Männer-WG-(T)räume

Ein kleines Weilchen ist schon vergangen seit dem letzten Post. Tasmanien ist mittlerweile schon fast eine Woche her und die erste Woche meines Praktikums in Melbourne liegt bereits hinter mir. Insegesamt also zwei Wochen mit allerlei Eindrücken, Erlebnissen und noch mehr Ausgaben. Wie immer alles der Reihe nach.

Ostersonntag ging es los – auf Richtung Tasmanian Island, der Insel, die nicht nur aus der Luft betrachtet aussieht als sei es ein Teufelskopf – hier leben sie auch, die tasmanischen Teufelchen, die aussehen wie Mephisto im Pelzkostüm und Laute von sich geben, als würde man ein Kleinkind quälen. (Erfahrungen im Kinderquälen kann ich allerdings nur aus dem Sek.  I – Bereich / Mittelschule aufweisen). Nach knappen 3h Flug von Brisbane nach Hobart trafen Yvonne und ich uns mit zwei ihrer Mitstudentinnen und nach einem etwas kompakteren Sightseeing in Hobart (die Stadt hat nicht wirklich spekatukuläre Dinge aufzuweisen – vielleicht die Cascade-Brauerei), haben wir uns entschieden bereits einen Tag früher das Auto anzumieten und sind seit dem gute 3500 km über die Insel gedüst. Betrachtet man die Entfernungen auf der Straßenkarte, dann bekommt man schnell den Eindruck alles sei ein Katzensprung. Fährt man dann aber diese Strecken, so kann eine 90 km Fahrt schon gerne mal 2-3 h in Anspruch nehmen. Belohnt wird das Ganze dann aber auch mit einer hammerharten Natur, die einem wirklich alles bietet und einen irgendwie immer wieder an Irland erinnert, nur eben ohne Iren, sondern Australiern. (Wonni hat auch die Steinzäune zur Eingrenzung der Weiden vermisst, die sie 2006 so grandios umgeschubst hat!)

In jedem Fall waren es 8 wirklich schöne Tage auf der Insel, die uns allle Wetterlagen bescherten. Angefangen bei 25 Grad und Sonnenschein pur bis zu 2 Grad mit Schneefall, Flachland mit endlosen Weiden und Wäldern bis hin zu spektakulären Küstenabschnitten, Stränden, Bergmassiven – es war einfach alles dabei und der Blick aus dem Auto wurde nie langweilig. Jede Menge Tracks und Wanderungen in Wäldern, an Seen, Gebirgen und Höhlen haben dann die Fahrerei lohnenswert gemacht und es wurde eine sehr gute Woche mit jeder Menge frischer Luft, wundervollen Aussichten und noch besserem Essen. Als anerkannter Schweinemagen probiere ich eben alles, was man probieren kann und was der Geldbeutel zulässt. Und da waren diesmal einige Schmeckerchen dabei – ich sage nur das traditionelle Inselsteak (minimum 300g), Austern, Jakobsmuscheln und allemöglichen Biersorten. Es war ein Hochgenuss und nach indischer Schärfe eine willkommene Abwechslung für meine Magenwände. 🙂

Die Woche war natürlich viel zu schnell vorbei und am vergangenen Montag ging es dann zurück nach Brisbane, wo mir ganze 18h blieben um Wäsche zu waschen, meinen Krempel zusammen zu lesen, Tasche zu packen und mich wieder auf den Weg zum Flughafen zu machen um nach Melbourne zu kommen, wo ich seit Dienstag an der Deutschen Schule bin. Zwischenrein wurde noch Wonnis Geburtstagsparty im Deckerschen Hause und im Cloudland geschoben, einem bei Wonni und Co ziemlich angesagten Club, der einem von der Innenausstattung her wirklich staunen läßt (den man mit Turnschuhen nur leider nicht betreten darf, wie ich anfangs erfahren durfte) 🙂 – nach anfänglicher Rebellion gegen diese faschistoide Handhabe eingelassener Partygäste, bin ich letztlich mit Achims Ledertretern hereingelassen worden, was mich trotzdem nicht davon hat abhalten lassen beim Herausgehen stolz und barfuß am Einlasser vorbeizugehen und ihm noch nen Spruch an den Kopf zu werfen – Einlaßverbot auf Lebenszeit inklusive, vermute ich mal – aber das war´s mir wert ! Fucker! 🙂

