Archiv für April, 2009

Vom verzweifelten Versuch einen Brief abzuschicken

Posted in Australia on April 29, 2009 by indiapore

Die Geschichte grenzt schon fast an Blasphemie, bzw. ist eigentlich viel zu armseelig um sie hier aufzuschreiben. Trotzdem möchte ich dem aufmerksamen Leser dieses Blogs dieses Armutszeugnis australischer Behörden nicht vorenthalten – vielleicht auch um Nachahmer davor zu schützen…

Das Ganze begann vor exakt einem Monat in Brisbane. Wer in Australien mit Kindern arbeiten möchte, der braucht ein bestimmtes Zertifikat, welches eine sonders dafür eingerichtete Behörde eigentlich (!!!) ohne Umwege ausstellt. Alles was man dazu machen braucht, ist ein bestimmtes Formular, ein Foto und einen Kugelschreiber um die wenigen Details zur eigenen Person und des Arbeitgebers zu ergänzen. Kein Ding, wenn man davon ausgehen darf, dass es einzig und allein dem Schutze der Kids dient. Ein großes Ding jedoch, wenn man diesen „kleinen Check“ durch einen bürokratischen Wirrwar jagt, der seines Gleichen sucht und sogar die deutsche Bürokratie weit in den Schatten stellt, ganz ehrlich.

Ich brauche in jedem Fall für meine Arbeit in Melbourne an der DSM dieses Zertifikat. Dafür habe ich mir nach Brisbane den Antrag schicken lassen – funktionierte einwandfrei (das Einzige allerdings bei der ganzen Sache). Ausgefüllt habe ich das Ding auch, doch dann kan Problem Nr. 1: Man muss sich in dreifacher Ausführung identifizieren, wenn man den Brieg abschickt. Heißt: Ich muss eine Kopie meines Reisepasses mitschicken, eine Kopie meines Visums, eine Kopie meines Mietvertrages, eine Kredit – oder Geldkartenabrechnung oder eine Telefonrechnung nicht älter als 3 Monate ebenfalls als Kopie. Und hier fing der ganze Schlamassel auch an.  Ich habe mir vorgenommen diesen Brief persönlich auf dem Postoffice in Melbourne abzugeben – die Möglichkeit ist die einfachste und sicherste (wahrscheinlich auch die sinnfreiste und bürokratischste, die man wählen kann). Ich bin Reisender, führe also nichts weiter mit mir als meinen Reisepass. Einen Mietvertrag bekomme ich als Tourist nicht, ebenso wenig einen Telefonvertrag – was auch beides nicht in meiner Absicht hier liegt. Mann, ich suche Freiheit und keine Wohnung, ihr Kackbratzen!!! 😉 (Sorry, für den Aussetzer!) – Noch nicht einmal ein Visum kann ich vorweisen, denn als „eTourist“ bekommt man (wie der Name schon sagt) nur ein eVisum, was einem keinen „tollen bunten Sticker“ in den Pass beschert, sondern nur einen Stempel zur erfolgreichen Einreise. Alles andere ist digital beim Immigrationsbüro gespeichert.  Also fehlten mir letztlich letztere drei wichtige Dinge um wirklich zu klären, dass das da meine Person ist, die vor der nicht englisch-sprechenden asiatischen Angestellten steht (hier sollte man meiner Meinung nach anfangen Personal gewissenhafter auszuwählen!!!). Nach langer Diskutiererei habe ich mir eine Bestätigung meines Hostels besorgt, dass ich dort wohne, quasi als Mietbestätigung. Eine Telefonrechnung habe ich bis heute nicht. Mein nächster Gang war zum Immigration Office in Melbourne (bereits das Zweite Office, dass ich in Australien sehen durfte, nachdem man meinen „eAntrag“ für ein passendes VIsum im Februar ver-„e“-schlampt hat). Hier konnte man mir nach 2h Warterei „helfen“ indem man mir einen Ausdruck in die Hand gab, welcher mein Visum bestätigt und den genaueren Typus beschreibt (eVisa – Tourist!!! – Wow, das hätte ich mir online ausdrucken können und kann man sich fälschen wie man lustig ist). In jedem Fall paßt dieses Schreiben auch nicht ins Raster einer einwandfreien Identifizierung meiner Person, da es ausdrücklich erwähnt, dass es nicht unbedingt ich sein muss, der dieses Schreiben mit meinem Paß, welcher mein Foto, meinen Fingerabdruck und mein gescanntes Auge enthält, beantragt hat. Super, auch hier wieder sinnloser Weg dank sinnloser und falscher (!) Aussage des freundlichen Herren von der Infoline der Working with Children – Behörde. Ich habe es dennoch versucht und festgestellt, dass australische Postbeamte nicht nur englischfrei sind, sondern auch inkompetent wie eine Leberwurst am Rednerpult. Einer wollte mein Visum nicht anerkennen (Wow, ein Treffer!), der andere widerum fand mein Paßbild als nicht ausreichend (biometrisch einwandfrei, wie sich im Vorfeld bei mehreren Postbeamten schon bestätigt hat). Der dritte Beamte (eine Frau!!!) akzeptierte nicht, dass ich in einem Hostel wohne, den Brief vom Immigration-Office, der ausdrücklich zu verstehen gibt, dass er nicht gültig ist um meine Person zu verifizieren, war ihr egal. Spitze! Nach einer Woche sinnloser Hin- und Herrennerei ein Höchstmaß an netten Erfahrungen im Umgang mit der wirklich bemerkenswerten australischen Bürokratie und die Feststellung: Wie soll man  sich als gottverdammter Ausländer identifizieren, wenn man keine Wohnung hat (und bekommt) und ebenso wenig einen Telefonvertrag abgeschlossen hat? Denkt mal nach, ihr Bürokraten / Advokaten, was da nicht  stimmen kann! In jedem Fall muss ich dieses Zertifikat irgendwie bekommen, so meine Auffassung. Andererseits ist mir der Zutritt zur Schule verweigert – ebenso den Eltern, die diesen Wisch nicht haben… Krank! Man darf sein Kind wirklich nicht von der Schule abholen, bzw. das Schulgelände betreten, wenn man nicht über diese lustige kleine Plastikkarte mit peppig buntem Aufdruck verfügt. Mal abgesehen, dass ich über eine Woche auf illegalem Boden gestanden habe, sei mal dahingestellt. In jedem Fall ist mir gestern nach aller Rennerei der Kragen geplatzt und ich habe den Herren an der „Hotline“ richtig Dampf gemacht und ihn gefragt, wie er sich das alles vorstelle und dass ich im Ernstfall einen derben Fick auf dieses Scheißzertifikat gebe (entschuldigt diesen forschen Ton!) und einfach mein Ding mache. Der Herr, anscheinend an solche Anrufer gewöhnt, versicherte mir hoch und heilig, dass er mich zurückrufen wird, sobald er eine Lösung mit seiner Vorgesetzten gefunden hat.  Auf seinen Rückruf warte ich immernoch, aber ihm war bewußt, dass es mir ernst war. In jedem Fall habe ich mich nach 12h Warterei noch einmal begnügt und diese lustige „Hotline“ angerufen – mit dem Ergebnis, dass diesmal die „Hotline“ wirklich eine „Hotline“ war und ich dem Herren (der zufällig wieder am Apparat war) richtig Feuer gemacht habe, ob er denn denke ich sei dumm und ich im Zweifelsfall mit seinem / seiner Vorgesetzten sprechen werde. „Complaints & Compliments“ – zum Glück besitzt jede australische Webseite der Regierung einen solchen Feedback-Link und man kann nach Herzenslust motzen und meckern – nicht, dass mir sowas gefällt, aber in diesem Fall mehr als nötig. Diese Behörde weiß von diesem Problem seit über einem Jahr und ändert einfach nichts daran – wahrscheinlich eine Maßnahme der Regierung um sich arbeitnehmende Ausländer vom Hals zu halten (bei 9% Arbeitslosigkeit auf 21 Mio. Einwohner gerechnet, nicht ganz unsinnig, aber eine Frechheit für einen wohlgesinnten Europäer!)

