Flash, zweite Runde… Down Under

Sowohl zweite Runde in punkto Auslandsaufenthalt. Nach Indien ist Australien soz. die zweite größere Station meiner Reise und zudem mein zweiter Aufenthalt auf der „Insel“ nach 2004. Diesmal aber mit anderen Voraussetzungen. Yvonne absolviert gerade ihr Auslandssemester hier, wir haben bis jetzt beide Unterschlupf bei guten Freunden und weitläufiger Verwandtschaft gefunden und ja, wir haben beide gut zu tun. Die Eine steckt schon mitten drin, bei dem Anderen geht es in gut 4 Wochen los. Aber immer schön der Reihe nach!

Abschied aus Indien. Zum Schluß ist es mir wirklich schwer gefallen Abschied zu nehmen. Wie schon erwähnt, aus der Antipathie ist zum Schluss eine handfeste Liebe geworden – eine Liebe zum Chaos, zu den Menschen und zu den vielen Dingen, die mein tagtägliches Leben in Delhi ausgemacht haben. Ich werde es vermissen und ich denke ich Moment trotz Yvonne an meiner Seite sehr oft an das zurück, was ich noch vor einer halben Woche um ich hatte und was mein dortiges Leben war. Die Gründe sind simpel:  Man hat sich mit der Situation in Indien arrangiert und Australien hat sich verändert. Es hat sich sehr verändert und wie ich finde nicht unbedingt nur zu seinem Besten. Brisbane ist wirklich schön geworden – wo früher noch Brachland war, stehen 5 Jahre später Hochhäuser und Shoppingmalls. Und genau da fängt das Dilemma an. Nicht, dass ich es nicht mag einkaufen zu gehen, aber man wird förmlich überschlagen und es dreht sich alles nur um das eine – Kaufen, kaufen, kaufen! Nach Indien, wo man so ziemlich alles irgemdwo auf dem Bazaar oder vom Markt bezogen hatte, schon eine echte Umstellung, wenn auf einmal wieder alles überall und jederzeit verfügbar ist. Das wird dem deutschen Leser warscheinlich jetzt komisch vorkommen, aber es ist wirklich ungewohnt und der Überfluss macht einem nach Indien nur zu schaffen, wenn man sieht, dass es dort Menschen gibt, die nichts hatten – absolut nichts. Hinzu kommen die Preise. Australien / Brisbane ist extrem teuer geworden, wie ich finde. Vielleicht mag das an meiner im Moment doch recht begrenzten Reisekasse liegen, jedenfalls scheint uns und den Australiern ein Land wie Indien um Längen voraus zu sein, denn hier weiß man, dass ein Teller mit ordentlich Futter drauf nicht gleich mal 20A$ kosten muss und dass das in keinerlei Verhältnis zueinander steht. Australien scheint mir demnach nicht mehr das Backpacker-Traumland zu sein, das es einmal war. Ich hoffe der Eindruck verändert sich wieder – denn an und für sich ist es sehr schön hier, nur eben nicht gerade Low-Budget-Touri-freundlich.  😉 Punkt drei und gleichzeitig der schwerwiegendste: das Feiern. Ich bin kein Kind von Traurigkeit, das weiß jeder und exzessives Feiern ist mir ebenso in die Blutbahn gelegt wie Blödsinn machen und Durchdrehen, wenns sein muss. Aber die Feierkultur der Aussis ist echt krass. Es geht wirklich nur noch ums Saufen! Lyndas Geburtstagsparty war gleichzeitig meine Welcome-Party – ich habe mich sehr darüber gefreut, auch wenn ich warscheinlich der letzte Gast war, der aufgekreuzt ist. Gefeiert wurde stilecht in einem Hotel und was 2004 noch Party mit Alkohol war, ist mittlerweile Alkohol mit Party geworden. Es konnte keiner mehr gerade blicken und man schießt sich völlig ab. Bis zum Umfallen. Deutsche Azubis in der Türkei scheinen da wirklich noch einen Heiligenschein zu tragen. Ich weiß gerade nicht, ob ich nach Indien zu spießig geworden bin, aber ich meine auch hier gut gefeiert zu haben und der ein oder andere Kater war auch am nächsten Morgen drin. Aber das hier ist der schiere Wahnsinn, wirklich – ich übertreibe nicht! Vor meinem Flug nach Australien habe ich in einer „Brigitte-Studie“ gelesen, dass über 60% aller Über-18-Jährigen regelmäßig Alkohol trinken und in die Kategorie „Gewohnheitstrinker“ fallen. Denke ich zurück, dann ist das definitiv der Fall, wenn nicht sogar noch krasser.