Stark verkatert bin ich dann Dienstag Morgen losgestolpert – in letzter Minute habe ich dann doch noch alles zusammengepackt bekommen und zum ersten Mal nichts irgendwie und irgendwo liegenlassen. Ich bin komplett in Melbourne angekommen, yesss! Und hier bin ich seit Dienstag auch untergebracht im Greenhouse Backpackers, dem Gewinner für Australiens beste Backpacker-Unterkunft 2005 und 2006 sowie des Victorian Tourism Awards 2004. Zugegeben, das hat meine Auswahl schon derb beeinflusst, aber von alledem scheint 2009 nicht mehr viel übrig zu sein. Ok, die Rezeption ist nett, es ist alles da was man braucht, aber an Sauberkeit und Komfort bricht man sich hier definitiv keinen ab und jeder macht irgendwie sein Ding. Sagte ich jeder? Ein fast jeder, immerhin gibt es da noch Zimmer 5.07, mein Kabuff, dass ich mir mit 5 anderen Herrschaften teile.

Ich stelle kurz vor: Dave – Kiwiguy (Neuseeländer, trinkfest, 24), Joe – Dutchman (Holländer, Frauenheld), Hong – Koreaner und computerkrank, Jeremy – 1/2 Rockstar (Australier, abenteuerlustig, schnarcht nicht!!!) und der unbekannte 5. Asiate im Raum, den keiner kennt, den man nachts aber immer hört, weil er schnarcht und schmatzt, wie eine Sau – ehrlich! Die rücksichtsvollsten sind wir nicht wirklich, aber es geht gut zusammen. Eine Episode der vorletzten Nacht wird mir trotzdem noch eine Weile in Erinnerung bleiben, einfach weil sie zu abartig, lustig und gleichzeitig zu typisch für das Backpackerdasein hier in Australien ist. Wir schreiben 24Uhr – Jeremy und ich stolpern vom Dach des Backpackers, wo sich eine Art Biergarten befindet ins unsere Betten (nüchtern!!!) und werfen uns ins Bett. Zwei Uhr knallt die Tür auf, Dave kommt hereingepoltert, lallt wie ein Seemann und wirft sich ins Bett. Dave ist wirklich trinkfest und hat am Vorabend allen eindrucksvoll bewiesen, wie schnell er einen Liter Weißwein wegkippen kann und dann noch gerade laufen kann. Er sieht aus wie eine Mischung aus Mr. Bean und Robert Redford (also Trottel und Pferdeflüsterer) und benimmt sich auch so. Nach diesem Eintreten erstmal Ruhe. Drei Uhr – Frauenschwarm Joe betritt das Zimmer. Wie die Nächte davor, ist er auch diesmal nicht allein. Eine Australierin im Schlepptau und auch einigen Bierchen intus wollte er wahrscheinlich noch eine Grundsatzdiskussion im australischen Steuerrecht mit ihr führen, dazu kam es leider nicht. Mehr dazu später, genauer gesagt um 4.30Uhr. Jeremy brüllt los, Dave schmatzt und hustet aus seiner Ecke, Hong kichert und sein Laptop gibt irgendwelche Ballergeräusche von sich. Ich mit meinem Bärenschlaf werde wach und die Situation läßt sich nur mit einem Satz wiedergeben: „Das findet jetzt hier nicht wirklich gerade statt!?“