Ich habe letztlich mit seiner Vorgesetzten gesprochen, Michelle – geschätzte 28/9 Jahre und höchst unsicher in ihrer Art. Ich habe sie heute mehrmals am Telefon gesprochen mit ihr diskutiert und ihr erklärt, dass es für mich unter keinen Umständen möglich ist diese „Identifizierungs-kriterien“ zu erfüllen. Ich bin Reisender, wohne in einem Backpackers, habe und bekomme keine Verträge – bin auch nicht gewillt für ein unbezahltes freiwilliges Praktikum derartige Dinge anzugehen. Sie hat mich verstanden und zu ihr eingeladen – in ihr Büro, in einem ca. 50-stöckigen Büroturm mit dicker Außenfassade und natürlich in staatlicher Hand. Vorbei am etwas dümmlichen Einlasser, der mich auf meine Anfrage nach Madamme Michelle nur mit der Antwort „So, you want to work with children? Sorry, mate, but you´re wrong in this building!“ abspeisen wollte, habe ich dann die „Göttin dieses Zertifikats“ persönlich gesprochen und ihr mein Leid als gemeiner Pöbel geklagt. Sie hatte ein Ohr und alles mit mitleidigem Nicken aufgenommen. Letztlich hat sie der ganze Papierkram keinen Dreck interessiert, sie hat mir einen Stempel auf den Vordruck gegeben, das Antragsformular angenommen und mich mit dem erlösenden Satz „Ich sei jetzt legal angestellt und dürfe mit Kindern arbeiten“ verlassen. Sie verstehe die strikte Handhabe der Postbeamten, die diesen Brief in Empfang nehmen. Ich habe davon nicht viel gesehen, schließlich hat jeder etwas anderes beanstandet und ich hatte echt langsam das Gefühl nur von Idioten umgeben zu sein, schließlich konnte keiner wirklich begründen warum das alles so sei. Jeder fährt sein „Schema F“ ab und denkt nicht weiter drber nach. Jedenfalls, dieser Moment hat mich fast 1,5 Wochen Nerven, Zeit und auch Geld gekostet. Es ist nicht zu glauben, aber in der Realität werden wichtige Abläufe manchmal mit einem Augenzwinkern abgetan (siehe Michelles kompetente Sachbearbeitung im Foyer des Wolkenkratzers). Wer hartnäckig bleibt gewinnt und im „Auf´s Schein gehen“ bin ich mittlerweile geübt – Indien hat sich bezahlt gemacht. Trotzdem weiß ich nicht wie oft ich „Puls 200, bald!“ hatte diese letzte Woche und kurz vorm Austicken war, denn soviel Bürokratie und Stumpfsinn auf einmal, erlebt man nicht mal als Deutscher Staatsbürger in seiner Heimat. Den Brief habe ich jedenfalls nicht abgeschickt / abschicken können. Alles der bürokratischen Handhabe meines Anliegens zu verdanken und einer Gesellschaft, in der anscheinend jeder nur stumpfsinnig seinen „Dienst nach Vorschrift“ absolviert und niemand nachdenkt, was er da eigentlich macht und wo eventuelle Fehlerquellen liegen könnten…!

Danke, Australien, aber du bist definitiv nicht mehr das, was du mal warst. Du stellst lieber illegal Menschen aus Fernost an, weil du zu hohe Steuern von arbeitenden Ausländern verlangst und kostenlos arbeitenden Reisenden legst du Steine in den Weg. Denk mal nach und ändere was!

In jedem Fall sollte sich jeder, der irgendwann einmal mit dieser oder dieser australischen Behörde / Institution zu tun hat, warm anziehen und Nerven wie Drahtseile haben. Meine Drahtseile sind haardünn geworden, da hat nicht mal mehr die indische Arschruhe und die Inselgelassenheit etwas bewirkt. Das gelobte „Easy Going“ ist definitiv Geschichte und während ich diese Zeilen schreibe, schließe ich innerlich mit diesem Kapitel ab. Es tat gut es niedergeschrieben zu haben und ich danke dem Leser für sein offenes Ohr. In ein paar Monaten werde ich wahrscheinlich drüber lachen, momentan kann ich es noch nicht…

Möge Gleichgesinnten weniger Stressiges widerfahren! Auf einen erfreulicheren Post beim nächsten Mal!

Grüße aus „freezy“ Melbourne

Michael

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Männer-WG-(T)räume

Posted in Australia on April 25, 2009 by indiapore

Ein kleines Weilchen ist schon vergangen seit dem letzten Post. Tasmanien ist mittlerweile schon fast eine Woche her und die erste Woche meines Praktikums in Melbourne liegt bereits hinter mir. Insegesamt also zwei Wochen mit allerlei Eindrücken, Erlebnissen und noch mehr Ausgaben. Wie immer alles der Reihe nach.

Ostersonntag ging es los – auf Richtung Tasmanian Island, der Insel, die nicht nur aus der Luft betrachtet aussieht als sei es ein Teufelskopf – hier leben sie auch, die tasmanischen Teufelchen, die aussehen wie Mephisto im Pelzkostüm und Laute von sich geben, als würde man ein Kleinkind quälen. (Erfahrungen im Kinderquälen kann ich allerdings nur aus dem Sek.  I – Bereich / Mittelschule aufweisen). Nach knappen 3h Flug von Brisbane nach Hobart trafen Yvonne und ich uns mit zwei ihrer Mitstudentinnen und nach einem etwas kompakteren Sightseeing in Hobart (die Stadt hat nicht wirklich spekatukuläre Dinge aufzuweisen – vielleicht die Cascade-Brauerei), haben wir uns entschieden bereits einen Tag früher das Auto anzumieten und sind seit dem gute 3500 km über die Insel gedüst. Betrachtet man die Entfernungen auf der Straßenkarte, dann bekommt man schnell den Eindruck alles sei ein Katzensprung. Fährt man dann aber diese Strecken, so kann eine 90 km Fahrt schon gerne mal 2-3 h in Anspruch nehmen. Belohnt wird das Ganze dann aber auch mit einer hammerharten Natur, die einem wirklich alles bietet und einen irgendwie immer wieder an Irland erinnert, nur eben ohne Iren, sondern Australiern. (Wonni hat auch die Steinzäune zur Eingrenzung der Weiden vermisst, die sie 2006 so grandios umgeschubst hat!)

In jedem Fall waren es 8 wirklich schöne Tage auf der Insel, die uns allle Wetterlagen bescherten. Angefangen bei 25 Grad und Sonnenschein pur bis zu 2 Grad mit Schneefall, Flachland mit endlosen Weiden und Wäldern bis hin zu spektakulären Küstenabschnitten, Stränden, Bergmassiven – es war einfach alles dabei und der Blick aus dem Auto wurde nie langweilig. Jede Menge Tracks und Wanderungen in Wäldern, an Seen, Gebirgen und Höhlen haben dann die Fahrerei lohnenswert gemacht und es wurde eine sehr gute Woche mit jeder Menge frischer Luft, wundervollen Aussichten und noch besserem Essen. Als anerkannter Schweinemagen probiere ich eben alles, was man probieren kann und was der Geldbeutel zulässt. Und da waren diesmal einige Schmeckerchen dabei – ich sage nur das traditionelle Inselsteak (minimum 300g), Austern, Jakobsmuscheln und allemöglichen Biersorten. Es war ein Hochgenuss und nach indischer Schärfe eine willkommene Abwechslung für meine Magenwände. 🙂

Die Woche war natürlich viel zu schnell vorbei und am vergangenen Montag ging es dann zurück nach Brisbane, wo mir ganze 18h blieben um Wäsche zu waschen, meinen Krempel zusammen zu lesen, Tasche zu packen und mich wieder auf den Weg zum Flughafen zu machen um nach Melbourne zu kommen, wo ich seit Dienstag an der Deutschen Schule bin. Zwischenrein wurde noch Wonnis Geburtstagsparty im Deckerschen Hause und im Cloudland geschoben, einem bei Wonni und Co ziemlich angesagten Club, der einem von der Innenausstattung her wirklich staunen läßt (den man mit Turnschuhen nur leider nicht betreten darf, wie ich anfangs erfahren durfte) 🙂 – nach anfänglicher Rebellion gegen diese faschistoide Handhabe eingelassener Partygäste, bin ich letztlich mit Achims Ledertretern hereingelassen worden, was mich trotzdem nicht davon hat abhalten lassen beim Herausgehen stolz und barfuß am Einlasser vorbeizugehen und ihm noch nen Spruch an den Kopf zu werfen – Einlaßverbot auf Lebenszeit inklusive, vermute ich mal – aber das war´s mir wert ! Fucker! 🙂

Stark verkatert bin ich dann Dienstag Morgen losgestolpert – in letzter Minute habe ich dann doch noch alles zusammengepackt bekommen und zum ersten Mal nichts irgendwie und irgendwo liegenlassen. Ich bin komplett in Melbourne angekommen, yesss! Und hier bin ich seit Dienstag auch untergebracht im Greenhouse Backpackers, dem Gewinner für Australiens beste Backpacker-Unterkunft 2005 und 2006 sowie des Victorian Tourism Awards 2004. Zugegeben, das hat meine Auswahl schon derb beeinflusst, aber von alledem scheint 2009 nicht mehr viel übrig zu sein. Ok, die Rezeption ist nett, es ist alles da was man braucht, aber an Sauberkeit und Komfort bricht man sich hier definitiv keinen ab und jeder macht irgendwie sein Ding. Sagte ich jeder? Ein fast jeder, immerhin gibt es da noch Zimmer 5.07, mein Kabuff, dass ich mir mit 5 anderen Herrschaften teile.

