Vom verzweifelten Versuch einen Brief abzuschicken

Die Geschichte grenzt schon fast an Blasphemie, bzw. ist eigentlich viel zu armseelig um sie hier aufzuschreiben. Trotzdem möchte ich dem aufmerksamen Leser dieses Blogs dieses Armutszeugnis australischer Behörden nicht vorenthalten – vielleicht auch um Nachahmer davor zu schützen…

Das Ganze begann vor exakt einem Monat in Brisbane. Wer in Australien mit Kindern arbeiten möchte, der braucht ein bestimmtes Zertifikat, welches eine sonders dafür eingerichtete Behörde eigentlich (!!!) ohne Umwege ausstellt. Alles was man dazu machen braucht, ist ein bestimmtes Formular, ein Foto und einen Kugelschreiber um die wenigen Details zur eigenen Person und des Arbeitgebers zu ergänzen. Kein Ding, wenn man davon ausgehen darf, dass es einzig und allein dem Schutze der Kids dient. Ein großes Ding jedoch, wenn man diesen „kleinen Check“ durch einen bürokratischen Wirrwar jagt, der seines Gleichen sucht und sogar die deutsche Bürokratie weit in den Schatten stellt, ganz ehrlich.

Ich brauche in jedem Fall für meine Arbeit in Melbourne an der DSM dieses Zertifikat. Dafür habe ich mir nach Brisbane den Antrag schicken lassen – funktionierte einwandfrei (das Einzige allerdings bei der ganzen Sache). Ausgefüllt habe ich das Ding auch, doch dann kan Problem Nr. 1: Man muss sich in dreifacher Ausführung identifizieren, wenn man den Brieg abschickt. Heißt: Ich muss eine Kopie meines Reisepasses mitschicken, eine Kopie meines Visums, eine Kopie meines Mietvertrages, eine Kredit – oder Geldkartenabrechnung oder eine Telefonrechnung nicht älter als 3 Monate ebenfalls als Kopie. Und hier fing der ganze Schlamassel auch an.  Ich habe mir vorgenommen diesen Brief persönlich auf dem Postoffice in Melbourne abzugeben – die Möglichkeit ist die einfachste und sicherste (wahrscheinlich auch die sinnfreiste und bürokratischste, die man wählen kann). Ich bin Reisender, führe also nichts weiter mit mir als meinen Reisepass. Einen Mietvertrag bekomme ich als Tourist nicht, ebenso wenig einen Telefonvertrag – was auch beides nicht in meiner Absicht hier liegt. Mann, ich suche Freiheit und keine Wohnung, ihr Kackbratzen!!! 😉 (Sorry, für den Aussetzer!) – Noch nicht einmal ein Visum kann ich vorweisen, denn als „eTourist“ bekommt man (wie der Name schon sagt) nur ein eVisum, was einem keinen „tollen bunten Sticker“ in den Pass beschert, sondern nur einen Stempel zur erfolgreichen Einreise. Alles andere ist digital beim Immigrationsbüro gespeichert.  Also fehlten mir letztlich letztere drei wichtige Dinge um wirklich zu klären, dass das da meine Person ist, die vor der nicht englisch-sprechenden asiatischen Angestellten steht (hier sollte man meiner Meinung nach anfangen Personal gewissenhafter auszuwählen!!!). Nach langer Diskutiererei habe ich mir eine Bestätigung meines Hostels besorgt, dass ich dort wohne, quasi als Mietbestätigung. Eine Telefonrechnung habe ich bis heute nicht. Mein nächster Gang war zum Immigration Office in Melbourne (bereits das Zweite Office, dass ich in Australien sehen durfte, nachdem man meinen „eAntrag“ für ein passendes VIsum im Februar ver-„e“-schlampt hat). Hier konnte man mir nach 2h Warterei „helfen“ indem man mir einen Ausdruck in die Hand gab, welcher mein Visum bestätigt und den genaueren Typus beschreibt (eVisa – Tourist!!! – Wow, das hätte ich mir online ausdrucken können und kann man sich fälschen wie man lustig ist). In jedem Fall