Dave hat seit seiner Ankunft im Zimmer nur gekotzt, zum Glück hatte er den Mülleimer noch gefunden und ne Plastiktüte mit ins Bett genommen. Seine Rülpser und Kotzgeräusche waren einfach widerlich. Ich habe nur einmal um die Ecke geschaut, um zu checken ob er noch lebt, nachdem 2 min keine Kotzgeräusche kamen. Er saß aufrecht im Bett und grinst mich an – „Everythings allright, dude!“ – Alles klar! Im Nebenbett die Diskussionsrunde aus Joe-Dutchman und der Australierin. Irgendwie haben sie ihre Diskussion fallengelassen und die körperliche Auseinandersetzung gesucht – im Klartext, die beiden rammeln wie die Kaninchen und Jeremy ist vom wackelnden Doppelstockbett aufgewacht – wie die Nacht zuvor, wie er mir später erzählte. Und unter mir Hong: sein Kichern schließe ich im Nachhinein auf die peinliche Situation, in der er sich als prüder Koreaner befand. „Mittendrin statt nur dabei!“ – dazu noch sein Laptop mit irgendwelchen kranken Ballerspielen, die er sich den ganzen Tag gibt – immerhin kümmert er sich gerade um einen tabellarischen Lebenslauf auf Englisch – es sei erwähnt, dass er in Melbourne Englische Literatur studiert und er kein Wort Englisch spricht. Vermutlich ein Ersti – hoffentlich! 🙂 In jedem Fall konnte ich es mir in diesem Moment nicht nehmen lassen aufzustehen und nochmal aufs Klo gehen – mein Aufstehen hat zumindestens für Ruhe gesorgt, zumindestens bei Dave, der mittlerweile eingeschlafen ist und bei Hong, dessen Stromkabel ich einfach gekappt habe. Joe-Dutchman und seine Diskussionspartnerin waren anscheinend auch fertig als ich wieder ins Bett kam und Jeremy hat geschlafen. Der unbekannte 5. im Raum war gar nicht erst gekommen – ich vermute er ist ein Geheimspion der chinesischen Regierung und wußte von allem im Vorfeld.

Das war in jedem Fall eine der beschissensten Nächte im 6er-Dorm, die ich jemals hatte. Joe hab ich am Morgen das letzte Mal gesehen, er ist abgereist und auch Jeremy ist wieder in Brisbane, wo er herkommt.  Man nimmt es aber mit Humor, immerhin haben wir alle noch dumme Sprüche gerissen über die Aussetzer der Anderen in der Vornacht – meine Weste war rein!!! Die Lehre war folgende: Ich ziehe auch aus. Momentan suche ich mir ein Zimmer irgendwo in Melbourne, denn das Praktikum an der deutschen Schule läuft mittlerweile, wenn auch nicht ganz so, wie ich es mir vorgestellt habe. Vielleicht noch ein paar Zeilen hierzu.

Die Schule ist wirklich schön, wenn auch sehr klein. Ich hatte ja bereits erwähnt, dass es momentan nur 23 Schülerinnen und Schüler gibt und gerade mal 5 Lehrer, von denen gerade mal eine als Ortslehrkraft des Bundeslandes Baden-Württemberg angestellt ist. Der ganze Rest ist (wie an Privatschulen üblich) von der Schulleitung eingestellt worden, weil sie a) pädagogische Erfahrungen mitbringen aus Berufen im Vorfeld oder b) fachliche Kompetenzen aufweisen. Also in keinster Weise zu vergleichen mit einer staatlichen Schule in Deutschland oder auch nicht zu vergleichen mit Delhi. Und trotzdem hochspannend mitzuverfolgen, wie eine so kleine und vor allem junge Schule aus den Startlöchern kommt und in Richtung anerkannte Schule im Ausland hinarbeitet. Meine Unterstützung hat sie in jedem Fall und da im Moment ein Schwimmlager auf dem Plan steht, habe ich auch nicht den Stress und derartige Hostel-Kapriolen sind wegsteckbar. Mehr als am Beckenrand stehen und eine Stunde Deutsch, Mathe und Englisch am Anfang eines Schultages ist bisher nicht gelaufen. Das Problem bringt nur eine Sache mit sich: das liebe Geld. Ich hatte ja bereits erwähnt, dass Australien sehr sehr teuer geworden ist. Im Vergleich zu 2004 haben sich so manche Preise fast verdoppelt und Lebenshaltungskosten sind in die Höhen geschossen. Ein Monatsticket der Straßenbahn im Melbourne kostet bspw. 189 A$ knappe 100 €, wenn man den momentanen (ziemlich bescheidenen) Wechselkurs anschaut. Nicht gerade wenig, aber leider Tatsache. Ein Zimmer ist nicht für unter 100 € die Woche zu  haben, was nicht voraussetzt, dass es ordentlich und möbliert ist. Am Mittwoch habe ich mir ein Zimmer angeschaut, wo es selbst mir die Fußnägel hochgekrempelt hat. Wochenpreis 150A$, ungefähr 80€ – nicht unbedingt das teuerste, aber für 3 verschimmelte Matrazen an eine Wand gelegt, ein kaputtes Fenster, spärlich mit einer Decke abgedeckt und unzähligen Europaletten im Zimmer, samt kauppten Lampen und zertretenen Ostereiern auf dem Boden nicht unbedingt das, was ich mir für die kommenden Wochen vorstelle – die Küche möchte ich gar nicht erst erwähnen. Einziger Vorteil: Die Toilette hatte einen Sitz, wo nur der Deckel gefehlt hat. Lichtblick in dieser nicht ganz alternativfreien WG. Auf meinen Rückruf wartet Will, der Ire bis heute.