Ich stelle kurz vor: Dave – Kiwiguy (Neuseeländer, trinkfest, 24), Joe – Dutchman (Holländer, Frauenheld), Hong – Koreaner und computerkrank, Jeremy – 1/2 Rockstar (Australier, abenteuerlustig, schnarcht nicht!!!) und der unbekannte 5. Asiate im Raum, den keiner kennt, den man nachts aber immer hört, weil er schnarcht und schmatzt, wie eine Sau – ehrlich! Die rücksichtsvollsten sind wir nicht wirklich, aber es geht gut zusammen. Eine Episode der vorletzten Nacht wird mir trotzdem noch eine Weile in Erinnerung bleiben, einfach weil sie zu abartig, lustig und gleichzeitig zu typisch für das Backpackerdasein hier in Australien ist. Wir schreiben 24Uhr – Jeremy und ich stolpern vom Dach des Backpackers, wo sich eine Art Biergarten befindet ins unsere Betten (nüchtern!!!) und werfen uns ins Bett. Zwei Uhr knallt die Tür auf, Dave kommt hereingepoltert, lallt wie ein Seemann und wirft sich ins Bett. Dave ist wirklich trinkfest und hat am Vorabend allen eindrucksvoll bewiesen, wie schnell er einen Liter Weißwein wegkippen kann und dann noch gerade laufen kann. Er sieht aus wie eine Mischung aus Mr. Bean und Robert Redford (also Trottel und Pferdeflüsterer) und benimmt sich auch so. Nach diesem Eintreten erstmal Ruhe. Drei Uhr – Frauenschwarm Joe betritt das Zimmer. Wie die Nächte davor, ist er auch diesmal nicht allein. Eine Australierin im Schlepptau und auch einigen Bierchen intus wollte er wahrscheinlich noch eine Grundsatzdiskussion im australischen Steuerrecht mit ihr führen, dazu kam es leider nicht. Mehr dazu später, genauer gesagt um 4.30Uhr. Jeremy brüllt los, Dave schmatzt und hustet aus seiner Ecke, Hong kichert und sein Laptop gibt irgendwelche Ballergeräusche von sich. Ich mit meinem Bärenschlaf werde wach und die Situation läßt sich nur mit einem Satz wiedergeben: „Das findet jetzt hier nicht wirklich gerade statt!?“

Dave hat seit seiner Ankunft im Zimmer nur gekotzt, zum Glück hatte er den Mülleimer noch gefunden und ne Plastiktüte mit ins Bett genommen. Seine Rülpser und Kotzgeräusche waren einfach widerlich. Ich habe nur einmal um die Ecke geschaut, um zu checken ob er noch lebt, nachdem 2 min keine Kotzgeräusche kamen. Er saß aufrecht im Bett und grinst mich an – „Everythings allright, dude!“ – Alles klar! Im Nebenbett die Diskussionsrunde aus Joe-Dutchman und der Australierin. Irgendwie haben sie ihre Diskussion fallengelassen und die körperliche Auseinandersetzung gesucht – im Klartext, die beiden rammeln wie die Kaninchen und Jeremy ist vom wackelnden Doppelstockbett aufgewacht – wie die Nacht zuvor, wie er mir später erzählte. Und unter mir Hong: sein Kichern schließe ich im Nachhinein auf die peinliche Situation, in der er sich als prüder Koreaner befand. „Mittendrin statt nur dabei!“ – dazu noch sein Laptop mit irgendwelchen kranken Ballerspielen, die er sich den ganzen Tag gibt – immerhin kümmert er sich gerade um einen tabellarischen Lebenslauf auf Englisch – es sei erwähnt, dass er in Melbourne Englische Literatur studiert und er kein Wort Englisch spricht. Vermutlich ein Ersti – hoffentlich! 🙂 In jedem Fall konnte ich es mir in diesem Moment nicht nehmen lassen aufzustehen und nochmal aufs Klo gehen – mein Aufstehen hat zumindestens für Ruhe gesorgt, zumindestens bei Dave, der mittlerweile eingeschlafen ist und bei Hong, dessen Stromkabel ich einfach gekappt habe. Joe-Dutchman und seine Diskussionspartnerin waren anscheinend auch fertig als ich wieder ins Bett kam und Jeremy hat geschlafen. Der unbekannte 5. im Raum war gar nicht erst gekommen – ich vermute er ist ein Geheimspion der chinesischen Regierung und wußte von allem im Vorfeld.

Das war in jedem Fall eine der beschissensten Nächte im 6er-Dorm, die ich jemals hatte. Joe hab ich am Morgen das letzte Mal gesehen, er ist abgereist und auch Jeremy ist wieder in Brisbane, wo er herkommt.  Man nimmt es aber mit Humor, immerhin haben wir alle noch dumme Sprüche gerissen über die Aussetzer der Anderen in der Vornacht – meine Weste war rein!!! Die Lehre war folgende: Ich ziehe auch aus. Momentan suche ich mir ein Zimmer irgendwo in Melbourne, denn das Praktikum an der deutschen Schule läuft mittlerweile, wenn auch nicht ganz so, wie ich es mir vorgestellt habe. Vielleicht noch ein paar Zeilen hierzu.

Die Schule ist wirklich schön, wenn auch sehr klein. Ich hatte ja bereits erwähnt, dass es momentan nur 23 Schülerinnen und Schüler gibt und gerade mal 5 Lehrer, von denen gerade mal eine als Ortslehrkraft des Bundeslandes Baden-Württemberg angestellt ist. Der ganze Rest ist (wie an Privatschulen üblich) von der Schulleitung eingestellt worden, weil sie a) pädagogische Erfahrungen mitbringen aus Berufen im Vorfeld oder b) fachliche Kompetenzen aufweisen. Also in keinster Weise zu vergleichen mit einer staatlichen Schule in Deutschland oder auch nicht zu vergleichen mit Delhi. Und trotzdem hochspannend mitzuverfolgen, wie eine so kleine und vor allem junge Schule aus den Startlöchern kommt und in Richtung anerkannte Schule im Ausland hinarbeitet. Meine Unterstützung hat sie in jedem Fall und da im Moment ein Schwimmlager auf dem Plan steht, habe ich auch nicht den Stress und derartige Hostel-Kapriolen sind wegsteckbar. Mehr als am Beckenrand stehen und eine Stunde Deutsch, Mathe und Englisch am Anfang eines Schultages ist bisher nicht gelaufen. Das Problem bringt nur eine Sache mit sich: das liebe Geld. Ich hatte ja bereits erwähnt, dass Australien sehr sehr teuer geworden ist. Im Vergleich zu 2004 haben sich so manche Preise fast verdoppelt und Lebenshaltungskosten sind in die Höhen geschossen. Ein Monatsticket der Straßenbahn im Melbourne kostet bspw. 189 A$ knappe 100 €, wenn man den momentanen (ziemlich bescheidenen) Wechselkurs anschaut. Nicht gerade wenig, aber leider Tatsache. Ein Zimmer ist nicht für unter 100 € die Woche zu  haben, was nicht voraussetzt, dass es ordentlich und möbliert ist. Am Mittwoch habe ich mir ein Zimmer angeschaut, wo es selbst mir die Fußnägel hochgekrempelt hat. Wochenpreis 150A$, ungefähr 80€ – nicht unbedingt das teuerste, aber für 3 verschimmelte Matrazen an eine Wand gelegt, ein kaputtes Fenster, spärlich mit einer Decke abgedeckt und unzähligen Europaletten im Zimmer, samt kauppten Lampen und zertretenen Ostereiern auf dem Boden nicht unbedingt das, was ich mir für die kommenden Wochen vorstelle – die Küche möchte ich gar nicht erst erwähnen. Einziger Vorteil: Die Toilette hatte einen Sitz, wo nur der Deckel gefehlt hat. Lichtblick in dieser nicht ganz alternativfreien WG. Auf meinen Rückruf wartet Will, der Ire bis heute.