paßt dieses Schreiben auch nicht ins Raster einer einwandfreien Identifizierung meiner Person, da es ausdrücklich erwähnt, dass es nicht unbedingt ich sein muss, der dieses Schreiben mit meinem Paß, welcher mein Foto, meinen Fingerabdruck und mein gescanntes Auge enthält, beantragt hat. Super, auch hier wieder sinnloser Weg dank sinnloser und falscher (!) Aussage des freundlichen Herren von der Infoline der Working with Children – Behörde. Ich habe es dennoch versucht und festgestellt, dass australische Postbeamte nicht nur englischfrei sind, sondern auch inkompetent wie eine Leberwurst am Rednerpult. Einer wollte mein Visum nicht anerkennen (Wow, ein Treffer!), der andere widerum fand mein Paßbild als nicht ausreichend (biometrisch einwandfrei, wie sich im Vorfeld bei mehreren Postbeamten schon bestätigt hat). Der dritte Beamte (eine Frau!!!) akzeptierte nicht, dass ich in einem Hostel wohne, den Brief vom Immigration-Office, der ausdrücklich zu verstehen gibt, dass er nicht gültig ist um meine Person zu verifizieren, war ihr egal. Spitze! Nach einer Woche sinnloser Hin- und Herrennerei ein Höchstmaß an netten Erfahrungen im Umgang mit der wirklich bemerkenswerten australischen Bürokratie und die Feststellung: Wie soll man  sich als gottverdammter Ausländer identifizieren, wenn man keine Wohnung hat (und bekommt) und ebenso wenig einen Telefonvertrag abgeschlossen hat? Denkt mal nach, ihr Bürokraten / Advokaten, was da nicht  stimmen kann! In jedem Fall muss ich dieses Zertifikat irgendwie bekommen, so meine Auffassung. Andererseits ist mir der Zutritt zur Schule verweigert – ebenso den Eltern, die diesen Wisch nicht haben… Krank! Man darf sein Kind wirklich nicht von der Schule abholen, bzw. das Schulgelände betreten, wenn man nicht über diese lustige kleine Plastikkarte mit peppig buntem Aufdruck verfügt. Mal abgesehen, dass ich über eine Woche auf illegalem Boden gestanden habe, sei mal dahingestellt. In jedem Fall ist mir gestern nach aller Rennerei der Kragen geplatzt und ich habe den Herren an der „Hotline“ richtig Dampf gemacht und ihn gefragt, wie er sich das alles vorstelle und dass ich im Ernstfall einen derben Fick auf dieses Scheißzertifikat gebe (entschuldigt diesen forschen Ton!) und einfach mein Ding mache. Der Herr, anscheinend an solche Anrufer gewöhnt, versicherte mir hoch und heilig, dass er mich zurückrufen wird, sobald er eine Lösung mit seiner Vorgesetzten gefunden hat.  Auf seinen Rückruf warte ich immernoch, aber ihm war bewußt, dass es mir ernst war. In jedem Fall habe ich mich nach 12h Warterei noch einmal begnügt und diese lustige „Hotline“ angerufen – mit dem Ergebnis, dass diesmal die „Hotline“ wirklich eine „Hotline“ war und ich dem Herren (der zufällig wieder am Apparat war) richtig Feuer gemacht habe, ob er denn denke ich sei dumm und ich im Zweifelsfall mit seinem / seiner Vorgesetzten sprechen werde. „Complaints & Compliments“ – zum Glück besitzt jede australische Webseite der Regierung einen solchen Feedback-Link und man kann nach Herzenslust motzen und meckern – nicht, dass mir sowas gefällt, aber in diesem Fall mehr als nötig. Diese Behörde weiß von diesem Problem seit über einem Jahr und ändert einfach nichts daran – wahrscheinlich eine Maßnahme der Regierung um sich arbeitnehmende Ausländer vom Hals zu halten (bei 9% Arbeitslosigkeit auf 21 Mio. Einwohner gerechnet, nicht ganz unsinnig, aber eine Frechheit für einen wohlgesinnten Europäer!)

Ich habe letztlich mit seiner Vorgesetzten gesprochen, Michelle – geschätzte 28/9 Jahre und höchst unsicher in ihrer Art. Ich habe sie heute mehrmals am Telefon gesprochen mit ihr diskutiert und ihr erklärt, dass es für mich unter keinen Umständen möglich ist diese „Identifizierungs-kriterien“ zu erfüllen. Ich bin Reisender, wohne in einem Backpackers, habe und bekomme keine Verträge – bin auch nicht gewillt für ein unbezahltes freiwilliges Praktikum derartige Dinge anzugehen. Sie hat mich verstanden und zu ihr eingeladen – in ihr Büro, in einem ca. 50-stöckigen Büroturm mit dicker Außenfassade und natürlich in staatlicher Hand. Vorbei am etwas dümmlichen Einlasser, der mich auf meine Anfrage nach Madamme Michelle nur mit der Antwort „So, you want to work with children? Sorry, mate, but you´re wrong in this building!“ abspeisen wollte, habe ich dann die „Göttin dieses Zertifikats“ persönlich gesprochen und ihr mein Leid als gemeiner Pöbel geklagt. Sie hatte ein Ohr und alles mit mitleidigem Nicken aufgenommen. Letztlich hat sie der ganze Papierkram keinen Dreck interessiert, sie hat mir einen Stempel auf den Vordruck gegeben, das Antragsformular angenommen und mich mit dem erlösenden Satz „Ich sei jetzt legal angestellt und dürfe mit Kindern arbeiten“ verlassen. Sie verstehe die strikte Handhabe der Postbeamten, die diesen Brief in Empfang nehmen. Ich habe davon nicht viel gesehen, schließlich hat jeder etwas anderes beanstandet und ich hatte echt langsam das Gefühl nur von Idioten umgeben zu sein, schließlich konnte keiner wirklich begründen warum das alles so sei. Jeder fährt sein „Schema F“ ab und denkt nicht weiter drber nach. Jedenfalls, dieser Moment hat mich fast 1,5 Wochen Nerven, Zeit und auch Geld gekostet. Es ist nicht zu glauben, aber in der Realität werden wichtige Abläufe manchmal mit einem Augenzwinkern abgetan (siehe Michelles kompetente Sachbearbeitung im Foyer des Wolkenkratzers). Wer hartnäckig bleibt gewinnt und im „Auf´s Schein gehen“ bin ich mittlerweile geübt – Indien hat sich bezahlt gemacht. Trotzdem weiß ich nicht wie oft ich „Puls 200, bald!“ hatte diese letzte Woche und kurz vorm Austicken war, denn soviel Bürokratie und Stumpfsinn auf einmal, erlebt man nicht mal als Deutscher Staatsbürger in seiner Heimat. Den Brief habe ich jedenfalls nicht abgeschickt / abschicken können. Alles der bürokratischen Handhabe meines Anliegens zu verdanken und einer Gesellschaft, in der anscheinend jeder nur stumpfsinnig seinen „Dienst nach Vorschrift“ absolviert und niemand nachdenkt, was er da eigentlich macht und wo eventuelle Fehlerquellen liegen könnten…!

Danke, Australien, aber du bist definitiv nicht mehr das, was du mal warst. Du stellst lieber illegal Menschen aus Fernost an, weil du zu hohe Steuern von arbeitenden Ausländern verlangst und kostenlos arbeitenden Reisenden legst du Steine in den Weg. Denk mal nach und ändere was!

In jedem Fall sollte sich jeder, der irgendwann einmal mit dieser oder dieser australischen Behörde / Institution zu tun hat, warm anziehen und Nerven wie Drahtseile haben. Meine Drahtseile sind haardünn geworden, da hat nicht mal mehr die indische Arschruhe und die Inselgelassenheit etwas bewirkt. Das gelobte „Easy Going“ ist definitiv Geschichte und während ich diese Zeilen schreibe, schließe ich innerlich mit diesem Kapitel ab. Es tat gut es niedergeschrieben zu haben und ich danke dem Leser für sein offenes Ohr. In ein paar Monaten werde ich wahrscheinlich drüber lachen, momentan kann ich es noch nicht…

Möge Gleichgesinnten weniger Stressiges widerfahren! Auf einen erfreulicheren Post beim nächsten Mal!

Grüße aus „freezy“ Melbourne

Michael

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