Archiv für Februar, 2009

Agra² = 3 x Königin + Haremsführer

Posted in India on Februar 9, 2009 by indiapore

…und frei nach dieser nicht ganz stimmigen mathematischen Formel a´la Mathegenie Meinerseits ging es am frühen Samstagmorgen zu Indiens Sehenswürdigkeit Nummer 1 – im Gepäck: mein Harem (ja, wieder die 3 liebreizenden Damen von nebenan) und meine geliebte Kamera.

Indische Zugstrecken sind weit und wenn man Zeit hat und der Zug mal wieder eine Stunde nach der anderen Verspätung herausfährt, dann kommen so manche Themen auf. Ein Zitat, was mir besonders imponiert hat, und welches ich bis zu diesem Samstag nachvollziehen konnte, stammt von einer Mitarbeiterin der deutschen Botschaft und Kollegin von Christina: „Agra ist ein großer Haufen Scheiße mit einer Perle drin!“

Ok, man muss nicht besonders kreativ sein, dass man diesen Ausspruch richtig interpretieren könnte: Agra = Haufen Scheiße, Perle = Taj Mahal. Nach meinem ersten Besuch in Agra im August 2008 habe ich diesen Ausspruch durchaus vertreten können. Aber zu groß war damals der Schock über die indischen Gepflogenheiten und der ungewohnten Umwelt um mich herum. Abgehärtet nach fast  6 Monaten „indischem Stelldichein“ ein Resümee: Agra ist nicht der einzige Scheißhaufen und wenn, dann nur ein kleiner.

Diesmal stand jedoch nicht das Taj, sondern das weniger bekannte Agra Fort (auch Red Fort, wegen seiner roten Mauern) im Fokus meiner Fahrt hierher. Eine gigantische Befestigung, bei der man fast noch spüren konnte, wie die Soldaten vergangener Zeiten hinter den Mauern lagen und mit Lanzen, Pfeil und Bogen bewaffnet auf den Angriff des Feindes lauerten. Im Verborgenen, der Mogul mit seiner Frau / seinen Frauen, wohlgeschützt hinter weißen Marmorwänden mit allerlei dekorativen Intarsienarbeiten, Aussichtspunkten und Grünanlagen. – Okay, soviel zum Ausflug Richtung kettenhemd-gepanzerter Soldaten inmitten blutiger Schlachten im zentralen Orient.

Im Vergleich zum Delhi Fort (ebenfalls Red Fort genannt) scheint mir dieses Fort aber bei weitem besser in Schuss zu sein – keine abplatzenden Fassaden, verwilderte Grünanlagen samt schlafendem Wachpersonal. Vielleicht auch die Tatsache, dass man hier in großer Konkurrenz zum Taj steht und man auch als Ausländer nur die richtigen Argumente bringen muss um den Inder-Preis zu zahlen. In meinem Fall waren das „3 Jahre als Resident in Delhi an der Bildungsfront“ und schon waren statt 300Rp. Eintrittsgeld 20Rp. fällig – ein trauriges Zeugnis indischer Rassenpolitik (weiß = Geld = mehr Eintritt)… Ein Thema, bei dem ich mir bereits mit Christina die Köpfe heiß geredet habe. Ginge es danach, sollte man bitte auch in Berlin auf der Museumsinsel für Ausländer den doppelten / dreifachen Eintritt verlangen. Meine Meinung! 😉

