Archiv für Juli, 2009

Wasserstandsmeldung…

Posted in Australia on Juli 8, 2009 by indiapore

… auch wenn das nasse Element gerade das Nötigste ist, was man in der Region benötigt, in der wir uns gerade rumtreiben. Ehe dieser Blog aber ebenso austrocknet wie das dürre Outback um uns mal wieder ein paar Infos zu unserem Trip.

Es ist eine ganze Weile vergangen und hinter uns liegen über 4500 km Wegstrecke, welche zu knappen 50% mit dem Zug bestritten wurden. Hinter uns liegen ebenso viele alte wiederbelebte sowie mindestens genauso viele neue und noch mehr brandneue Eindrücke aus dem roten Zentrum und seinen Randgebieten. Unser derzeitiger Aufenthaltsort – Katherine, eine 6000 Seelengemeinde, was schon fast einer Großstadt im australischen Outback gleichkommt, im Northern Territory und Ausgangspunkt für den gleichnamigen Gorge (sprich „Gordsch“) :-), nur der Ortbarkeit halber – Handyempfang = 0, Internet ein Fremdwort… Doch halt! Da ist dieses ominöse Informationszentrum in Nirgendwo, wo irgendwer vergessen hat das Drahtlosnetzwerk zu sichern. Findige Rucksacktouristen sind da wie Mücken um das Licht und schon hat man mal wieder die Möglichkeit seine Mails zu checken, die Lage der Freunde / Feinde checken und hier was zu posten.

Viel ist passiert die letzten zweieinhalb Wochen. Ich arbeite es der Zeit und der Leistungsfähigkeit meines Notebookakkus halber kurz und knapp ab.

Wo waren wir eigentlich? (das Machwerk in meinem Kopf, was sich Langzeitgedächtnis nennt, beginnt zu arbeiten)…

Kangaroo Island – alles find in Adelaide an, wo wir uns mit Hendrik, einem Bekannten von Yvonne getroffen haben und mit dem wir erstmal ordentlich gefeiert haben. Es war eine kurze Nacht, am kommenden Morgen holte uns ein Bus für eine 2-tägige Tour auf Kangaroo Island („KI“) ab, einer Insel, südlich vom Festland gelegen und angeblich mit mehr Koalas als Einwohnern, trotz des Namens (Ja, man sollte anderes vermuten…). Ich bin kein großer Freund organisierter Touren, streube mich immer gegen fünfminütige Fotostopps und klettere gerne meine eigenen Wege entlang – diese Tour war definitiv anders. Bob, der Tourguide, ein Vollblutaussie auf seiner letzten Tour nach 10 Jahren Tuirguide-Erfahrung – kurzerhand: es war im so ziemlich alles egal und umso entspannter war die Atmosphäre. Jedenfalls haben wir in zwei Tagen viel Spaß gehabt, die Hauptsehenswürdigkeiten gesehen (u.a. die Remarkable Rocks, Robbenkolonien, Pinguine) und des öfteren abseits des Touripfades gewandert. Umso „schader“ war dann der Abschied, denn neben Bob waren gerade mal 7 weitere Tourteilnehmer in unserem Alter dabei und außer der schnarchenden Japanierin über mir (im Doppelstockbett) war alles in bester Ordnung – easy going, danke Bob!

Adelaide – Es ging nochmal zurück und wieder haben wir uns mit Hendrik getroffen, noch eine schöne Zeit gehabt und dann ging es auch schon weiter Richtung Norden, bzw. ins Herz des Kontinents. Adelaide kam uns beiden als die bisher so ziemlich australischste Stadt vor – nicht nur, dass die Adlaider als das am schlechtesten angezogenste Völkchen Australien gelten (und das stimmt, wer würde schon in Jogginghose an einem Bankschalter sitzen!?), auch von der ganzen Benimmse und vom Umgang miteinander – es kommen so ziemlich alle Klischees der Australier zusammen – fantastisch, da können Weiber saufen wir unsere Väter, aufgemotzte Allradfahrzeuge brüllen durch die Straßen, der unrasierte cowboyhuttragende Kerl ist in Wirklichkeit Doktor. Unglaublich und einfach eine schöne Zeit – danke Hendrik, danke Adelaide.

The Ghan – Adelaide nach Alice Springs – Erster Teilabschnitt der knapp 2500 km langen Zugstrecke von Süd nach Ost des Kontinents und ein kleiner Zwischenstopp in der roten Mitte. Wer in Indien mit Zugfahren durfte, der wird beim Ghan nicht glücklich. Es kommt weder ein „Chai, Coffee, Chai, Coffee, Chai,Coffee, Chai“ – Mann vorbei, noch kann man die Toiletten nach 30 min. Zugfahrt nicht mehr benutzen. Zur Trauer des Einen, zum Vorteil des Anderen, würde ich sagen. Der Ghan verfügt sogar über eine Dusche in jedem Wagon (die hätte man sich in Indien gewünscht!). Es war eine sehr gesellige Fahrt, trotz unterster Klasse. Die Augen waren schnell zu. Ich erinnere mich an das Barossa Valley kurz nach Port Augusta und meine Erinnerung setzt wieder ein, als ich mich mitten im Outback zwischen… Büschen… roter Erde… und sonst nichts befinde. Über Nacht hat man 3 Vegetationszonen durchquert und nun ist man da, was für uns alle das Australien ist, das wir im Kopf haben. Mit an Bord – jede Menge geselliger Leute und ein Sixpack. Was will man mehr, außer vielleicht ein Kopfkissen für die Nacht? (mein Nacken hat mich später daran erinnert besser eines mitgenommen zu haben…)

Alice Springs und das rote Zentrum – Ein Trip nach Australien ist nur komplett mit einem Trip zum roten Zentrum. Und das liegt nicht etwa direkt am Gleis neben dem Zug, sondern nochmal knappe 400 km westlich von Alice Springs und beherbergt den Uluru, Kata Tjuta und den Kings Canyon – drei Sehenswürdigkeiten, für die sich die lange Wegstrecke abermals lohnt, mal von den ganzen Annehmlichkeiten einer langen Busfahrt abgesehen. Wonnis zweiter Besuch beim roten Riesen, meine vierte Stepvisite. Und wieder war es einmalig, auch wenn wir es wieder nicht geschafft haben auf den Riesen zu steigen (Heinrich Harrer hat meine Einstellung dazu verändert, Schuld am „Nichtaufstieg“ waren daher lediglich meine Schuhe, die kaum Profil haben und eigentlich nur „schick“ sind, aber nicht sportlich, wie ich schmerzlich feststellen musste…). Am schönsten fanden wir wieder den Kings Canyon, nicht zuletzt wegen der vielen Rotärbungen des Gesteins, sondern auch wegen der vielen spektakulären Aussichten. Zurück in Alice Springs, dann das alte Bild – massenhaft indigene Kunstausstellungen (als Kunststudent weiß ich, dass die Ureinwohner Australiens ausschließlich im hohen Norden und tiefen Süden mit der Kunstfertigung beschäftigt sind, im Zentrum jedoch aufgrund der Trockenheit und Hitze Didgeridoos, Boomeränge und anderes artistisches Utensil als Ballast betrachtet werden beim Herumziehen, ebenso wie die berühmten „Dot-Paintings“, die man nahezu überall vom Künstler direkt kaufen kann), trinkende Aborigines und… Moment, es hat sich doch was geändert. Die Stadt scheint nahezu in fester Hand vo Adventure Tours Australia zu sein, an jeder Ecke blinkt das Symbol der überteuerten Touranbieter und selbst wenn man meint, einen anderen Anbieter gefunden zu haben – sei dir immer sicher, es ist irgendwie in der Hand des Großunternehmens. Es ist irgendwie alles eine große Familie geworden, das Hostel, in dem ich die letzten beiden Male noch geschlafen habe, wurde kurzerhand weggerissen (es war damals das größte Hostel mit über 500 Betten, nur mal so am Rande) und statt dessen prägen jetzt massenhaft neue Hostels das Stadtbild – der Betreiber dürfte ja jedem klar sein. 😉

The Ghan – Alice Springs nach Darwin – Teil 2 der Strecke gen Norden. Es ist fast geschafft – 48 h nähern sich dem Ende. Ein kurzer Stopp in Katherine (4 h), den Yvonne und ich zum Golfspielen nutzen. Ein Handicap kann man das noch nicht nennen, was wir da geschlagen haben, aber es hat gerockt, vor allem der Abweg durch die Sprinkleranlagen. 😉 Der Blick aus dem Fenster war vor allem durch eines geprägt – der Blick ins Nichts – Steppe, Wüste, Outback – man kann es nennen wir man will, daher ist es auch verständlich, dass der Blick langsam müde wurde und die Augen ein weiteres Mal zufielen.

Darwin – Angekommen in Darwin gleich eine Feststellung – Die Stadt eindeutig zu wenig Taxifahrer. Über eine Stunde haben wir zu acht am Bahnhof gewartet um in die Stadt in unser Hostel zu kommen – unglaublich, aber es gab einfach kein Taxi. Egal, ans Ziel gekommen sind wir trotzdem, auch mit Warten und in Darwin selbst hat dann schon Lynda auf uns gewartet, mit der wir die kommenden Tage bestreiten wollten. Am krassesten verändert hat sich meiner Meinung nach in den letzten 5 Jahren Darwin. Aus der „Flachbautenmetropole“ im Norden ist eine boomende Hochhausstadt geworden, und das obwohl hier immer  mal wieder Zyklone vorbeischauen und alles platt machen. Mindestens genauso belebt sind die Straßen der Stadt, es gleicht fast einem zweiten Lloret de Mar hier im Northern Territory, allerdings hat sich die Stadt ihren Aussie-Flait behalten und nach 2004 konnte ich Yvonne und Lynda viele Stellen und Plätze zeigen, die damals meinen Alltag geprägt haben (und das sind nicht nur die Bars und Clubs!). Zwei Tage haben wir hier verbracht bevor wir „Humpty Doo“, unseren Camper in Empfang genommen haben und mit dem wir jetzt die kommenden 30 Tage durch das Land fahren werden. Der Aufenthalt in Darwin war sehr schön, die Stadt ist trotz ihres enormen Zulaufs eine Top-Destination, der Mindil Beach Market ist nach wie vor das Highlight an einem Donnerstag- oder Sonntagabend und überhaupt kann man sich bei konstanten 30 Grad eigentlich nur wohl fühlen. Danke, Charles Darwin für diese Stadt und für diese schöne Zeit… 🙂 (Darwin hieß ursprünglich Port Darwin und wurde von zwei Erstsiedlern nach dem Evolutionsforscher (150 Jahre im Jahr 2009!!!) benannt, weil sie mit dem selben Schiff, der HMS Beagle irgendwann 1860 (!) hier gelandet sind. Darwin selber war angeblich NIE in Darwin, ich werde der Sache nachgehen.) 🙂

Kakadu und Litchfield – Zwei Nationalparks, drei Tage. Zwei Weiber im Gepäck, ein Gefährt unterm Hintern und ab und an ein Buschfeuer. Die Aussichten grandios, der kulturelle Input massiv und die Nächte etwas kurz. Alles in allem sehr eindrucksvoll und noch mehr Fotos als sonst.

Zurück in Darwin schließt sich der Kreis allmählich, mittlerweile sind wir gut 350 km unter Darwin und morgen geht es knappe 600 km Richtung Westen über die Grenze nach Western Australia – unbekanntes Terrain, denn bis auf Kangaroo Island und Tasmanien kannte ich alles bisher Gesehene und konnte Vergleiche ziehen zu 2004. Das hört morgen auf. Ich freue mich riesig auf die kommenden 30 Tage, freue mich riesig auf Freunde, die wir wiedersehen werden, weil sie sich gerade jetzt durch Zufall auf gleicher Strecke befinden – u.a. Leidgenosse Jinseop aus Melbourne, der in Kununurra Arbeit gefunden hat, Julian, Vanessa, Caro und Birgit aus Brisbane und den ein oder anderen Hüpfer auf der Strecke (oder doch eher neben der Strecke).

Wann es den nächsten Eintrag geben wird, keine Ahnung – Internet ist recht spärlich im Moment, lediglich der Handybrowser funktioniert, vorausgesetzt es gibt Empfang. Ehrlich gesagt schreie ich auch gerade nicht nach Erreichbarkeit. Das Camperleben hat mich voll und ganz erwischt. Die Abende unter freiem Himmel sind mindestens genauso genial wie das Aufwachen durch die ersten Sonnenstrahlen und davon gibt es hier ja bekanntlich genug. 🙂

Ich schließe daher diesen Eintrag und grüße herzlichst aus der Ferne!

Michael (und Yvonne)