Okay, genug lamentiert. Vielleicht bin ich auch einfach nur zu geflasht, obwohl ich die Herfahrt zu Yvonne und Lynda eher als gewöhnliche Nachtfahrt durch eine deutsche Großstadt empfand. Australien und Deutschland sind sich im Bezug mit Indien doch seeehr ähnlich. Aber warscheinlich wäre mir eine Umstellung in Deutschland ebenso schwer gefallen wie es gerade jetzt der Fall ist.

Trotz aller ersten Eindrücke (die zugegeben nicht unbedingt die Besten sind), habe ich aber auch schon wieder einige Plätze aufgesucht, die meinen Aufenthalt in 2004 geprägt haben. Da wären zum Beispiel die Alliance Tavern, die mittlerweile einen neuen Betreiber gefunden hat und sich total verändert hat. Mein Zimmer von damals exisitiert nicht mehr, es ist ein Immobilienbüro eingezogen, aber die Bar und das Restaurant sind noch immer da, auch wenn der Charme von damals und die Urigkeit (das hat mit Lynda bestätigt) verloren gegangen ist. Das Bier schmeckt nach wie vor sehr gut (mein Gott, ich verfalle dem Sog! 😉 ), aber sonst ist nicht viel von „damals“ geblieben. Was aber geblieben ist, Sushi zum Dönerpreis! Nach 3 Monaten auf Abstinenz war das auch mal wieder bitter nötig und so kam es, dass Wonni, Lynda, Kristina und ich Sonntag Abend erstmal richtig die Schälchen haben klappern lassen und für knapp 110$ reingehauen haben, was das Zeug hielt. Es war auch weniger verwunderlich, dass ich der „Schälchenkönig“ war – es war einfach zu gut nach so langer Zeit – und endlich mal mit der Garantie nicht an Durchfall, Hepatitis oder sonst was am nächsten Tag flach zu liegen… 🙂

Mittlerweile haben sich auch einige Neuerungen in punkto Jobs ergeben. Gerade habe ich mit Lynda ausgemacht, dass ich in der kommenden Woche als Gardener im Childcare anfangen werde. Es müssen wohl einige Dinge im Garten des Centers erledigt werden und da will ich mich für die ganze Gastfreundlichkeit hier mal erkenntlich zeigen. Viel wichtiger aber eine Zusage aus Melbourne, von der ich bei der Anzahl an eingehender Bewerbungen nicht gedacht hätte, dass es tatsächlich mich trifft. Die Deutsche Schule in Melbourne hat noch am letzten Arbeitstag in Delhi mit mir und meinen dortigen Chefs Kontakt aufgenommen und sich intensiv über mich erkundigt. Ein Interview mit meiner Cheffin, ein Interview mit mir und einige Mails zwischen den Parteien und das Resultat steht fest: ab 21. April 2009 werde ich für 10 Wochen eine Assistenzstelle an der Deutschen Schule in Melbourne anfangen. Angesichts der Tatsache, dass es insgesamt um die 10 Bewerbungen täglich sind, die „reinkommen“, macht es mich besonders stolz der Auserwählte zu sein und ich bin gespannt was auch mich zukommt… In jedem Fall werde ich hier meine Kenntnisse und Fähigkeiten aus Delhi noch vertiefen können. Ich freue mich drauf zumal die zwei Monate Westküste im Anschluss mit Wonni dadurch dann mehr als gerechtfertigt sind. 😉 (gelle, Mom und Homer!?)

Gut, das soll´s dann erstmal gewesen sein. Viel ist bisher noch nicht passiert. Am Wochenende geht´s erstmal nach Byron Bay, wo ich mich mal am Wellenreiten versuchen will und wo Yvonne ihren Bikini-Spleen in vollen Zügen ausleben kann (kaufen, kaufen, kaufen!). Die Woche danach wie gesagt Gardening und über Ostern nach Gympie zu Achim (dem ich noch ne Flasche Bombay Saphyre organisieren muss, da man mir die erste abgenommen hat im Flieger…). Vom 12. – 20. April dann nach Tasmanien und dann erstmal wieder Arbeit! Bis dahin noch Praktikumsbericht tippen.

Also, bis die Tage. Ich bin gerade beschäftigt – Mannie der 5monatige Haushund braucht gerade seine Schmuseeinheit.

Grüße aus sonnig bis schwül-warm Brisbane / Queensland.

Michael

PS. Bilder vom Farewell in Delhi >>HIER<<

PPS. Benni, Heike und Christina – euch Dreien eine gute Heimreise aus Indien!

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