Egal, erstmal drinnen im Fort, hat man echt das Gefühl in einer Art Ruheoase gelandet zu sein. Mal keine hupenden, dröhnenden Verkehrslawinen um einen, dafür schöne Mogularchitektur aus dem 16.-17. Jahrhundert, bei der man sich immer wieder gefragt hat „Wie haben die das damals nur gemacht!“ – kunsthistorische Bildungslücke würde der Eine meinen, der Andere ist einfach nur perplex. Am „perplexesten“ war dann aber vielleicht auch der Blick aufs Taj von der Königsbank, quer über den Yamuna-River. Eine ausiebige Fotosession mit allerlei Posen, vielen Indern und vielen „Familienbildern mit weißem Mann / weißer Frau“ später, ging es direkt im Anschluss im stilechten Großmogul-Ponykremser zum Taj, wo erstmal ausgiebig dinniert wurde. Naja, und ab diesem Zeitpunkt waren dann die Damen der Schöpfung nicht mehr zu bremsen und sie zog es ins Taj, was ich mir erspart habe, immerhin war ich ja bereits im August letzten Jahres mit Sinja und Oli hier unterwegs und auch wenn doppelt für gewöhnlich besser hält – einmal reichte mir in diesem Fall. Die Mädels konnten ihren Prinzessin- / Königinträumen nacheifern und das schönste Bild vorm Taj schießen lassen, ich habe es vorgezogen nach bereits 5 Chais an diesem Samstag noch zwei weitere zu trinken und konnte dabei ein paar Einblicke in indische Familienalben und Gastronomieunternehmen erhaschen. Der Wirt, ein 45-jähriger Halbtürke mit ziemlich derber Alkoholfahne lockte mich in sein Lokal und ehe ich mich versehen habe, stand auch schon der erste Becher Chai Masala auf dem Tisch. Dann der übliche Smalltalk und dann ein tiefgreifendes Gespräch in die Reisevergangenheit des guten Herrn, samt heldenhafter Posen vor Wasserfällen, im Schnee liegend, mit Blume im wilden Männerhaar und in den unmöglichsten Schlaghosen der 70er, 80er und 90er Jahre. Eindrucksvoll und interessant zugleich – immerhin sieht man mal worauf Inder so abfahren, wenn sie in den Urlaub fahren!

Wenig später dann ein paar ernstere Einblicke in den Alltag eines indischen Gastronoms nach 26/11 (das Synonym für die Terroranschläge in Mumbai im November 2008). Bei ihm seien die Einnahmen drastisch zurückgegangen, ebenso bei seinen Kollegen um das Südtor zum Taj Mahal. Angesichts der leeren Restaurants rund um das Taj, scheint diese Aussage auch zu stimmen – es waren meiner Meinung nach verdammt wenige Touristen im Vergleich zum August 2008 um das Taj unterwegs – und das trotz Trockenzeit.

Der Heimweg war dann weniger spektakulär – wieder ordentlich vollgestopft worden, permanent klingelnde Handys um einen herum (Wer hat den Indern den polyphonen Klingelton anvertraut???) und jede Menge Schnarchgeräusche nach dem Essen, trullerte unser Zug kur nach 11Uhr in Delhi ein. Mission erfüllt – Agra ist in einem Tag angenehm zu bereisen!

Sonntag dann endlich einmal etwas Sightseeing in Delhi – nach 3 verstrichenen Monaten ohne eine einzige Sehenswürdigkeit, war es mal wieder Zeit die lokale Flora und Fauna zu erkunden und so stand ein Ausflug zur Jama Masjid an – Indiens größter Moschee. Zugegeben, im Land der kulturellen Superlativen war sie dann doch nicht so groß wie erwartet, aber trotzdem beeindruckent. Beindruckend allerdings auch wieder das Spiel „Weißer Touri – Indertouri“, denn hier kassiert man auch an jeder Ecke ab – 200Rp. Kamera, 100Rp. Eintritt, 20Rp. Schuhe (Man darf ja gewöhnlich nur barfuß den heiligen Boden Allahs betreten…)

Zufälligerweise unterrichte ich gerade eine Einheit zur Ausbreitung des Islam in der Schule und dass sich da auf Anhieb ein paar Parallelen gefunden haben, war vielleicht nicht ganz zufällig. Der Kalif Omar (634-644) predigte seinem Gefolge: „Bekämpft diejenigen, die nicht an Gott und den Jüngsten Tag glauben und die nicht verbieten, was Gott und sein Prophet (Mohammed) verboten haben (…), bis sie die Steuer in Demut entrichten und sich unterwerfen. (…) Auferlege ihnen also die Steuer, aber mache sie nicht zu Sklaven, und verbete den Muslimen, sie zu unterdrücken, ihnen Schaden zuzufügen oder ihren Besitz zu verzehren.“ – Das Zitat fand hier also in der Praxis Anwendung, wurde aber mit einem eindrucksvollen Getümmel im Inneren belohnt. Und hey, wann hat man schon mal die Möglichkeit ein Minarett zu besteigen, auf dem es so eng ist, dass jeder Schritt dein letzter sein könnte!? 😉

Dieser war wirklich eindrucksvoll und aufgrund der Tatsache, dass Schuhe in Moscheen verboten sind, hat sich beim Aufstieg auf die Plattform zumindestens mein lange Zeit unterdrücktes Begehren nach deutschem Käse erledigt – zu stark waren die Käsefußwolken im Inneren des Minaretts, die einem beim Aufstieg in die Nase krochen!

Auf dem Nachhauseweg ging es dann durch Old Delhi, jenem alten Stadtteil, den man eigentlich mit dem Namen „Delhi“ meint, den man aber nicht vor Augen hat, wenn man von „Delhi“ spricht. Ein ziemlich heruntergekommenes Viertel, mit Leben in den Straßen, dass es 24/7 Tag zu sein scheint. Sehr beeindruckend und bedrückend zugleich, wenn man wieder einmal sieht, wie Menschen tatsächlich in einer solchen Millionenmetropole leben. Unglaublich und auf jeden Fall einen Ausflug wert! Und in Begleitung meines neuen Kollegen Yannick ganz spaßig, zumal er als „Newbie“ die ganzen Inder abfängt, die Fotos wollen und mit welchen er sich (noch) geduldig unterhält…

Den Abend verbrachte ich dann mit Sebastian (Lufthansa), Erik (Metro-Maulwurf) und Fabian (BMW) in einer entspannten Live-Musik-Bar. Schönes Oldiegeträller auf Wunsch und ein paar Bierchen später dann das Resultat eines entspannten Wochenendes in und um Delhi – „Das war der letzte Samstag und  Sonntag in Dirrrty Delhi!“ – Die kommenden Wochen sind wieder voll mit Touren ins Umland!

In diesem Sinne: Auf die verbleibenden 7 Wochen in Indien!

Cheers, big ears!

Agra Fort und Jama Masjid: (ganz ohne Eintrittsgelder) >>HIER<<

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Shimla vs. Mussoorie – Kampf der Hill Stations

Posted in India on Februar 4, 2009 by indiapore

Die Expedition India geht weiter – nach bisher 6 Ausflügen ins nördliche, südliche und westliche Indien, war es an den vergangenen beiden Wochenenden wieder mal Zeit aufzubrechen und die Gegend zu erkunden. Ziele diesmal: Shimla (über ein verlängertes Wochenende) und Mussoorie, ein „Bergstädtchen“ auf das ich nur durch eine deutsche Doku an Weihnachten über Indien aufmerksam geworden bin und das ich ansonsten womöglich ausgelassen hätte… Zum Glück gibt es aber das Fernsehen! 🙂 Aber immer der Reihe nach…

Ausgangspunkt war mein auslaufendes Visum zum 23. Januar. Die Tatsache, dass ich es verlängern muss, war mir schon länger gewiss, aber wo und wie, kam (wie so ziemlich alles bei meinem momentanen Aktionen) ziemlich spontan und kurzfristig. Nachdem man mir über Weihnachten also eine Absage erteilt hatte das Visum in Deutschland zu verlängern, musste ich wohl oder übel den Weg über die indischen Behörden gehen. Nicht gerade eine Sehenswürdigkeit von Indien, wie ich im Nachhinein sagen kann! Jedenfalls habe ich alles versucht, und wenn ich sage alles, dann meine ich ALLES! Der Weg über die Schule, über die Botschaft, online… Es half nichts, ich musste zum sog. FRRO (Foreigners Regional Registration Office) von dem man bisher nichts Gutes gehört hatte. Das Mitleid meiner Kollegen war mir sicher, warum sollte ich innerhalb der 36h Warterei noch feststellen. Die deutsche und die indische Bürokratie nehmen sich im Grunde nicht viel, nur dass es letztlich hier ein wenig an der Praxis hapert. Während man in Deutschland immer noch auf geregelte Öffnungszeiten und Dienstvorschriften pochen kann, kann man das hier eigentlich voll und ganz vergessen. Dran kommt, wer zeitig genug da ist (ok, auch das kennen wir zu Hause) und wer vielleicht noch ein bischen was rüberrückt („Bagschisch! Bagschisch!!!“), der kann ein bischen von bevorzugter Handhabe seines Anliegens träumen. In jedem Fall ging es zunächst zum FRRO, wo man mir nach „nur“ 3h Warterei lediglich sagte, dass mein Anliegen eine Angelegenheit für das „Ministerium des Inneren“ ist, wo mich nochmals 8h in einem Wartesaal erwarteten. Es ist schon ein komisches Gefühl, wenn man als europäischer Staatsbürger auf einmal zwischen tibetischen Flüchtlingen, afrikanischen Einwanderern, in Indien nicht unbedingt willkommenen Bengalis und Pakistanis hockt und so manches menschliches Elend mithört, denn es gibt hier keine separaten Büros für die Mitarbeiter, sondern lediglich mehrere Schreibtische, die mitten zwischen den Wartenden aufgestellt wurden. Naja, und dann waren da halt so kuriose Beispiele wie der Tibeter, der seine Familie aus China nachgeholt hatte und nun um Asyl für sie bat, oder der Afrikaner, der auf 3 Formularen 4 verschiedene Unterschriften präsentierte und angeblich beim Fingerabdruch es ganz eilig hatte und weg musste. Das ganze unterstützt durch das allgegenwärtige indische Gerotze und Geschniefe, lachende bis kreischende Kinder, Reinigungspersonal und allerlei nicht immer ganz angenehmen Manieren der Wartenden. Alles in allem ein Erlebnis, das nicht unbedingt zu den angenehmsten in Indien gehört, aber ich habe es überlebt. Und nachdem ich auf dem Ministerium einen versiegelten Brief bekommen habe, den ich widerum zum FRRO bringen durfte, wo ich nochmals 4h warten durfte, konnte ich mich glücklich schätzen, als ich meine 3500Rp. für das verlängerte Visum (bis 27. März 2009) bezahlen durfte und im Gegenzug einen Stempel in meinen Pass bekam, der mir den verlängerten Aufenthalt nun auch rechtsmäßig zugesteht! Summa summarum – anderthalb Tage auf Ämtern, viele nette, kuriose, zwielichtige Leute und einen leeren MP3-Player-Akku! Incredible India!