In jedem Fall ist die Schule nicht in der Lage finanzielle Unterstützung zu geben. Es scheint so, als dass dies in keinem Fall möglich ist, da momentan die Schule selbst am Hungertuch nagt und alle Ausgaben gründlich diskutiert werden. Beim Staff-Meeting am vergangenen Dienstagabend bin ich bereits Zeuge davon geworden und kann davon ausgehen, dass die Tatsachen so stimmen. Die Kassen sind leer – fast wie zu Hause. 🙂 Fakt ist jedoch, dass ich nicht in der Lage bin 10 Wochen komplett aus eigener Tasche zu bezahlen, das habe ich in einem Kadergespräch am Freitag hervorgebracht und zu verstehen gegeben. Irgenwie muss auch etwas Bares reinkommen. Bei errechneten Monatskosten von über 1000€ ist das nicht möglich, zumal ich nicht nebenbei jobben darf, mein Visum gibt das nicht her und schwarz mache ich nach dem Trara mit meinem Visum keinen Ärger hier. Am Montag wird sich entscheiden, ob sich vielleicht doch etwas locker machen läßt, die Schulleiterin wird sich darum kümmern, hat sie mir versprochen. Ansonsten ist hier nach 5 Wochen Schluß und es geht zurück nach Brisbane, wo ich bei Achim und Lynda Malerarbeiten erledigen werde (im Childcare – als Freundschaftsleistung versteht sich 😉 – nicht dass hier noch die australische Steuerfahndung mitliest). Einen Gärtner-„Freundschaftsdienst“ in Gympie habe ich auch in Aussicht und dann war ja noch das Ding mit dem Hochseefischer. In jedem Fall mangelt es im Norden nicht an Alternativen und 5 Wochen reichen auch aus, wenn man es zum Nulltarif macht – anders ist es im Moment nicht möglich zumal  die Unterkunft in Brisbane / Gympie schon mal 400 € im Monat ersparen könnte. Aber die Entscheidung fällt am Montag, mit Sicherheit – die Tendenz steht fest. Weg hier, nicht weil es mir nicht gefällt – im Gegenteil, sondern weil die Umstände einfach zu schlecht sind hier wirklich Fuß fassen zu können – ein erster Tiefschlag nach 8 Monaten im Ausland. Aber das gehört dazu! Jeremys Zitat ist da nur zu passen: „How the hell did you find after only one day a job in this bloody city?“ – Tja, lieber Jeremy, du musst flexibel sein, zum Nulltarif arbeiten und dazu noch jeden Scheiss machen! Einfaches Konzept zur Bekämpfung der Wirtschaftskrise! – Marke Michael und sicherlich nicht ganz sinnvoll! 😉

Außerdem wartet da „oben“ ja noch Wonni und die ist immer eine Reise wert, so wie am kommenden Wochenende, wenn sie herkommt, oder das Wochenende danach, wenn wir unser „Retrospective Weekend in Sydney“ feiern! 😉

„Aus einem Stolperer einen Hopser machen!“ – das hat meine Oma (Weltenbummlerin) mal gesagt, und das mache ich jetzt! Hoffe, sie hat das nicht nur auf ihre Wandertouren im Commonwealth und durch die Sahara bezogen. 😉

Ich nehme es mit Humor, Spaß habe ich jedenfalls genug hier und in Zeiten leerer Kassen und tagtäglicher Hiobsbotschaften in den Medien könnte meine Lage durchaus schlechter sein.

Viele Grüße daher aus Melbourne, ich suche mir jetzt mal was zum Essen.

Michael

PS: Bilder aus Tasmanien werden nachgereicht, ist im Moment nicht möglich und in Melbourne blieb die Linse bisher verschlossen.

Ei, Ei, Ei…

Posted in Australia on April 11, 2009 by indiapore

…was raschelt da im Busch? Wahrscheinlich ist es der flauschige Sonntagsbraten im Hasenkostüm – oder doch nur Mannie, der Haushund, der es vorgestern ernsthaft geschafft hat aus meinen Fängen zu entkommen und gut 15km weiter eingefangen wurde. Das war´s also mit „Hundeaufpasser für zwei Wochen“… Mission failed!

An dieser Stelle allen zu Hause, allen Delhi-Expats und allen Australien-Bekanntschaften ein frohes und erlebnisreiches Osterfest und viel Spaß beim Eiersuchen. Nachdem ich mit Wonni ein paar echt schöne Stunden bei gutem Wein und noch besserem Essen, inklusive beheiztem Pool in Gympie bei Achim verbracht habe, sind wir nun wieder in Brisbane angekommen. Ich habe den halben Samstag damit verbracht meine Abschläge im Golfen zu verbessern – das, was damals auf dem Mini-Golf-Platz „Abschlag“ hieß, ist in keinster Weise mehr mit dem zu vergleichen, was ich seit heute kann. Resultat: Achim war so begeistert, dass am ersten Maiwochenende ein Turnier – Wonni vs. Micha vs. Achim (vs. Roger) auf dem Plan steht. Über meinen eigenen Satz Hölzer und Eisen verfüge ich mittlerweile – Danke Achim, ich werde ihn in Ehren halten und fleißig trainieren, damit das Handicap unter 100 bleibt (die Japanerstory war lustig genug).

Jedenfalls, die Taschen sind gepackt und morgen Vomittag geht es dann auf Richtung Tasmanien, wo 8 Tage Rundfahrt anstehen – Tasmanische Teufel und Wombats inklusive. Mal schauen was kommt, in jedem Fall wirds spaßig – drei Weiber „im Schlepptau“ – den Auftakt haben wir letzten Donnerstag bei einer improvisierten Hausparty gemeistert! 🙂

Zum Abschluß dieses Posts noch ein kleines Osterei – frisch aus Oz. Seit ich hier bin, fröhne ich wieder ganz und gar meinen musikalischen Eroberungszügen. Neben „Juzzie Smith“, einer australischen Ein-Mann-Band aus Byron Bay, lief neben den indischen Indierockern von „Menwhopause“ vor allem eine Scheibe rauf und runter – okay, die beiden Homofürsten sehen wirklich schräg aus, aber die Musik ist einfach mal Bombe und bei guten 200 km inklusive Stau zwischen Gympie und Brisbane ein absoluter Gute-Laune-Garant. Also, Boxen auf für die australische Pop-Sensation vom anderen Ufer, für „Empire of the Sun“! Enjoy…

Wem´s gefällt, der schaut mal >>HIER<< oder >>HIER<<.

Frohe Ostern wünschen Wonni und Micha.

PS. Immer dran denken: Wer zu Ostern an den Eiern spielt, bekommt zu Weihnachten die Bescherung! Also… 😉

„Also!“, sprach der Bürokrat…

Posted in Australia on April 7, 2009 by indiapore

…und wenn für gewöhnlich solche Phrasen kommen, dann weiß man als gesetzter Deutscher, was auf einen zukommt. Definitiv KEINE problemlose Handhabe des Anliegens, statt dessen ein satter Papierkrieg und etliche Behördengänge! Dass Australien auch verwaltungs- und bearbeitungstechnisch nicht ganz so „easy going“ ist, habe ich ja bereits 2004 mit nach Hause genommen. Aber was sich diesmal anbahnt ist schlicht und ergreifend „Sackgang hoch 13″… Aber immer der Reihe nach!

Wir schreiben Dienstag mittag, 12Uhr. Yvonne sitzt seit Tagen an einem Assignment für ihr Studium, ich durchforste meine Stundenplanungen aus Delhi um einen halbwegs ordentlichen Praktikumsbericht zusammenzutippen. Im Nacken sitzen mit etliche Aufgaben, die es alle heißt innerhalb 2,5 verleibender Tage zu erledigen – Aufgabe 1: Praktikumsbericht. Hätte ich doch bloß meine Festplatte nicht in Delhi geschrottet, dann wäre die ganze Tipparbeit jetzt nichtig. Aufgabe 2: die ganzen Schreiben und Bescheinigungen für das Praktikum in Melbourne einholen und Aufgabe 3: Mein gottverdammtes Visum, bei dem die australischen Behörden wahrscheinlich mehr als nur geschlampt haben – sie sehen es noch nicht mal ein einem Rede und Antwort zu stehen. Fucker!

Wer in Oz im Bildungssektor arbeiten will, der darf sich seit 2008 auf Einiges an Papierkram freuen. Ich bspw. benötige für mein Praktikum an der DSM ein polizeiliches Führungszeugnis (um sicherzustellen, dass ich kein vorberstrafter Kinderschänder bin) sowie ein „Working with children“-Zertifikat, welches neben meinen Daten auch meinen Werdegang erfaßt und sicherstellen soll, dass die Kids hier nicht mit irgendwelchen kranken Typen in Berührung kommen bzw. man diese schnell ausfindig machen kann. An und für sich eine sehr gute Sache – wenn man sich hieran und hieran zurückerinnert, dann kann ich dem nur zustimmen und gehe diesen Weg gerne. Trotzdem Wege, die man nicht unbedingt mit Jubelgeschrei aufnimmt. Egal, Problem stellt lediglich mein Führungszeugnis dar, denn das kann man nur im Inland (Deutschland) persönlich beantragen und die einzige Behörde, die das für Deutsche im Ausland macht, stellt sich dumm und kann es angeblich nicht machen. Prima! Aber das deutsche Konsulat in Brisbane wird mir schon helfen, vorausgesetzt der Herr ist mal da. 😉 Das „Working with children“-Zertifikat kann man angeblich problemlos binnen weniger Minuten auf jedem größeren Post-Office beantragen, oder man läßt sich ein Formular zuschicken, welches man zurücksendet und dann ist man registriert. Ich habe zweiteren Weg gewählt, nur das Formular läßt auf sich warten, mal schauen, ansonsten wird das in Melbourne mein erster Weg sein.

Mit meinem Visum sieht es weniger gut aus. Hier hat die ausstellende Behörde einfach geschlampt und meinen Antrag verlegt, obwohl ich ihn online eingereicht habe. Klasse! Bis heute wurde nichts bearbeitet, geschweige denn ausgestellt. Darum bin ich mit einem regulären Touristenvisum unterwegs – Haltbarkeit 3 Monate (bis 28.60.2009 – einen Tag nach Beendigung meines Jobs in Melbourne).  Da ich aber stolze 100A$ für das Visum, das ich nicht bekommen habe, hingelegt habe, werde ich hartnäckig bleiben und den Betrag zurückfordern. Ansonsten muss ich mal schauen, wie es ausschaut die australische Regierung zu verklagen. 🙂 Aber schon krass, wenn man sich nicht mal auf so etwas verlassen kann.

Der Plan sieht jetzt aber folgendermaßen aus, da ich mir hier auch keinen unnötigen Stress aufhalsen will: da der Rückflug bereits für den 20.08.2009 gebucht wurde, muss ich definitiv das Land verlassen und wieder einreisen. Yvonne und ich haben entschieden zwei Wochen nach Neuseeland überzusetzen und dort eine Tour zu machen. Es wäre eh früher oder später mal unser Urlaubsziel gewesen und warum nicht schon mal „rüberschippern“, zumal die Tour uns wahrscheinlich genausoviel kosten wird wie 14 Tage in Australien, denn die Preise hier sind aufgrund des extrem schwachen Australischen Dollars dermaßen gestiegen und die Preise sind horrent hoch vor allem für Dinge, die das tägliche Leben ausmachen. Bsp.: ich habe vergangene Woche 23A$ (ca. 12€) für 4 Hähnchenfillets ausgegeben. Aldi-Veteranen können da nur mit dem Kopf schütteln, aber es ist einfach krass geworden. Zum Glück gibt es da immernoch die 2-for-1-Mahlzeiten im  benachbarten Pub. Zwei 450g-T-Bone-Steaks mit Fritten und Salat für umgerechnet 14€ – da kann man nicht meckern, zumal Steak eh nach Indien wieder ganz hoch im Kurs steht! 🙂

Um jetzt aber nicht zu sehr rumzujammern, immerhin geht es uns beiden seeehr gut hier (nicht zuletzt Achims und Lyndas Gastfreundschaft wegen), die letzten Tage und vor allem das Wochenende waren echt der Knaller. Freitag Abend schön durch die Pubs und Clubs (wo man mich aufgrund „falscher“ Schuhe nicht reinlassen wollte) mit ordentlich „Jäger-Bombs“, ging es Samstagmorgen leicht verkatert nach Byron Bay – Wonnis scheinbares Lieblingsdomizil an der Eastcoast – nicht zuletzt wegen dieser Fummel hier, sondern auch wegen des wirklich krassen Strandes, der gigantomanischen Wellen und der Hammeraussichten. Jedenfalls war ordentlich Spaß am Wochenende angesagt und das Wetter hat auch zu 75% mitgespielt. Der Rest der Zeit wurde eh im Pub verbracht oder mit Schlafen und abspannen. Am meisten angetan haben mir es die vielen T1-Bullis in und um Byron. Wirklich geil, komplett aufgebaute Oldies und richtig fein im Surferstyle hergerichtet – die waren 2004 definitiv noch Mangelware und versprühen neben ordentlich Abgasen auch ein echt derbes Reotrofeeling a´la „Back to the Sixties“.

Angesichts all dieser Ereignisse und der Aussicht, dass es Freitag erstmal nach Gympie und Sonntag dann nach Tasmanien geht, läßt sich auch der ganze Papierkram und Unikrempel ertragen – nur: man sollte ihn nicht vergessen! Kaum aus Tasmanien zurück geht es am kommenden Vormittag schon nach Melbourne, wo am Folgetag die Arbeit in der Schule beginnt. In jedem Fall geht es derbe voran und es wird einem mit Sicherheit nicht langweilig hier…

Viele Grüße daher von den beiden Arbeitstieren Wonni und Michael.

PS: Bilder der vergangenen anderthalb Wochen >>HIER<<

Flash, zweite Runde… Down Under

Posted in Australia on April 1, 2009 by indiapore

Sowohl zweite Runde in punkto Auslandsaufenthalt. Nach Indien ist Australien soz. die zweite größere Station meiner Reise und zudem mein zweiter Aufenthalt auf der „Insel“ nach 2004. Diesmal aber mit anderen Voraussetzungen. Yvonne absolviert gerade ihr Auslandssemester hier, wir haben bis jetzt beide Unterschlupf bei guten Freunden und weitläufiger Verwandtschaft gefunden und ja, wir haben beide gut zu tun. Die Eine steckt schon mitten drin, bei dem Anderen geht es in gut 4 Wochen los. Aber immer schön der Reihe nach!

Abschied aus Indien. Zum Schluß ist es mir wirklich schwer gefallen Abschied zu nehmen. Wie schon erwähnt, aus der Antipathie ist zum Schluss eine handfeste Liebe geworden – eine Liebe zum Chaos, zu den Menschen und zu den vielen Dingen, die mein tagtägliches Leben in Delhi ausgemacht haben. Ich werde es vermissen und ich denke ich Moment trotz Yvonne an meiner Seite sehr oft an das zurück, was ich noch vor einer halben Woche um ich hatte und was mein dortiges Leben war. Die Gründe sind simpel:  Man hat sich mit der Situation in Indien arrangiert und Australien hat sich verändert. Es hat sich sehr verändert und wie ich finde nicht unbedingt nur zu seinem Besten. Brisbane ist wirklich schön geworden – wo früher noch Brachland war, stehen 5 Jahre später Hochhäuser und Shoppingmalls. Und genau da fängt das Dilemma an. Nicht, dass ich es nicht mag einkaufen zu gehen, aber man wird förmlich überschlagen und es dreht sich alles nur um das eine – Kaufen, kaufen, kaufen! Nach Indien, wo man so ziemlich alles irgemdwo auf dem Bazaar oder vom Markt bezogen hatte, schon eine echte Umstellung, wenn auf einmal wieder alles überall und jederzeit verfügbar ist. Das wird dem deutschen Leser warscheinlich jetzt komisch vorkommen, aber es ist wirklich ungewohnt und der Überfluss macht einem nach Indien nur zu schaffen, wenn man sieht, dass es dort Menschen gibt, die nichts hatten – absolut nichts. Hinzu kommen die Preise. Australien / Brisbane ist extrem teuer geworden, wie ich finde. Vielleicht mag das an meiner im Moment doch recht begrenzten Reisekasse liegen, jedenfalls scheint uns und den Australiern ein Land wie Indien um Längen voraus zu sein, denn hier weiß man, dass ein Teller mit ordentlich Futter drauf nicht gleich mal 20A$ kosten muss und dass das in keinerlei Verhältnis zueinander steht. Australien scheint mir demnach nicht mehr das Backpacker-Traumland zu sein, das es einmal war. Ich hoffe der Eindruck verändert sich wieder – denn an und für sich ist es sehr schön hier, nur eben nicht gerade Low-Budget-Touri-freundlich.  😉 Punkt drei und gleichzeitig der schwerwiegendste: das Feiern. Ich bin kein Kind von Traurigkeit, das weiß jeder und exzessives Feiern ist mir ebenso in die Blutbahn gelegt wie Blödsinn machen und Durchdrehen, wenns sein muss. Aber die Feierkultur der Aussis ist echt krass. Es geht wirklich nur noch ums Saufen! Lyndas Geburtstagsparty war gleichzeitig meine Welcome-Party – ich habe mich sehr darüber gefreut, auch wenn ich warscheinlich der letzte Gast war, der aufgekreuzt ist. Gefeiert wurde stilecht in einem Hotel und was 2004 noch Party mit Alkohol war, ist mittlerweile Alkohol mit Party geworden. Es konnte keiner mehr gerade blicken und man schießt sich völlig ab. Bis zum Umfallen. Deutsche Azubis in der Türkei scheinen da wirklich noch einen Heiligenschein zu tragen. Ich weiß gerade nicht, ob ich nach Indien zu spießig geworden bin, aber ich meine auch hier gut gefeiert zu haben und der ein oder andere Kater war auch am nächsten Morgen drin. Aber das hier ist der schiere Wahnsinn, wirklich – ich übertreibe nicht! Vor meinem Flug nach Australien habe ich in einer „Brigitte-Studie“ gelesen, dass über 60% aller Über-18-Jährigen regelmäßig Alkohol trinken und in die Kategorie „Gewohnheitstrinker“ fallen. Denke ich zurück, dann ist das definitiv der Fall, wenn nicht sogar noch krasser.

Okay, genug lamentiert. Vielleicht bin ich auch einfach nur zu geflasht, obwohl ich die Herfahrt zu Yvonne und Lynda eher als gewöhnliche Nachtfahrt durch eine deutsche Großstadt empfand. Australien und Deutschland sind sich im Bezug mit Indien doch seeehr ähnlich. Aber warscheinlich wäre mir eine Umstellung in Deutschland ebenso schwer gefallen wie es gerade jetzt der Fall ist.

Trotz aller ersten Eindrücke (die zugegeben nicht unbedingt die Besten sind), habe ich aber auch schon wieder einige Plätze aufgesucht, die meinen Aufenthalt in 2004 geprägt haben. Da wären zum Beispiel die Alliance Tavern, die mittlerweile einen neuen Betreiber gefunden hat und sich total verändert hat. Mein Zimmer von damals exisitiert nicht mehr, es ist ein Immobilienbüro eingezogen, aber die Bar und das Restaurant sind noch immer da, auch wenn der Charme von damals und die Urigkeit (das hat mit Lynda bestätigt) verloren gegangen ist. Das Bier schmeckt nach wie vor sehr gut (mein Gott, ich verfalle dem Sog! 😉 ), aber sonst ist nicht viel von „damals“ geblieben. Was aber geblieben ist, Sushi zum Dönerpreis! Nach 3 Monaten auf Abstinenz war das auch mal wieder bitter nötig und so kam es, dass Wonni, Lynda, Kristina und ich Sonntag Abend erstmal richtig die Schälchen haben klappern lassen und für knapp 110$ reingehauen haben, was das Zeug hielt. Es war auch weniger verwunderlich, dass ich der „Schälchenkönig“ war – es war einfach zu gut nach so langer Zeit – und endlich mal mit der Garantie nicht an Durchfall, Hepatitis oder sonst was am nächsten Tag flach zu liegen… 🙂

Mittlerweile haben sich auch einige Neuerungen in punkto Jobs ergeben. Gerade habe ich mit Lynda ausgemacht, dass ich in der kommenden Woche als Gardener im Childcare anfangen werde. Es müssen wohl einige Dinge im Garten des Centers erledigt werden und da will ich mich für die ganze Gastfreundlichkeit hier mal erkenntlich zeigen. Viel wichtiger aber eine Zusage aus Melbourne, von der ich bei der Anzahl an eingehender Bewerbungen nicht gedacht hätte, dass es tatsächlich mich trifft. Die Deutsche Schule in Melbourne hat noch am letzten Arbeitstag in Delhi mit mir und meinen dortigen Chefs Kontakt aufgenommen und sich intensiv über mich erkundigt. Ein Interview mit meiner Cheffin, ein Interview mit mir und einige Mails zwischen den Parteien und das Resultat steht fest: ab 21. April 2009 werde ich für 10 Wochen eine Assistenzstelle an der Deutschen Schule in Melbourne anfangen. Angesichts der Tatsache, dass es insgesamt um die 10 Bewerbungen täglich sind, die „reinkommen“, macht es mich besonders stolz der Auserwählte zu sein und ich bin gespannt was auch mich zukommt… In jedem Fall werde ich hier meine Kenntnisse und Fähigkeiten aus Delhi noch vertiefen können. Ich freue mich drauf zumal die zwei Monate Westküste im Anschluss mit Wonni dadurch dann mehr als gerechtfertigt sind. 😉 (gelle, Mom und Homer!?)

Gut, das soll´s dann erstmal gewesen sein. Viel ist bisher noch nicht passiert. Am Wochenende geht´s erstmal nach Byron Bay, wo ich mich mal am Wellenreiten versuchen will und wo Yvonne ihren Bikini-Spleen in vollen Zügen ausleben kann (kaufen, kaufen, kaufen!). Die Woche danach wie gesagt Gardening und über Ostern nach Gympie zu Achim (dem ich noch ne Flasche Bombay Saphyre organisieren muss, da man mir die erste abgenommen hat im Flieger…). Vom 12. – 20. April dann nach Tasmanien und dann erstmal wieder Arbeit! Bis dahin noch Praktikumsbericht tippen.

Also, bis die Tage. Ich bin gerade beschäftigt – Mannie der 5monatige Haushund braucht gerade seine Schmuseeinheit.

Grüße aus sonnig bis schwül-warm Brisbane / Queensland.

Michael

PS. Bilder vom Farewell in Delhi >>HIER<<

PPS. Benni, Heike und Christina – euch Dreien eine gute Heimreise aus Indien!