Letzte Runde, einmal um den Kontinent…

… zehn Monate auf Achse, davon seit knapp 3 Monaten Down Under, über einen Monat keinen Post mehr hier geschrieben, dafür fast 5 Wochen gearbeitet wie ein Kaputter um das Kommende zu ermöglichen. Wie immer der Reihe nach und diesmal in Kompaktform, denn die Zeit drängt und in nicht mal 6 Stunden geht der Flieger nach Adelaide… und ich wollt doch noch ne Runde schlafen.

Wieso so eine lange Sendepause? – Stress! Kurz und knapp! Im Land des Easy Going ist eben doch nicht alles so easy und nach meinem Praktikum in Melbourne habe ich mich dann doch entschieden vorzeitig abzureisen. Die Gründe waren vielseitig, vor allem aber war die fehlende Bezahlung in einer doch recht kostspieligen Stadt wie Melbourne hauptausschlaggebend. Seit dem 23. Mai bin ich nun wieder in Brisbane, genauer gesagt zum größten Teil der Zeit zwischen Gympie und Brisbane. Als „Hausmeister“ habe ich mich die letzten Wochen durchgeschlagen während Wonni ihr Auslandssemester an der QUT abgeschlossen hat – ob erfolgreich, wird sich in den kommenden Wochen herausstellen. Die Zeit habe ich genutzt um die Reisekasse etwas aufzubessern. Mein Aufgabengebiet war so vielfältig, dass ich ein wenig stolz von mir behaupten kann meine „zwei linken Hände in zwei rechte“ getauscht zu haben. In zwei Kindergärten und Vorschulen, deren Name ich aus steuertechnischen Gründen nicht verraten werde (die Farbe meiner Arbeit ist ganz offensichtlich – Wortspiel!!!), habe ich Malerarbeiten, Handwerkerarbeiten, Gärtnerarbeiten und Kurierdienste übernommen und bin in gut 5 Wochen knappe 3000 km zwischen beiden Städten gependelt. Heute war mein letzter „Arbeitstag“ und ich hielt schon mit etwas stolzgeschwellter Brust meinen Scheck im mehrfach vierstelligen Bereich in den Händen, der mir aber ebenso schnell wieder abgenommen wurde, wie er mir überreicht wurde. Der Grund: Frauen! Yvonne hat ihn sich kurzerhand geschnappt und stand schon kurz vor einem Shoppingexzess in der Mall, als sie doch noch den Weg in die Bank gefunden hat und mit einem ordentlichen Bündel Patte zurückkam. Zum Glück hat letzteres funktioniert und sie ist nicht durchgebrannt – Weiber halt! 😉 Der Camper will noch bezahlt werden und die Touren nach Kangaroo Island, ins rote Zentrum und nach Kakadu möchten bezahlt werden.

Dem aufmerksamen Leser wird auffallen, dass alle Stationen in Australien liegen, obwohl wegen Visumsschwierigkeiten doch noch ein einwöchiger Ausreisetrip zur Debatte stand. Hierzu sei erwähnt, dass sich Hartnäckigkeit manchmal lohnt und Gesetze und Verordnungen anscheinend doch nur erfunden wurden, damit man sie bricht. Der Grund ist simpel: nach 2 gescheiterten Versuchen in Brisbane und Melbourne hat meine Verlängerung doch noch geklappt. Zwei mal wurde ich abgewiesen mit der Begründung, es sei auf keinen Fall im Land verlängerbar. Der dritte Sachbearbeiter hat dann eine fünfminütige Diskussion über die besten Reiseziele in Deutschland mit uns geführt und mal ganz nebenbei mein Visum verlängert. Eine Story für sich, aber es hat letztendlich geklappt. Die Reisekasse hat sich gefreut.

Naja, und da die letzten fünf Wochen nach Melbourne vor allem durch Arbeit, Studium und Rennereien geprägt waren, ging es vor allem am Wochenende auf Achse oder auf die Piste. Ziele waren neben Byron Bay (über ein verlängertes Wochenende) auch der Australia Zoo, dem Zuhause des 2006 verstorbenen Crocodile Hunters Steve Irwin. Ich hatte ja das Vergnügen bereits 2 mal dort gewesen zu sein und nach der Euphorie von 2004 war ich diesmal (genau wie Yvonne) recht ernüchtert. Es ist unglaublich wie gut sich mit einer toten Ikone Geld verdienen lässt. Es geht in dem Zoo wirklich nur noch um die Vermarktung von Steve Irwin und seiner beiden Kinder durch seine Witwe Terry Irwin. Man hatte zwischenzeitlich den Eindruck, der Park habe mittlerweile mehr Souvenirstände und Imbissbuden als Tiere zu bieten. Die Krokodilshow war auch recht ernüchternd, ich meine mich an springende und schlagartig zuschnappende Riesenechsen erinnern zu können, diesmal haben wir „nur“ lahm rumliegende Echsen gesehen, gepaart mit ein paar Informationen zu den Überlebenskünstlern aus der Urzeit. Mag vielleicht am Wetter gelegen haben (immerhin haben wir ja mittlerweile tiefsten Winter in Queensland) oder am verwaisten Umgang mit den Tieren durch ihren „Dresseur“ Mr. Steve „The Crochunter“ Irwin. Meine Euphorie ist jedenfalls leicht verflogen und das nicht erst seit ich den geplanten Hotelkomplex gesehen habe, der direkt nebenan entstehen soll und natürlich unter der Schirmherrschaft von Mrs. Terry Irwin steht.

Ein anderer verlängerter Urlaubstrip ging noch einmal nach Byron Bay – keine 170 km entfernt von Brisbane, wo wir den Geburtstag der Queen in allen Ehren gefeiert haben. Nicht dass mich die alte Dame aus Englang sonderlich interessieren würde, aber aus lauter Loyalität zur britischen Exkolonialmacht hat man nach wie vor am den Geburtstag von Elisabeth II. arbeitsfrei – diesmal glücklicherweise ein Dienstag. Lynda hatte ein schönes Ferienhaus rausgesucht und so ging es zu fünft an die Küste, ordentlich BBQ, Bier und Strandgeschimmel inklusive. Ein paar erholsame Tage waren es in jedem Fall, auch wenn die alte Frau am 21. April geboren wurde und nicht am 8. Juni. Die Australier sind halt etwas eigen, auch was die Geburtstagsfristen angeht. 😉

Vergangenes Wochenende war dann Australiens Sportart Nummer 1 hoch im Kurs – Rugby. Nachdem ja die erste Mannschaft der Brisbane Broncos wegen Verdachtes auch Schweinegrippe in Quarantäne gesetzt wurde, spielten die „Hengste“ doch am vergangenen Freitag gegen die Bulldogs aus Sydney. Zur Halbzeit führten sie sogar 22 – 18, was nach der Halbzeit aber in ein heilloses Chaos versank und die Gastgeber doch noch 22 – 44 abgespeist wurden. Es tat weh mit anzusehen wie die Mannschaft wortwörtlich zerfetzt wurde, aber die Bodychecks und Spielerkollisionen waren dann doch zu schön anzusehen und am Ende war mein ganz persönliches Ergebnis: 2 schwerverletzte Bulldoggen und eine beinahe ausgeartete Spielfeldschlägerei. Sehr schön und nach Fußball gleich meine zweitliebste Sportart seit diesem Freitag Abend. Seit vergangenem Samstag bin ich nun auch wieder ein Vereinsmitglied. Nachdem ich ja nach 11 Jahren Freiwilliger Feuerwehr ausgeschieden bin, bin ich seit einer knappen Woche Mitglied des Brisbane German Club, einem superkonservativen Deutschenclub in Queenslands Hauptstadt, die Schlesien und Ostpreussen noch als deutsche Bundesländer anerkennen, wo die britische Queen gleich mal aus Österreich kommt, Alleinunterhalter Andrew mit pseudoenglischem Sland deutsche Volkslieder jodelt und wo es vorzügliche deutsche Gerichte zum Schnäppchenpreis gibt und noch bessere Importbiere serviert werden. Das war wohl auch das Zugargument, warum ich seit diesem Abend eine Mitgliedskarte besitze, oder war es doch die Erhdarbietung vor Wilhelm II. und Bismarck am Eingang neben den Spielautomaten? Ich weiß es nicht mehr, ich weiß nur, dass es ein genialer Abend mit allen liebgewonnenen Leuten aus Brisbane war und ich garantiert noch das ein oder andere Ma(h)l dort (r)einkehren werde. Die Haxe mit Sauerkraut und mit dem Warsteiner Bier heute Abend tat zumindestens nicht nur der Seele unheimlich gut, sondern auch den Pfunden. Hey, ich nage ernsthaft an der 100-Kilo-Marke – 95 kg – mein großes Ziel bis zum 20. August 2009. 🙂

Ja, und dann war da ja noch die Exmatrikulation. – Bitte was? Ja, ich war mal eben für 2 Wochen kein Student mehr an der Uni Leipzig. Mein Studentenausweis aus Leipzig ist mittlerweile eh seit 6 Monaten abgelaufen und in meinem Internationalen Studentenausweis fehlt das Paßbild, welches ich in Delhi bei der Röntgenuntersuchung abgeben musste. Ich war halt einfach mal nicht zurückgemeldet und in Zeiten von Studentendemos und 600-Jahr-Feier der Alma Mater wird man bei fehldenem Semesterbeitrag schnell geext, egal ob man beurlaubt ist oder nicht und alles im Vorfeld geklärt hat. „Klar ist was bar ist.“ – So die Devise der ehemaligen Karl-Marx-Uni zu Lipsig. Egal, ich bin wieder drin, ein kleiner Schock zwischendurch, aber das bin ich ja mittlerweile gewohnt, die  indoozeanischeArschruhe hält mich vor zu großen Gewissensbissen zurück, den Rest erledigen dann Mom und Homer von zu Hause – Danke, ihr Retter! 😉

Ja, und wenn ich so zurückschaue, dann ist in den letzten Wochen doch so einiges Berichtenswertes geschehen. Die Zeit hier ist nahezu rum, morgen geht es nach Adelaide und von dort aus nach Darwin – ein kleiner Traum nach 2004 wird wahr – mit dem Ghan durchs Outback und dann mit dem Camper die Westküste runter. In Zeiten von Wirtschaftskrise und Schweinegrippe wahrscheinlich das Intelligenteste was man machen kann – raus aus dieser Scheisse, rein ins Leben und raus in die Welt. Ganz klar in jedem Fall, ohne Lynday, Achims und natürlich dem Support von zu Hause und Yvonne wäre das wieder einmal nicht möglich gewesen, aber als nun mehr erfahrener Reisender sind mir schon so einige Stolperer passiert und ich habe sie hopserhaft gemeistert. Gehört halt irgendwie dazu. Das Schöne: es demotiviert einen nicht mal, sondern spornt an weiter zu machen, es geht ja auch wieder bergauf! Und ehe es morgen erstmal steil bergauf auf 10000m Flughöhe geht, hier noch ein sattes Bilderupdate der vergangenen Wochen / Monate. Es sind viel mehr Bilder, aber ich wills mal bei denen hier belassen.

Ticket zu den tasmanischen Teufeln >>HIER<<

Ticket nach Melbourne >>HIER<<

Ticket zur Great Ocean Road >>HIER<<, Zeitungsartikel SPIEGEL

Ticket nach Sydney >>HIER<<

Ticket nach Byron Bay >>HIER<<

Viel Spaß, ein schönes Wochenende und wer weiß, wann wir uns das nächste mal lesen werden. Die Reiserei hat mich wieder, yesss Baby. Und diesmal mit meiner besseren Hälfte – es dürfte also ein genialer Trip werden, vorausgesetzt ich komme morgen früh um 5 aus den Federn, es ist schon wieder 2 Uhr morgens.

Bis die Tage. Michael

Musiktipp der Woche: Friendly Fires – „Paris“

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