Zum angenehmen Teil!

Die Arbeit hat mich seit dem wieder und mittlerweile arbeite ich straff Richtung 14. März hin, an dem die Schule den Tag der offenen Tür hat und wonach eigentlich mein Praktikum Geschichte ist, denn am 15. März geht es auf die Andamanen… – Anda-was? Jopp, Andamanen, jene Inselgruppe im Golf von Bengalen, welche Heinrich Harrer (schon wieder dieser Typ) in den 70ern erkundet hat, wo es noch heute Kannibalen in Form von Zwergvölkern gibt und die 2004 Epizentrum des verherenden Unterseebebens waren, von wo aus der tögliche Tsunami auf Süd-/Südostasien prallte. Ein ideales Urlaubsgebiet also, wo ich vermutlich nie drauf gekommen wäre, hätte ich in Leipzig einen Katalog mit indischen Reisezielen durchforstet. Danke Lonely Planet und auf eine erfolgreiche Expedition mit Oli im März mit viel Strand, Meer und wilden Zwerginsulanern.

Bis dahin sind es aber noch ein paar Wochen und mittlerweile decken sich die Karten immer mehr auf, wo es an den noch verbleibenden Wochenenden hingeht. Auf jeden Fall ist das Programm bis zum Rand erschöpft – kein Wochenende in Dirty Delhi mehr, dafür einige Destinationen, die es in sich haben. Mumbai, Rishikesh und Kalkutta sind nur einige davon.

Zwei konnte ich bereits verbuchen und die hatten beide einiges zu bieten – die eine mehr, die andere weniger. Eingangs erwähnt, ich spreche von Shimla und Mussoorie – zwei ehemaligen „Hill Stations“ der Briten, wovon eine (Shimla) bis zum Ende der Kolonialzeit 1947 die Sommerresidenz der britischen Kolonialregierung bildete. Hört man das Wort Station, so denkt man zuerst an kleine verwilderte Berghänge mit ein paar Hütten, aber was man hier in die Berge gebaut hat, ähnelt schon eher einer Kleinstadt – im indischen Stil, mit britischer Architektur und allerlei Touristenfallen versteht sich. Beide Städte liegen in etwa auf 2000m Höhe, also schon knapp an der Schneegrenze (!) 😉 – auf Sauerstoffgeräte kann man noch verzichten und da ich im Moment sowieso auf alles abfahre, was in irgendeinem Kontext zum Himalaya steht (z.B. die warscheinlich geilste Doku, die ich je gesehen habe!!!), wundert euch bitte nicht, wenn ich hier immer wieder von „Himalaya-Expedition“ spreche – der Wunsch ist Leiter des Gedanken! 🙂

Jedenfalls ging es in die Berge – einmal alleine, einmal in Begleitung dreier junger Damen, wovon zwei an dieser Stelle erwähnt seien, da man sie auch digital begleiten kann durch Indien – Jitka und Verena. Während Shimla von den Indern als wunderschöne Hill Station hochgelobt wird, war mir Mussoorie bisher unbekannt. Das Bayrische Fernsehen machte mich kurz nach Weihnachten darauf aufmerksam und versprach nicht zu viel, erwähnte vielleicht sogar einige Details zu wenig. In jedem Fall war ich von Shimla im Nachhinein eher ernüchtert als begeistert – schön gelegen, aber touristisch völlig überrannt und von den Attraktionen her eher mittelmäßig im Vergleich zu dem bisher Gesehenen. Eine recht ansehnliche viktorianische Kirche aus dem vorvergangenen Jahrhundert, ein sehr ansehnliches Herrenhaus mit allerlei geschichtlichem Input (u.a. Abkommensort für die indische Unabhängigkeit) und schönem Garten, einen Hindutempel auf 2900m Höhe mit Horden von Affen und einer Shoppingmall, auf der man so ziemlich jeden Plunder chinesischer Großkonzerne und Fälscherbuden erwerben kann. Zum Teil doch recht gesalzene Preise (okay, ich war auch an einem Nationafeiertag, den viele Inder auch für ihre Ausflüge nutzen) und eine Präsenz des Mitiärs, wie sie mir in Indien noch nie begegnet ist. Bilder sprechen mehr als Worte – ich hätte mehr erwartet, hatte aber trotzdem ein schönes ruhiges Wochenende, mit viel Gechille, vielen Gesprächen und wieder einmal jeder Menge Eindrücken aus meinem persönlichen Lieblingsteil Indiens – dem Norden! (der Berg ruft!)

Mussoorie hingegen war genau das Gegenteil. Von den Attraktionen her gleichrangig mit Shimla (genau 4 an der Zahl!), war es hier weniger überrannt und die Station zeigte sich die ganzen 2 Tage über in ihrem besten Licht (ein Sonnenbrand im Gesicht ist da besser als jede Umschreibung glaube ich). Mit einem direkten Blick aus den Ausläufern des Himalaya hinein ins Tal nach Dehra Dun (von dem man sagt, dass es die besten (warscheinlich aber nur die meisten) Schulen in Indien hat), kann man es hier gut und gerne ein paar Tage aushalten. Die Hektik an einem jeden Freitag Mittag ist mittlerweile Gewohnheit geworden – Schule, Mittag fassen und ab zum Bahnhof und rein ins Wochenende. In der Regel ist man binnen einiger Zugstunden am Ziel und vor Mitternacht ist man dann auch schon in einem Hotel untergebracht (wobei die Preise alles andere als hoteltypisch sind, eher einer Jugendherberge ähneln!). Nachdem also die Zimmer in Mussoorie bezogen waren ging es erstma ab ins Traumland und am kommenden Morgen dann direkt rein nach „Downtown“ Mussoorie. Vom Gun Hill hat man beispielsweise eine schöne Aussicht über das Areal – hinauf führt eine Seilzugbahn, die schon bessere Tage erlebt hat, aber im indischen Vergleich warscheinlich zu den modernsten hier im Land gehört (der TÜV dürfte hier gar nicht erst einreisen). Mein persönliches Highlight war ein buddhistischer Tempel, den wir am Abend besuchten, als sich die Sonne schon hinter den Bergen verkrochen hatte und wo die Stimmung derartig mystisch war, dass man einfach nur genießen konnte und in der Ruhe flatternder buddhistischer Gebetsfahnen und unter den Augen der aufgestellten Dalai Lama-Bilder dahinträumen konnte. Echt spitze und bis zur vollends erreichten Dunkelheit ein Plätzchen zum Verweilen. Entlang der Mall (die dritte Atrraktion in Mussoorie) ging es dann in das nächst beste Restaurant, wo ich mich einmal mehr an der indischen Küche versucht habe. Mittlerweile schmeckt es mir ganz gut, aber eine gewisse Vorsicht ist immer geboten – so gibt es bei indischem Essen stets vegetarisch, da ich dem Fleisch hier einfach nicht traue, wenn es aus irgendeiner Hinterhofküche serviert kommt. Aber auf Favoriten habe ich mich mittlerweile festgelegt: alles in irgendeiner Soßenform mit Paneer (dem indischen Feta-Tofu-Mix) und Spinat, Tomaten und Erbsen (ja, Mutter ich esse jetzt Erbsen!!!). Mein persönlicher Favorit ist „Tandoorie Chicken“ – eine Art Broiler aus einem Steinofen, schön scharf gewürzt (muss man extra erwähnen) und mit einer Portion Garlic-Naan (indisches Fladenbrot gefüllt oder bestrichen mit allerlei Gedöhns, in meinem Fall Knoblauch) und dazu die immer gereichten roten Zwiebeln und die Limette. Schmackofatz und hier endet auch schon mein kleiner, aber feiner Exkurs in die indische Vielfalt kulinarischer Ergüsse. Ich bin kein großer Fan der hiesigen Küche, aber ich freunde mich mehr und mehr damit an – und das nicht unbedingt aus der Verzweiflung heraus, wohl eher aber wegen abgehärteter Magenwände (es ist alles sauscharf!!!) und einem intakten Immunsystem (ich hatte noch nie wirklich Probleme – außer dass alles „zweimal brennt“!).

