Zurück an der Bildunsfront

Ein gesundes, erfolgreiches und vor allem aber möglichst stressfreies neues Jahr 2009 an alle!

Nachdem der Neujahrsgruß „leicht“ verspätet in die Welt geschickt wurde, hier wieder ein paar Neuigkeiten aus Indiens Hauptstadt.

Seit vergangener Samstagnacht bin ich nun wieder hier und obwohl ich ja kein Freund von Schleichwerbung bin, muss ich doch mal über meinen Schatten springen und Österreichs Airline #1 in höchsten Tönen loben und bedanke mich für diesen äußerst angenehmen und kulinarisch abwechslungsreichen Holzklasse-Flug von Leipzig nach Delhi. Muss schon sagen, da kann sich Deutschlands Vorzeige-Airline mit dem Kranich (um Schleichwerbung diesmal zu vermeiden) eine dicke Scheibe abschneiden, denn nach nunmehr 5 Flügen zwischen Leipzig und Delhi musste ich erneut feststellen, dass die Ösis nicht nur die günstigsten, sondern auch die freundlichsten, zuvorkommendsten und ja, auch die leckersten auf dieser Strecke bei normalem Studentenbudget sind. Danke!

Wie gesagt, Ankunft war vergangene Samstagnacht und wer jetzt denkt, dass es vom Immigrationsschalter direkt auf die Piste ging, der irrt. Es ging direkt in die Falle. Zuvor aber noch mit dem Taxi „nach Hause“ (wie sehr ich diese Bezeichnung doch hasse…) und noch auf der Fahrt dahin wurde mir klar, nachdem ich einmal mehr dem Kofferträger am Airport ein paar Rupies in die Hand gedrückt hatte (und das obwohl mein Koffer Rollen besitzt) und der Taxifahrer nach Gleichem lechzte, dass das der Anfang vom Ende hier in Indien sein wird. „Junge, durchhalten! Nochmal 3 Monate!“ – Zugegeben nach den erholsamen Tagen zu Hause war´s nicht ganz leicht wieder in die Welt zu ziehen, die Lieben zu Hause zu lassen und Flachbildfernseher, Badewanne und schier unendlich Joghurt im Kühlschrank  wieder gegen Heizlüfter, verstaubte Geschäftsregale und Duschköpfe mit stecknadelgroßem Wasserstrahl zu tauschen. Aber das sind alles die kleineren Dinge, die diese Welt von unserer unterscheiden und wirklich hart trifft mich das hier nicht. Man gewöhnt sich halt nur viel zu schnell an den heimischen Komfort, auch wenn es zu Hause keine „Maids“ gibt, die einem sprichwörtlich den Allerwertesten hinterhertragen (Freundin und Mutter an dieser Stelle ausdrücklich ausgeschlossen!!!). 🙂

Nichts desto Trotz bin ich seit Montag wieder an der Bildungsfront. Bewaffnet mit Laptop, Lehrbüchern und allerlei anderem Schlukram kämpfe ich nun wieder für die Vermittlung von Wissen, Moral und Anstand. 🙂 Erfolgsaussichten: sehr gut – zumal die Schule nach wie vor ein sehr angenehmer Ort zum Lehren und Lernen ist. Nicht zuletzt auch wegen der in den Ferien neu entstandenen Unterrichtsräume (2 an der Zahl) und dem neuen Lehrer-Arbeitsbereich, einer Art (Multi)-Medienpool mit Schließfächern, Lehrbuchsammlung, Rechnern, WLan und am wichtigsten: einer Heizung!!! Richtig, es ist auch hier kalt geworden. Vielleicht keine -20 Grad wie zu Hause, aber 50 cm dicke Ex-DDR-Botschaftsgemäuer lassen einen auch im indischen Winter nachträglich die Kälte des Eisernen Vorhangs spüren. Und da ich ohnehin meine Berichte (für die Uni versteht sich) schreiben muss, Stunden zu planen habe und tagtäglich meine „Web-Geschäfte“ erledige, wird man mich wohl hauptsächlich hier finden. Interessanterweise war es auch der Praktikant, der als erstes einen Stammplatz im neuen Lehrerzimmer hatte und den er jetzt verteidigen muss, denn Neider lauern an allen Ecken. 🙂

Weiteres Novum: Herr Lieberodt gibt jetzt auch Naturwissenschafts-Stunden. Kombiniert mit Physik (Schreck laß nach!) und ordentlich Technikbeilage (Yesss!) werde ich in den kommenden verbleibenden 2,5 Monaten gemeinsam mit meiner Mentorin ein Projekt zum Thema „Fliegen“ durchführen. Die Klassensituation scheint luxuriöser kaum möglich: 3 Schüler vs. 2 Lehrer – genial und ein Umstand, den deutsche Schulen womöglich nur zu gerne hätten. Ansonsten nach wie vor Geschichte und Kunst als Hauptfächer, nachmittags ordentlich Hausaufgabenbetreuung und Nachhilfe, damit die „lieben Kleinen“ auch nicht zu wenig beigebracht bekommen und dem Herrn Praktikanten wenigstens ein bischen die Geldbörse geölt wird.

Soviel zu den beruflichen Umständen nach Weihnachten und Neujahr. Es hat sich viel verändert, nicht zuletzt wegen eines schier unermüdlichen österreichischen Hausmeisters (schon wieder ein Ösi!?), der nach einer heftig durchzechten Nacht heute im Bett geblieben ist, der aber auch mal ein fettes Lob verdient hat, für das, was in den 3,5 Wochen hier geleistet wurde. Respekt, Max und auf noch viele schöne Tage, und noch mehr Abende und Nächte in und um Delhi! 😉 Werd gesund, Fossibär!

