge. Irgendwie haben mich die Dinger am Wochenende magisch angezogen… Vorbei das noch letzte Woche angesprochene „Indiana-Jones-Feeling“. Diesmal wohl dann doch „James Bond in exzessiver Mission“… 😉 Im Park-Hotel war Poolvolleyball auf dem Programm, unterlegt von Live-Musik am Beckenrand und 650Rp. teuren Büffelburgern. Ok, den habe ich mir dann doch nicht geleistet, aber der Nachmittag und Abend war Entspannung pur, das Ganze für lau… schließlich ist man ja weiß, und weiße dürfen überall rein! Fuck that!!!

Abends dann noch eine DVD und ein paar Stundenvorbereitungen und dann ist man auch schon wieder gelandet auf dem Planeten „Normalo“ und um ehrlich zu sein – ja, es war ein schönes Wochenende. Man ist halt auch mal schickimicki unterwegs, haut mal richtig auf den Putz. Aber nein, ich brauche das definitiv nicht jedes Wochenende! Die Umstände, unter denen man hier ausgeht (Diskriminierung, perverse Preise u.a.) sind nicht unbedingt die schönsten und ein gewisser Zweifel an sich selber feiert immer mit. Auf jeden Fall ist auch das eine Erfahrung, die man halt gemacht hat. Trotzdem bevorzuge ich es dann doch die Wochenenden im Umland von Delhi zu verbringen – Raus aus der Stadt, rein ins Abenteuer. Das will ich mir auch nach den Ferien, die übermorgen beginnen, zum Leitmotiv machen. Nicht ohne Grund zieht es mich am Donnerstag schon wieder weg hier – Ich freue mich schon jetzt riesig auf Nepal, das Dach der Welt! Seit 7 Jahren will ich unbedingt da hin, jetzt ist es soweit. Mount Everest, Anapurma, Reinhold Messner, Yeti, Himalaya… Das wird geil, hab ich einen Bock. Die Zeit danach wird auch recht spannend. Habe heute ein verlängertes Wochenende nach Goa gebucht, die alte Hippiehochburg an der Westküste, wo es womöglich mehr Kanabisbauern und Pilzzuchten gibt, als Sand am mehr… 😉 Man darf gespannt bleiben! Wird auf jeden Fall auch geil!

Ich verabschiede mich also zunächst aus Delhi. Den nächsten Eintrag wirds dann irgendwann nach meinen 7 Tagen in Nepal geben. Bis dahin, schaut euch die Bilder an!

Die Galerie findet ihr >>HIER<<

Seid alle gegrüßt, ich mach mich dann mal auf zum Gipfel des Achttausenders! 🙂

Michael

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