Fine cum expeditium kulinaris! (lat., grammatikalisch aber mit Sicherheit falsch!)

Wir waren in Mussoorie – im Restaurant. Am Abend ging nicht mehr viel. So viel frische Luft und Gelaufe ist eine Delhi-Staublunge nicht mehr gewöhnt und wieder ging es ab ins Lummerland! Sonntag dann noch ein weiteres Highlight – und wieder von den Indern hochgelobt – die Kempty Falls. Wasserfälle in den indischen Bergen. Klingt spannend, aber die Fahrt dahin war wohl eher das spannendste an der ganzen Sache. Ein Taxifahrer mit den Fahrfertigkeiten eines Rallye-Piloten auf indischen Serpentinen, gepaart mit der Einstellung eines Hindus (Der Tod ist nur ein Zwischenstop!) ging es kotzifix runter und wieder rauf. Dazu noch ein paar derart gewagte Überholmanöver und zwischenzeitliches Fahren auf der „richtigen“ Spur (Achtung: in Indien herrscht normalerweise Linksverkehr), dass jeder Christ hier das Vater Unser aufgesagt hätte, schafften wir es doch noch lebend zu den Wasserfällen. Einige weibliche Insassinnen dürften Krämpfe gehabt haben, als sie die Griffe ihrer Autotüren wieder losließen. 🙂

Der Lohn dieser krassen Fahrt waren ein paar völlig verhunzte Wasserfälle, umgeben von Wellblechhütten und Betonklötzern, einem indischen Vergnügungspark mit künstlichen Seen und allerlei Ramschläden drumherum. Ich will nicht wissen, was hier in der Peakseason abgeht – dieser Sonntag in der Nebensaison hat gereicht um festzustellen, dass Inder ein ganz anderes Vorstellungsvermögen von Familienausflug ins Grüne und „Ich im Einklang mit der Natur“ haben müssen. Eine recht verhunzte Attraktion, die aber spaßig genug war um einmal hier gewesen zu sein. Außerdem stand uns ja noch die Fahrt mit dem Teufel zurück nach Mussoorie und nach Dehra Dun bevor. 🙂

Der Heimweg klappte wiedermal suboptimal – heißt: Zug rein, First Class mit ordentlich Verpflegung und gegen Mitternacht dann wieder in Delhi im Bett. Prima Wochenende und von der Gesamtbewertung unter meinen Top 5 Indiens.

Gehe ich nach dem Gesamtklassement, so hat Mussoorie eindeutig gewonnen und meine Sucht nach Bergen ist für die kommenden 5 Tage gestillt – bevor es wieder akut wird.

Das kommende Wochenende geht es noch einmal nach Agra, aber nur für einen Tag. Sven hatte mich darauf aufmerksam gemacht das Taj Mahal nochmal von der Rückseite und vom Flußufer aus zu beschauen – das wird mein Plan sein. Außerdem interessiert mich noch das Agra Fort, eine Bastion der vergangenen Mogulzeit. Nach dem Delhi Fort und dem Amber Fort nahe Jaipurs will ich hier unbedingt nochmal den männlichen Tomb Raider spielen.

So, und wie bereits erwähnt: Bilder sagen mehr als Worte und damit man sich ein eigenes Urteil bilden kann, diesmal zwei Galerien im direkten Vergleich.

Ticket nach Shimla: >>HIER<<

Ticket nach Mussoorie: >>HIER<<

Bis die Tage!

Michael