Was gibt´s noch? Mal überlegen… Richtig! Mein schweres Laster – das Herumgetoure an den Wochenenden. Auch 2009 wird wieder ganz im Zeichen des „geschnürten Ränzleins“ stehen und ich werde mir in Indien noch einige Gebiete anschauen. Heute erst musste ich feststellen, dass ich zunehmend auf den Spuren Heinrich Harrers („Sieben Jahre in Tibet“) mich bewege. Erst Nepal im Oktober 2008, dann Indiens Norden, der mich nach wie vor schwer begeistert und wo ich noch hoffentlich tief genug in Indiens buddhistische Kultur eintauchen werde. Und wie das bei Lehrern so ist, fragt man nach den Ferien nicht wie etwa auf´m Bau „Und, was mach de Frau?“, sondern, was mir ganz lieb ist „Und, wo warst du so?“. Naja, und wenn dann Kollegin Y von 14 Tagen Vietnam berichtet und Kollege Z von den Andamanen erzählt und von Kannibalen und dem wohl besten Frischfisch, den er je gegessen hat, berichtet, dann verschlägt es auch einen Herrn Praktikanten schnell in eine Art Unruhe und er wälzt in den Freistunden zwischendurch eifrigst indische Zugfahrpläne und checkt Flugverbindungen für die kommenden Wochen. Resultat meiner digitalen Recherche: 4 gebuchte Zugtickets (davon wieder 2 in der First Class!!! 🙂 ) und ein ausfindig gemachter Flug zu warscheinlich einem der letzten Orte dieser Welt, wo man noch unentdeckte Völker finden kann und wo es zum Mittag noch gegrillten Menschenschädel statt Salat mit Light-Dressing gibt – die Andamanen, übrigens auch einem Expeditionsziel Heinrich Harrers. Und da ich durch mehrere abgehackte und mitgebrachte Gänseflügel (rein im Sinne der Wissenschaft versteht sich) nach wie vor in der Gunst meiner Mentorin und gleichzeitig Biolehrerin stehe, gab es als Neujahrsgeschenk gleich mal 9 freie Tage Mitte März. Wo es da dann hingeht, ist klar! Kannibalen, ich komme! 🙂

Dieses Wochenende ist dann aber erstmal Ruhe angesagt, die Pflicht ruft – Berichte tippen, Protokolle formulieren und mit Sicherheit auch die ein oder andere kleine Party. Auftakt war gestern Abend, als mich Jocelyn (der rockende Franzose) zu einem DJ-Set in eine von Delhis Bars einlud und wo wir letztlich zu viert gut einen Kasten Bier weggezischt haben. Es war ein schöner Abend, leider auch eine kurze Nacht… und sicherlich werden sich hier zwei Frauen schon wieder Gedanken machen, was der Kerl schon wieder treibt. Keine Bange, everything´s under control! In etwa so wie die Rickshaw vorgestern Abend auf dem Heimweg. Bei ca. 60 / 70 Sachen auf einmal ein panisches Aufschrecken meines Fahrers. Irgendwie wollte die Bremse nicht so richtig mitmachen und die Ampel stand auf rot (ja, man hält hin und wieder doch bei rot an). Was macht Ranjid? (das politisch nicht ganz korrekte Namensäquivalent für Inder meinerseits) – Richtig! Füße raushalten und mit den Hacken abbremsen. Schon bemerkenswert diese Leistung, noch besser aber der Spruch und das Gesicht nach geglücktem Stillstand – „Breake failed, Sir!“ Dazu ein dreckiges Grinsen und immerhin ein Stop rechts um alles abzuchecken. Dann eine Aufforderung: „Change Rickshaw, Sir!“ und auf die Frage wieviel er haben wolle für die halbe Strecke die typisch indisch / nepalesisch / südasiatische Antwort mit dem berühmten „Headwobbling“ (dem indischen „Ja!“): „As you like!“

Junge, du bist wieder in Indien angekommen. Alles beim Alten. Das hier wirst du noch ganze 76 / 75 weitere Tage haben. (Wonni wird´s wohl exakt wissen! 😉 ) Ich freu mich wieder hier zu sein, trotz des Abschiedsschmerzes. (Jo, auch der größte Checker hat seine weiche Seiten und gibt sie öffentlich zu!). Das ist der Auftakt zum bisher längsten Kapitel: Micha und die weite Welt, denn jetzt sind es nunmehr noch 8 Monate, bis wir (Wonni und ich) wieder lokalen Boden unter den Füßen haben werden. Es bleibt spannend!

Es sendet viele Grüße von der „Bildungsfront“

Michael

PS: Die kommenden Wochen Daumen drücken, denn ich brauche ein neues Visum für Indien und trotz 1.2 Mrd. Einwohner hat man sich hier besonders ningelig und kleinlich im Bezug auf eine Verlängerung. Es werden wohl viele Stunden Warterei und Diskutiererei auf mich zukommen.

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Eine Antwort to “Zurück an der Bildunsfront”

  1. Ohgott is die Rikshaw-Bremsung ne Story! Wie krass! Aber sachma, was hatte der für Schuhe an? Die haben doch sonst nur die Sandalen/Latschn an?
    Wasn Glück dass eure Zeit noch nich gekommen war….puh.

    PS: Der Rechtsschreib-Nazi sagt: Überschrift ändern (Bildunsfront…) 😉

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