In jedem Fall ist die Schule nicht in der Lage finanzielle Unterstützung zu geben. Es scheint so, als dass dies in keinem Fall möglich ist, da momentan die Schule selbst am Hungertuch nagt und alle Ausgaben gründlich diskutiert werden. Beim Staff-Meeting am vergangenen Dienstagabend bin ich bereits Zeuge davon geworden und kann davon ausgehen, dass die Tatsachen so stimmen. Die Kassen sind leer – fast wie zu Hause. 🙂 Fakt ist jedoch, dass ich nicht in der Lage bin 10 Wochen komplett aus eigener Tasche zu bezahlen, das habe ich in einem Kadergespräch am Freitag hervorgebracht und zu verstehen gegeben. Irgenwie muss auch etwas Bares reinkommen. Bei errechneten Monatskosten von über 1000€ ist das nicht möglich, zumal ich nicht nebenbei jobben darf, mein Visum gibt das nicht her und schwarz mache ich nach dem Trara mit meinem Visum keinen Ärger hier. Am Montag wird sich entscheiden, ob sich vielleicht doch etwas locker machen läßt, die Schulleiterin wird sich darum kümmern, hat sie mir versprochen. Ansonsten ist hier nach 5 Wochen Schluß und es geht zurück nach Brisbane, wo ich bei Achim und Lynda Malerarbeiten erledigen werde (im Childcare – als Freundschaftsleistung versteht sich 😉 – nicht dass hier noch die australische Steuerfahndung mitliest). Einen Gärtner-„Freundschaftsdienst“ in Gympie habe ich auch in Aussicht und dann war ja noch das Ding mit dem Hochseefischer. In jedem Fall mangelt es im Norden nicht an Alternativen und 5 Wochen reichen auch aus, wenn man es zum Nulltarif macht – anders ist es im Moment nicht möglich zumal  die Unterkunft in Brisbane / Gympie schon mal 400 € im Monat ersparen könnte. Aber die Entscheidung fällt am Montag, mit Sicherheit – die Tendenz steht fest. Weg hier, nicht weil es mir nicht gefällt – im Gegenteil, sondern weil die Umstände einfach zu schlecht sind hier wirklich Fuß fassen zu können – ein erster Tiefschlag nach 8 Monaten im Ausland. Aber das gehört dazu! Jeremys Zitat ist da nur zu passen: „How the hell did you find after only one day a job in this bloody city?“ – Tja, lieber Jeremy, du musst flexibel sein, zum Nulltarif arbeiten und dazu noch jeden Scheiss machen! Einfaches Konzept zur Bekämpfung der Wirtschaftskrise! – Marke Michael und sicherlich nicht ganz sinnvoll! 😉

Außerdem wartet da „oben“ ja noch Wonni und die ist immer eine Reise wert, so wie am kommenden Wochenende, wenn sie herkommt, oder das Wochenende danach, wenn wir unser „Retrospective Weekend in Sydney“ feiern! 😉

„Aus einem Stolperer einen Hopser machen!“ – das hat meine Oma (Weltenbummlerin) mal gesagt, und das mache ich jetzt! Hoffe, sie hat das nicht nur auf ihre Wandertouren im Commonwealth und durch die Sahara bezogen. 😉

Ich nehme es mit Humor, Spaß habe ich jedenfalls genug hier und in Zeiten leerer Kassen und tagtäglicher Hiobsbotschaften in den Medien könnte meine Lage durchaus schlechter sein.

Viele Grüße daher aus Melbourne, ich suche mir jetzt mal was zum Essen.

Michael

PS: Bilder aus Tasmanien werden nachgereicht, ist im Moment nicht möglich und in Melbourne blieb die Linse bisher verschlossen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: